Südtiroler Landwirt | 29.08.2019

Landwirtschaft wird noch grüner

Die EU-Agrarpolitik, internationale Handelsabkommen, der Klimawandel und die Almwirtschaft waren einige der Themen, die Vertreter verschiedener Bauernverbände und der Agrarpolitik auf der Europawanderung Anfang August in der Almenregion Gitschberg-Jochtal besprochen haben. von Michael Deltedesco

Bei der Europawanderung diskutierten Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen und der Agrarpolitik über die Landwirtschaft von morgen.

Bei der Europawanderung diskutierten Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen und der Agrarpolitik über die Landwirtschaft von morgen.

Bereits seit vielen Jahren treffen sich auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes und des EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann die Spitzen bäuerlicher Organisationen aus Tirol, Bayern, Salzburg und Vorarlberg sowie Agrarpolitiker zu einem Agrargipfel, bei dem sich alles um die aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft dreht. 
Ein Thema heuer war die Europäische Union nach den EU-Wahlen. Der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler betonte: „Wir brauchen mehr denn je ein starkes Europa, um den großen Herausforderungen wie dem Klimawandel zu begegnen und ein Gegengewicht zu den übrigen Weltmächten zu bilden.“ Auch für die Landwirtschaft selbst sei ein geeintes und starkes Europa wichtig.

Bäuerinnen und Bauern sind Teil der Lösung
Auch der Klimawandel sorgte für Gesprächsstoff. Joachim Rukwied, Präsident des Europäischen Bauernverbandes COPA und des Deutschen Bauernverbandes, erklärte: „Die Landwirtschaft wird grüner werden. Die Bäuerinnen und Bauern sind ein Teil der Lösung.“
Weitere Themen waren die EU-Agrarpolitik und das zukünftige Agrarbudget. „Wir hoffen, dass noch heuer eine Entscheidung fällt. Die neue Agrarpolitik muss einen gesellschaftlichen Konsens finden und gleichzeitig die Bauern arbeiten lassen“, stellte Rukwied klar. 

Dorfmann: Agrarbudget hängt wesentlich von Mitgliedstaaten ab
Für den EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann hänge die Frage des zukünftigen EU-Agrarbudgets maßgeblich von den Nationalstaaten ab: „Wenn das EU-Budget insgesamt gekürzt werden sollte, wird auch das Agrarbudget sinken“, gab er zu bedenken. 
Daher müsse auf die Nationalstaaten Druck ausgeübt werden, das Budget wie bisher zu belassen. Zudem seien in der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einige Korrekturen nötig, etwa bei den Flächenförderungen. 

Mehr Planungssicherheit und Unterstützung für Kleinbetriebe
Die österreichische EU-Parlamentarierin Simone Schmiedtbauer sprach sich für mehr Planungssicherheit aus, damit die Landwirtschaft für junge Menschen weiterhin attraktiv bleibt. 
Zu stärken gelte auch die Regionalität. Südtiroler Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler ergänzte, dass die zukünftige EU-Agrarpolitik besonders die klein strukturierten Familienbetriebe im Berggebiet unterstützen müsse. 
Für den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, sei sicherzustellen, dass die bäuerlichen Betriebe auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften können: „Dafür brauchen wir die nötigen Instrumente für die Produktion.“ Kritisch sah man den großen Einfluss einiger NGOs. Einige der Forderungen seien schlichtweg nicht umsetzbar. 

Kritik an Mercosur-Abkommen
Kritik gab es an internationalen Abkommen wie dem Mercosur-Abkommen mit den südamerikanischen Staaten, das unter anderem einen leichteren Zugang zum europäischen Markt für Rindfleisch vorsieht. „Wir dürfen hier nicht die europäische Landwirtschaft opfern und niedrigere Produktionsstandards akzeptieren“, forderte Moosbrugger. 
Er hofft, dass die nationalen Parlamente, die dem Abkommen zustimmen müssten, Nein sagen. 

Schutzstatut des Wolfes lockern
Neben dem Klimawandel und der EU-Agrarpolitik beschäftigt sich der Tiroler Bauernbund auch mit den Themen Verkehr und Großraubwild, berichtete dessen Direktor Peter Raggl. Es müsse weiter Druck auf die nationalen Parlamente und die EU ausgeübt werden, damit der Schutzstatus des Wolfs gelockert wird. 
Ein Wolfsmanagementplan für Salzburg sieht unter anderem Weideschutzgebiete vor. Der Salzburger Bauernbund-Obmann Rupert Quehenberger stellte klar: Herdenschutz gibt es zukünftig dort, wo bereits jetzt Herdenschutz betrieben wird. 

Der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, Georg Wimmer, berichtete über die Umsetzung des sogenannten Bienenvolksbegehrens: „Wir werden uns auch diesen Herausforderungen stellen.“

Ähnliche Anliegen gemeinsam angehen 
Die Europawanderung zeigte einmal mehr, dass die Bedürfnisse und Anliegen in der Landwirtschaft in den einzelnen Ländern sehr ähnlich sind. Daher werde es auch weiterhin eine enge Zusammenarbeit über die nationalen Grenzen hinaus geben.