Südtiroler Landwirt, Politik | 29.08.2019

Mit Fakten überzeugen

Viele Diskussionen um den Obstbau werden oft mit viel Emotion, aber mit wenig Sachkenntnis geführt. Ein neues Infoblatt wartet nun mit Fakten zu häufig gestellten Fragen rund um den Apfelanbau auf.

Verstärkt über den Apfelanbau aufklären: Das will das Apfelkonsortium mit einem neuen Faltblatt. (Foto: Apfelkonsortium)

Verstärkt über den Apfelanbau aufklären: Das will das Apfelkonsortium mit einem neuen Faltblatt. (Foto: Apfelkonsortium)

Oft stellen sich Radler und Spaziergänger Fragen, wenn sie die Bauern bei der Arbeit in den Wiesen beobachten: Wie viel Wasser wird hier verbraucht? Was wird gespritzt? Was ist der Unterschied zwischen integriertem und biologischem Anbau? Der neue Info-Folder „Sieben Fakten zur Südtiroler Obstwirtschaft“ gibt darüber Auskunft. 
Das Faltblatt wurde vom Südtiroler Apfelkonsortium und den darin vertretenen Genossenschaftsverbänden in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauernbund und dem Hoteliers- und Gastwirteverband erstellt. Die Obstwirtschaft bemüht sich seit Jahren gemeinsam mit dem Bauernbund um verstärkte Aufklärung und Information über den Apfelanbau. 
Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, erklärt: „Wir werden selbst immer wieder mit Fragen aus der Bevölkerung konfrontiert und wissen, dass auch Urlaubsgäste gerne mehr Informationen über den Obstanbau in Südtirol wünschen – schließlich genießen sie Südtiroler Äpfel auch zu Hause.“ Das neue Faltblatt dient besonders Tourismustreibenden als Hilfestellung – für ihre eigene Information, aber auch zum Verteilen an Urlaubsgäste, die Zweifel oder Kritik äußern. Kössler dankt dem HGV für die Unterstützung in dem Bemühen, auch Urlaubsgäste über die Arbeit der Südtiroler Obstbauern zu informieren.
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler unterstreicht, dass eine fundierte Aufklärung auch im Umgang mit der einheimischen Bevölkerung wichtig ist: „Das Faktenblatt ist eine nützliche Unterlage für alle Obstbauern, die Informationen über ihre Tätigkeit geben und mit Einheimischen und Gästen über den Apfelanbau sprechen.“ 

Faltblatt mit nützlichen Fakten
Das neue Faltblatt ist eine Ergänzung zum bestehenden Informationsmaterial über ­Südtiroler Äpfel. Es unterscheidet sich von bisherigen Publikationen darin, dass es spe­ziell auf den Anbau und gezielt auch auf neue bzw. kritische Fragestellungen eingeht: bio und integriert, Biodiversität, Pflanzenschutz und Wasserverbrauch, Landschaftsbild und das viel zitierte Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat. Das Apfelkonsortium unterstreicht in dem Faltblatt, dass strenge gesetzliche Vorschriften das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln regeln. Die Bauern verwenden ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die behördlich zugelassen und damit auch absolut sicher sind. Die Anbauprogramme von AGRIOS und Bioverbänden sehen freiwillige Einschränkungen vor, um Rückstände zu reduzieren und Nützlinge und andere Tierarten zu schonen.

Rolle von Glyphosat in Südtirol
Eines der wohl meistdiskutierten Pflanzenschutzmittel weltweit ist Glyphosat. Im Südtiroler Obstbau spielt dieses Herbizid eine untergeordnete Rolle. Immer mehr Bauern setzen auf andere Methoden, darunter die mechanische Bearbeitung des Unterbewuchses. Sofern er überhaupt zum Einsatz kommt, wird der Unkrautvertilger nur in Bodennähe am Baumstreifen ausgebracht. Mit den Früchten selbst kommt der Wirkstoff niemals in Kontakt. In dem Faltblatt wird betont, dass Südtiroler Obst besonders sicher ist und regelmäßig durch Anbauverbände, Behörden, Verbraucherorganisationen und von Kundenseite kontrolliert wird. 

Artenvielfalt und Pflanzenschutz
Widerlegt wird in dem Faktenblatt die weit verbreitete Auffassung, „integriert“ sei gleichbedeutend mit „konventionell“. Konventionelle Bauern halten sich nur an die gesetzlichen Mindestvorgaben. Südtirol ist aber seit über 30 Jahren europaweit Vorreiter im integrierten Anbau. 
Hier gelten die strengen Richtlinien der AGRIOS, die Wert auf natürliche Pflegemaßnahmen und eine ressourcenschonende Arbeitsweise legen. Beispielsweise sind maximal 50 Prozent der gesetzlich zugelassenen Rückstandshöchstmenge auf AGRIOS-zertifiziertem Obst zulässig. Über 98 Prozent der Südtiroler Bauern arbeiten entweder integriert oder biologisch.
Auch auf das Thema Artenvielfalt geht das Infoblatt ein. Wissenschaftlichen Studien zufolge beherbergt ein einziger Quadratmeter Obstwiese mehr als 4000 Bodenlebewesen. Die Artenvielfalt in den Obstwiesen wird zudem mit Hecken und anderen Strukturelementen gefördert. Darüber hinaus widmen die Obstbauern dem Bienenschutz ein besonderes Augenmerk. 
Im Südtiroler Obstbau kann man auch nicht von einer Monokultur im klassischen Sinn reden, heißt es in dem Faltblatt. Die bäuerlichen Betriebe sind nur 2,5 Hektar klein, dazu kommen andere Nutzflächen wie Weinbau, die im selben Gebiet liegen. Anders als in einem Maisfeld wachsen zwischen den Apfelbäumen zahlreiche Gräser, Blumen und Kräuter. Auch zu den Themen Bewässerung, Hagelnetze und Lagerung der Äpfel gibt der Folder Auskunft. 

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Verteilung an UaB-Betriebe
Das neue Infoblatt steht ab sofort in gedruckter und digitaler Version zur Verfügung und wird an Tourismustreibende und Tourismusvereine verteilt. Obstbaubetriebe mit Urlaub auf dem Bauernhof, die Mitglied beim „Roten Hahn“ sind, erhalten das Faltblatt mit der Post.