Produktion, Südtiroler Landwirt | 13.09.2019

VOG: Sortenstrategie 2025

Ende August präsentierte der scheidende Direktor Gerhard Dichgans in Terlan die Sortenstrategie 2025 des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG). Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Apfelwirtschaft langfristig sichern, die Marktposition stärken und die Produktpalette erweitern. von Johanna Höller

Die Sorte Envy soll im Einzugsgebiet des VOG künftig auf weiteren 140 Hektar angepflanzt werden.

Die Sorte Envy soll im Einzugsgebiet des VOG künftig auf weiteren 140 Hektar angepflanzt werden.

Bei der Vorstellung der Sortenstrategie 2025 im Haus des Apfels in Terlan Ende August erklärte der langjährige Direktor des Verbandes VOG, Gerhard Dichgans, Maßnahmen und Ziele der neuen Sortenstrategie. Dieses Projekt wird das Portfolio des Verbandes in den nächsten fünf Jahren grundlegend verändern.

Analyse der Ist-Situation
Die Analyse der aktuellen Situation der Südtiroler Apfelwirtschaft stellte den ersten Schritt der Strategie dar: Auf etwa 10.300 Hektar bauen die knapp 5000 Verbandsmitglieder Äpfel an. Für die Familienbetriebe, die im Durchschnitt nur wenige Hektar bewirtschaften, ist die Wahl der Sorte in Hinblick auf die Rentabilität entscheidend. Noch bis vor wenigen Jahren machte der Golden Delicious mehr als 25 Prozent der Ernte im VOG-Einzugsgebiet aus. Laut den Ernteprognosen 2019 soll nun der Gala erstmals den vordersten Platz in der Rangliste einnehmen.

Gesättigte Märkte
Die letzte Vermarktungssaison hat gezeigt, dass das große Angebot an italienischen Golden Delicious es erschwert, sich auf den bereits gesättigten Märkten wie Italien und Spanien zu behaupten.
Der europäische Apfelmarkt erlebt derzeit eine Krise der strukturellen Überproduktion, die auf riesige neue Anbauflächen in Osteuropa zurückzuführen ist. In einigen Jahren werden sie in den Vollertrag kommen und zu einem harten Preiskampf bei den klassischen Sorten führen. Deshalb ist es notwendig, sich nach neuen Märkten und Sorten umzuschauen: Indien oder Südostasien bevorzugen andere Apfelsorten. Gerhard Dichgans ist überzeugt: „Es gibt nicht den perfekten Apfel. Es gibt nur den richtigen Apfel für den jeweiligen Markt.“

Projekt Sortenerneuerung
In den kommenden fünf Jahren soll die Sortenstrategie der weiteren Differenzierung der Produktpalette dienen, die Position am Markt stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Apfelproduktion langfristig sichern. Bereits vor Jahrzehnten begann der Verband, sich innovativer Apfelsorten anzunehmen – von der Einführung des Gala und Fuji bis zu hohen Investitionen in den ersten „Clubapfel“ Pink Lady®. Es folgten Kanzi®, Jazz™ und envy™. Die Märkte erfordern eine Diversifikation der Produktpalette und neue, bessere sensorische Eigenschaften.

Teils bekannte, teils völlig neue Sorten
Die Sortenstratgie 2025 unterbreitet nun den Obstbauern im Verband neue Sortenprojekte für insgesamt 1800 Hektar Anbaufläche. Diese ist teils in bereits bekannte und teils in völlig neue Apfelsorten unterteilt: So sind weitere 120 Hektar Pink Lady®, zusätzliche 140 Hektar envy™, 80 Hektar Shinano Gold/yello®, 150 Hektar Crimson Snow®, 120 Hektar Joya® und 30 Hektar Sweetango® geplant. Auch traditionelle und nach wie vor beliebte Sorten sollen weiterhin zum Zug kommen.

So soll die Sorte Royal Gala ihre derzeitigen etwa 25 Prozent Ernteanteil beibehalten.
Darüber hinaus schlägt der Verband seinen Mitgliedern die Einführung neuer Sorten vor, für die exklusive Vermarktungsrechte in Europa erlangt wurden und die gemeinsam mit der VI.P verwaltet werden. Es sind dies drei neue „managed varieties“ – Äpfel mit Sortenschutz: Cosmic Crisp®, ein Apfel, der den Markt der Vereinigten Staaten bereits revolutioniert hat. Und zwei weitere Sorten mit dem Kürzel SK22 und SK23, die sich noch in der Testphase befinden. Sie sind zur Erweiterung des Angebotes in der zweiten Hälfte der Vermarktungssaison und für weite Transporte nach Übersee gedacht.
Weniger Golden, Red Delicious und Braeburn
Die angestrebten Neupflanzungen bedeuten auch, dass im gleichen Ausmaß ältere Anlagen mit nicht mehr marktgängigen Sorten oder älteren Klonen gerodet werden müssen. Die Sorte Golden Delicious, die seit Jahrzehnten den Anbau im VOG-Einzugsgebiet bestimmt hat, wird voraussichtlich von derzeit 25 Prozent Anteil an der Anbaufläche auf 15 Prozent sinken. Weniger Anbaufläche ist auch für die Sorten Red Delicious und Brae­burn vorgesehen.