Arbeitssicherheit, Wirtschaft | 14.11.2019

Arbeitssicherheit im Mittelpunkt

Bei einer Tagung auf der Agrialp ging es darum, wie Unfälle in der Land- und Forstwirtschaft vermieden werden können. Außerdem wurden Neuigkeiten zur Revision von Traktoren vorgestellt. von Anna Pfeifer

Die Referenten der Arbeitssicherheits-Tagung: (v.l.) Vincenzo Laurendi, Stefano Antonioli, Martin Mair, Gerhard Reeh

Die Referenten der Arbeitssicherheits-Tagung: (v.l.) Vincenzo Laurendi, Stefano Antonioli, Martin Mair, Gerhard Reeh

Immer wieder sind schwere Unfälle in der Land- und Forstwirtschaft zu beklagen. Die traurige Bilanz des heurigen Jahres: Bisher sind bereits fünf tödliche Arbeitsunfälle zu verzeichnen. Im Gegensatz dazu endete 2018 kein Arbeitsunfall in der Landwirtschaft tödlich. Um solch tragische Ereignisse zu verhindern, setzt der Bauernbund zusammen mit dem Unfallinstitut INAIL auf Prävention. Das war auch Thema einer Tagung am 9. November im Rahmen der Agrialp.

Internationale Referenten
Referenten aus Österreich, der Schweiz, Südtirol und Rom informierten die Teilnehmenden über die Vorbeugung von Arbeitsunfällen. Der Schweizer Experte Stefano Antonioli gab den Anwesenden Tipps zur Totholzbringung. Antonioli unterstrich: „Viele unterschätzen das Risiko beim Fällen von abgestorbenen Bäumen. Sind diese erst einmal ausgedorrt, ist die Gefahr durch herabfallende Baumteile sehr hoch.“ Aus diesem Grund wird bei Kursen zur Holzbringung in der Schweiz eine besondere Schnitttechnik mit der Motorsäge vermittelt, der das Keilen beim Fällen überflüssig macht. Zudem werden die toten Bäume mit der Seilwinde zu Fall gebracht.
Gerhard Reeh berichtete über die Nutzung des Sicherheitsgurtes auf Traktoren in Österreich. Dabei nannte er überraschende Zahlen: 80 Prozent der Traktoren in Österreich haben keinen Sicherheitsgurt. Zudem nutzen nur sechs Prozent der Landwirte, deren Traktor mit einem Gut versehen ist, diesen auch. Gesamtheitlich betrachtet bedeutet dies, dass in Österreich nicht einmal ein Prozent der Landwirte einen Sicherheitsgut verwendet. Eine geringe Anzahl, wenn man bedenkt, dass – wie Antonioli betonte – in der Schweiz im vergangenen Jahr 18 von 25 Landwirten ihren Arbeitsunfall überlebt hätten, wenn sie angeschnallt gewesen wären. Reeh gibt zu bedenken: „Jeder Landwirt sichert seine Ladung vor dem Transport. Warum sichert er dann nicht auch das Wertvollste auf seinem Fahrzeug: sich und sein Leben?“

Neues zur Hauptuntersuchung
Auch die Hauptuntersuchung (Revision) landwirtschaftlicher Traktoren und die neue technische Norm der Obsterntemaschinen waren Thema der Veranstaltung. Wie Vincenzo Laurendi vom INAIL aus Rom unterstrich, sei auch die Hauptuntersuchung eine präventive Maßnahme, um Arbeitsunfällen vorzubeugen. Zudem wolle man durch die Hauptuntersuchung vermeiden, dass bei Kontrollen auf Betrieben Strafen ausgestellt werden müssen. Bei der Hauptuntersuchung werde nämlich überprüft, ob das Fahrzeug allen Vorschriften entspreche. Voraussichtlich werden bei der Hauptuntersuchung unter anderem die Bremsen, der Lärmpegel, die Abgase, die Reifen und die Beleuchtung der Traktoren kontrolliert. Durchführen sollen die Hauptuntersuchung private Einrichtungen, mit welchen Vereinbarungen abgeschlossen werden müssen.
Bisher war für Traktoren mit Erstzulassung vor dem 31. Dezember 1983 eine Prüfung innerhalb 30. Juni 2021 vorgesehen und für neuere Traktoren in den darauffolgenden Jahren. Dieses Datum wird allerdings verschoben, da in Rom noch einiges zu klären ist. Wann genau die Hauptuntersuchung dann fällig sein wird und für welche Fahrzeuge, steht allerdings noch nicht fest.

Sicherheit der Obsterntemaschinen
Die neue technische Norm für die Obsterntemaschinen ist seit September 2018 in Kraft. Die Norm ist die EN 16952 und trägt den Titel „Landmaschinen - Geländearbeitsbühnen für Obstplantagearbeiten“ (Macchine agricole – Piattaforme di lavoro fuoristrada per operazioni in fruttetto). Diese Norm gilt nun auf europäischer Ebene und schafft Klarheit für die Hersteller von Obsterntemaschinen, u.a. für die Sicherheitsaspekte. Neue Obsterntemaschinen müssen dieser Norm entsprechen.

Der Saal war sehr gut gefüllt und die Teilnehmer hatten erstmals die Möglichkeit, sich die Stunden der Tagung als Auffrischung der Funktion „Leiter der Dienststelle Arbeitsschutz für Arbeitgeber“ gutschreiben zu lassen – anstelle des Besuchs eines Pflichtseminars. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler, der die Tagung eröffnete, bedankte sich herzlich bei den Referenten sowie bei den Verantwortlichen der Landesdirektion des Unfallversicherungsinstitutes INAIL, das durch ihre finanzielle Unterstützung diese für die Teilnehmer kostenlose Tagung ermöglichte.