Produktion, Südtiroler Landwirt, Innovation | 10.10.2019

Beim Hanfanbau auf Regeln achten

2016 wurde der Hanfanbau für THC-arme Sorten in Italien vereinfacht. Daraufhin hat ein Boom in der Branche eingesetzt. Jüngste Urteile und Rundscheiben mahnen aber zur Vorsicht, zumal einige Hanfprodukte nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen dürften. von Walter Rier

Bevor man sich mit dem Anbau von Hanf beschäftigt, sollte man sich gut informieren. (Foto: Pixabay/Nicky Pe)

Bevor man sich mit dem Anbau von Hanf beschäftigt, sollte man sich gut informieren. (Foto: Pixabay/Nicky Pe)

Der Gesetzgeber hat den Hanfanbau in Italien vor knapp drei Jahren geregelt (Gesetz
Nr. 242 vom 21. Dezember 2016) und lässt den Hanfanbau in Italien unter folgenden Bedingungen zu:  Es muss sich um Hanfarten handeln, welche im „Gemeinsamen Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten“ gemäß Art. 17 der EU-Richtlinie 2002/53 enthalten sind. Die Hanfarten dürfen nicht den Einschränkungen des nationalen Drogengesetzes unterliegen, und der THC-Gehalt muss unter 0,2 Prozent liegen.

Der Anbau ist ausschließlich für folgende Zwecke zugelassen:
- Lebensmittel und Kosmetika, unter Berücksichtigung der sektorspezifischen Normen;
- Zwischenprodukte (semilavorati) wie Fasern, Pflanzenteile, Pulver, Hackschnitzel, Öle oder Brennstoffe, für die Lieferung an Industrie- und Handwerksbetriebe (z. B. für Dämmstoffe im Baugewerbe);
- Herstellung von Saatgut und Pflanzen zum Verkauf als Zierpflanze durch Gärtnereien;
- Anbau als Gründünger wie  für die Reinigung verschmutzter Standorte;
- Anbau für Bildungs- und Demonstrationsaktivitäten sowie für die Forschung durch öffentliche oder private Einrichtungen;
- Nutzung als Bioenergie im eigenen Betrieb.

Für den Anbau ist keine Lizenz erforderlich. Es besteht allerdings eine Meldepflicht des Anbaues an die nächstgelegene Polizei- oder Carabinieri-Dienststelle oder die nächstgelegene Finanzwache. Außerdem bestehen auch die üblichen Meldepflichten wie die Handelsregistereintragung oder die Meldung an die Agentur für Einnahmen.
Der Bauer ist verpflichtet, die Etiketten der ausgebrachten Hanfsamen sowie die entsprechende Einkaufsrechnung für mindestens zwölf Monate aufzubewahren. Die Überwachung erfolgt durch die Forstbehörde.

Restriktive Rundschreiben und Urteile
Verschiedene Rundschreiben und Urteile legen diese Bestimmungen sehr restriktiv aus. Der Grundtenor ist: Wenn die Produkte nicht eindeutig den im Gesetz vorgesehenen Zwecken entsprechen, handelt es sich um eine verbotene Ausdehnung des Anwendungsbereiches des Gesetzes. Das könnte zum Beispiel durch den effektiven Verwendungszweck (z. B. als Rauchware) oder den verwendeten Pflanzenteil (z. B. Blüten) gegeben sein.
Grundsätzlich ist auch der THC-Gehalt ein Problem. Hier ist allerdings zwischen Anbauer und Vermarkter zu unterschieden: Für den Bauern hat beispielsweise ein THC-Gehalt von 0,2 bis 0,6 Prozent keine Folgen. Übersteigt der THC-Gehalt 0,6 Prozent, so ist die Beschlagnahme und die Vernichtung vorgesehen.
Wenn allerdings ein Vermarkter Produkte verkauft, deren THC-Gehalt 0,6 Prozent übersteigt, so handelt es sich auf jeden Fall um eine Übertretung der Drogenbestimmungen, die mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs und 20 Jahren oder einer Geldstrafe von 26.000 bis 260.000 Euro geahndet wird. Ein Urteil des Höchstgerichtes, das in der Branche für großes Aufsehen und Verunsicherung gesorgt hat, stuft auch die Vermarktung von leichten Cannabisprodukten außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen als Straftat ein.

Hanf als Lebensmittel
Die Generaldirektion für Lebensmittelhygiene, Lebensmittelsicherheit und Ernährung (DGISAN) hat im Juni 2019 mittels Schreiben an das Amt für Prävention der Provinz Bozen die Bedingungen der Verwendung von Hanf als Lebensmittel festgeschrieben.
Demnach dürfen die Samen von „Cannabis sativa L.“ und deren Derivate (Hanfsamenmehl, Hanfsamenöl) als Lebensmittel hergestellt und verkauft werden, sofern sie aus Hanfpflanzen stammen, die gemäß dem anfangs genannten Gesetz angebaut wurden. In diesem Falle ist eine sanitäre Registrierung (SUAP) notwendig.
Für alle anderen Produkte, z. B. Extrakte und Folgeprodukte, die Cannabinoide ent­halten (dazu gehört auch Cannabidiol-CBD), gelten die Regelungen für „Novel Food“ – also für neuartige Lebensmittel.
Da hier keine Nutzung als Lebensmittel in nennenswertem Umfang vor 1997 nachgewiesen werden kann, müssen sie vor In-
Verkehr-Bringen einer gesundheitlichen Bewertung im Sinne der „Novel-Food“-Bestimmung unterzogen werden.
Da dies bis jetzt nicht erfolgt ist, dürfen diese Produkte für den menschlichen Verzehr weder hergestellt noch in Umlauf gebracht werden. Auch andere Pflanzenteile als Samen und deren Derivate dürfen demnach nicht als Lebensmittel verwendet werden, zum Beispiel in getrockneter Form als Tee und Ähnliches.

Regeln genau einhalten
Da das Thema Hanfanbau in der italienischen Politik nach wie vor sehr umstritten ist, wird angeraten, sich streng an die gesetzlichen Grundlagen zu halten und die weitere Entwicklung im Auge zu behalten.