Südtiroler Landwirt | 24.10.2019

Wettbewerbsfähigkeit sichern

Landesrat Arnold Schuler präsentierte kürzlich gemeinsam mit Fachleuten der Freien Universität Bozen und des Versuchszentrums Laimburg an der Fachschule Dietenheim den aktuellen Stand der Arbeiten zum Aktionsplan Berglandwirtschaft. von Antonella Nardella

Im Forschungsstall am Standort "Mair am Hof" in Dietenheim sind die Versuche für den Systemvergleich von Low- und High-input-Systemen angelaufen.

Im Forschungsstall am Standort "Mair am Hof" in Dietenheim sind die Versuche für den Systemvergleich von Low- und High-input-Systemen angelaufen.

Der Aktionsplan für Forschung und Ausbildung in Berglandwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften war im Herbst 2015 von der Landesregierung beschlossen worden. Die Arbeiten starteten 2016 zunächst für die Dauer von fünf Jahren. 

Durch den Aktionsplan konnte insbesondere eine Personalaufstockung in den verschiedenen Bereichen der involvierten Partnerinstitutionen erreicht werden. Dies berichteten Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums Laimburg, und Professor Matthias Gauly von der Freien Universität Bozen im Rahmen der Tagung in Dietenheim.  

Am Versuchszentrum Laimburg wurde beispielsweise der Bereich Beeren- und Steinobst personell verstärkt. Dank des Aktionsplans konnte die Arbeitsgruppe „Stein- und Beerenobst“ von einer Mitarbeiterstelle auf vier Mitarbeiterstellen aufgestockt werden. 

Neue Anbauformen untersucht

Auf diese Weise wurden Tätigkeiten und Projekte ausgeweitet und spezifische Fragestellungen zu den einzelnen Kulturen bearbeitet. Darüber hinaus wurde auch die traditionsreiche Kastanie und deren Problematiken im Anbau in Versuche eingebaut. Auch neue­re Nischen- bzw. Ergänzungskulturen wie die Haselnuss, die Minikiwi und die Maibeere sowie Sanddorn und Felsenbirne können dank der neuen Ressourcen auf ihre Anbaueignung in den Südtiroler Mittelgebirgslagen hin geprüft werden.

Projekt „Systemvergleich“ 

Das Projekt „Systemvergleich“ des Versuchszentrums Laimburg und der Freien Universität Bozen basiert auf einer umfassenden Analyse der Vor- und Nachteile ­(Futterproduktion und -qualität, Tiergesundheit, Tierleistung, Stoffflüsse, N-Effizienz bis hin zur Milchqualität) von zwei Produktionssystemen, welche sich in ihrer Intensität bei der Fütterung stark unterscheiden. Die Systeme stellen zum einen ein High-input-System (hohe Milchleistung, überwiegend Kraftfuttereinsatz, ganzjährige Stallhaltung) basierend auf der Rasse Fleckvieh sowie ein Low-input-System (Milchleistung überwiegend aus dem Grundfuttereinsatz, Weidehaltung während der Vegetationsperiode) basierend auf Tiroler Grauvieh dar. 

Neue Technik im Forschungsstall „Mair am Hof“

Am Standort Dietenheim „Mair am Hof“ wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg und der Universität Bozen Versuchskapazitäten im Bereich der Milchviehhaltung sowie der Rindermast aufgebaut. Nach Umbaumaßnahmen des bestehenden Milchviehstalles und Installa­tionen von neuester Technik wie Futterwiegetrögen haben die Versuche dieses Jahr begonnen. 

Die zwei Systeme der Milcherzeugung (Low- und High-input-System) können hier gleichzeitig implementiert und miteinander verglichen werden. Die Infrastrukturen zur Weidehaltung und Erfassung der Futteraufnahme ermöglichen einen zuverlässigen, genauen Vergleich. Gleichzeitig dient der Standort dem Zwecke der Ausbildung (Schüler, Studenten, Landwirte) sowie als Modellstall für Landwirte. 

Die angeschaffte Infrastruktur stellt eine langfristige Grundlage für Versuchsfragen an der Schnittstelle zwischen Grünlandwirtschaft (inkl. Futterbau und Beweidung) und Viehhaltung/Tierernährung dar. Sie ist auch Voraussetzung für die Nutzung von Synergien zwischen der Freien Universität Bozen und dem Versuchszentrum Laimburg, die sich aus der gegenseitigen Ergänzung der jeweiligen Kompetenzen ergeben. 

Grünlandwirtschaft aufgestockt

Auch der Bereich Grünlandwirtschaft des Versuchszentrums Laimburg konnte dank der Initiative personell aufgestockt werden. Dies ermöglichte es, mehr Projekte und Tätigkeiten im Bereich der Sortenprüfung von Futterpflanzen sowie der Optimierung von Saatgutmischungen (Südtiroler Qualitätssaatgutmischungen) umzusetzen. Dadurch bekommen die Landwirte auf dem lokalen Markt standortangepasste, maßgeschneiderte Saatgutmischungen für das Grünland.

Acker- und Kräuteranbau

Der „Aktionsplan Berglandwirtschaft“ hat eine verstärkte Abwicklung von Projekten mit Schwerpunkt Sortenprüfungen und Kulturführung im Bereich Acker- und Kräuteranbau ermöglicht. Dadurch sollen die Anbauer lokale Sortenempfehlungen bekommen, die für die Südtiroler Anbaubedingungen maßgeschneidert sind – im Bereich Getreide bei Roggen, Braugerste und Hafer, im Bereich Kräuter bei Zitronenmelisse. 

Mit Hilfe des Aktionsplans konnte der Bereich Lebensmitteltechnologie aufgestockt und verstärkt werden, vor allem im Bereich Bier. 

Zum Thema Landsorten ist im Rahmen des Aktionsplans eine tief gehende agronomische Charakterisierung von Südtiroler Landsorten, z. B. Brotklee, im Laufen. Die Ergebnisse stellen wesentliche Entscheidungshilfen für die Berglandwirtschaft und die Genossenschaften dar. Der Vergleich der Milcherzeugungssysteme in Dietenheim soll dabei helfen, langfristig hohe Milchpreise zu sichern. 

Daneben will Dietenheim einzelnen Landwirten dazu dienen, für den eigenen Betrieb Handlungsoptionen abzuleiten und eine bessere Wirtschaftlichkeit zu erreichen.