Arbeitssicherheit | 01.08.2019

Damit die Ernte sicher abläuft

Gerade vor Beginn der Ernte empfiehlt die Stabsstelle Arbeitssicherheit des Südtiroler Bauernbundes, den Betrieb auf die Erfüllung der wichtigsten Punkte im Bereich Arbeitssicherheit zu prüfen.

Die Sicherheit sollte bei der Ernte an erster Stelle stehen.

Die Sicherheit sollte bei der Ernte an erster Stelle stehen.

Natürlich sind die Bestimmungen zur Arbeitssicherheit das ganze Jahr über wichtig und auch genauestens einzuhalten. Gerade in der arbeitsintensiven Erntezeit sollten folgende wichtige Punkte unbedingt eingehalten werden – ob das der Fall ist, überprüft man besser, bevor die eigentliche Arbeit losgeht.

Traktoren vor dem Umkippen schützen
Traktoren müssen gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen – eine Ausnahme gilt für die selbstfahrenden einachsigen Arbeitsmaschinen – benötigt man den Führerschein (Kat. B oder A1 mit Einschränkungen).

Ladung sichern
Die Ladung eines Fahrzeuges muss so angebracht werden, dass ein Herabfallen oder Auslaufen verhindert wird, dass weder die Sicht des Fahrers beeinträchtigt noch seine Bewegungsfreiheit am Steuer eingeschränkt wird, die Stabilität des Fahrzeugs nicht gefährdet ist sowie weder die Beleuchtungs- und Lichtsignalvorrichtungen noch das Kennzeichen und die Handzeichen verdeckt werden.
Besonders wichtig dabei: Die Höchstabmessungen und das zugelassene Gesamtgewicht dürfen nicht überschritten werden.
Auf dem Traktor muss zumindest ein Spiegel montiert sein. Auf der Rückseite des Traktors ist ein Schild mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit anzubringen. Zu kontrollieren ist auch die Beleuchtung, in bestimmten Fällen ist ein Rundumlicht vorgeschrieben.

Hebebühnen und Maschinen für die Obsternte
Bei Inbetriebnahme bestimmter Arbeitsgeräte wie Hebebühnen oder Obsterntemaschinen sind diese bei der Landesdirektion Bozen des nationalen Unfallinstituts INAIL zu melden. Vor der ersten Überprüfung muss der Arbeitgeber oder Benutzer einen Antrag an das INAIL stellen. Für die weiteren periodischen Überprüfungen muss sich der Arbeitgeber oder Benutzer direkt an die befähigten Sachverständigen wenden. Hebebühnen und Obsterntemaschinen, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Diese Auslegung hat das Arbeitsinspektorat bestätigt. 
Arbeitsmittel dürfen nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Geräte von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es bei der Ernte der Fall sein kann.

Ausbildungen im Bereich Arbeitssicherheit
Jeder landwirtschaftliche Arbeitgeber benötigt eine Dienststelle für Arbeitsschutz sowie einen Leiter dieser Dienststelle mit entsprechender Aus- und Weiterbildung. In Landwirtschaftsbetrieben mit bis zu 30 jährlichen Arbeitseinheiten (JAE) kann der Arbeitgeber selbst die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben. Zu diesem Zweck muss er einen eigenen Kurs besuchen (jetzt 32 Stunden, früher 16 Stunden). Die Ausbildung ist grundsätzlich zu absolvieren, bevor die betreffende Person die Funktion als Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz übernimmt. Dies gilt auch bei einer Übernahme des Betriebes bzw. bei der Erstanstellung von lohnabhängigen Arbeitnehmern. Ebenso kann ein eigener Mitarbeiter oder ein externer Techniker – immer mit der notwendigen Ausbildung – zum Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz ernannt werden. Die 32-stündige Ausbildung beinhaltet außerdem nicht die Ausbildung für Brandschutz/Notfallmanagement und Erste Hilfe.

Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragte
Grundsätzlich ist jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, verpflichtet, einen Brandschutzbeauftragten zu ernennen und diesen entsprechend auszubilden. Diese Pflicht gilt auch für Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Familienbetriebe sind von dieser Bestimmung nicht betroffen.
Weiters muss jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen sowie diesen entsprechend ausbilden. Diese Pflichten gelten auch für Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Zusätzlich sehen die Kontrollkriterien des Zertifizierers GlobalG.A.P. (z. B. Obstbau) vor, dass mindestens eine Person mit einer Erste-Hilfe-Schulung anwesend sein muss, wenn im Betrieb landwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden. Daher müssen auch betroffene Familienbetriebe einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und die Aus- und Weiterbildungen besuchen. 
Die Funktion des Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragten kann vom Arbeitgeber selbst, von einem im Betrieb mitarbeitenden Familienmitglied oder von einem Arbeitnehmer ausgeübt werden. Der Bauernbund empfiehlt, auf die Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Koffers bzw. Verbandskastens zu achten und dabei auch das Verfallsdatum zu kontrollieren (siehe Beitrag auf Seite 31).

Ausbildung für Arbeitnehmer
Die Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit für Arbeitnehmer ist auch geregelt und wurde auf zwölf Stunden festgelegt. Betroffen sind Taglöhner, welche mehr als 50 Tagesschichten pro Betrieb und pro Jahr leisten, Fixarbeiter, Lehrlinge und Angestellte. Wird ein Arbeitnehmer eingestellt, so muss er die Ausbildung bei Beginn der Tätigkeit absolviert haben. Wenn dies nicht möglich ist, muss er das innerhalb von 60 Tagen nachholen. Die Ausbildung der Arbeitnehmer muss während der Arbeitszeit erfolgen. und diese dürfen keine Kosten für die Arbeitnehmer zur Folge haben.

Vereinfachte Ausbildung der Arbeitnehmer 
Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, welche beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, müssen die zwölfstündige Arbeitssicherheitsausbildung nicht machen, dafür aber eine verkürzte Ausbildung absolvieren. Diese verkürzte Ausbildung muss mit einer eigenen Ausbildungsbroschüre erfolgen. Dabei werden die Arbeiter mithilfe der Broschüre in die jeweiligen Erntetätigkeiten, für die sie angestellt wurden, eingewiesen. Dasselbe gilt auch für Arbeiter, welche mit dem Vertrag für Gelegenheitsarbeit beschäftigt werden. Diese Ausbildungsbroschüre steht in den jeweiligen Bezirksbüros des Südtiroler Bauernbundes bei der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne oder auf der Internetseite des Südtiroler Bauernbundes zur Verfügung.

Ausbildung für bestimmte Arbeitsmittel
Die Verpflichtung, eine spezifische Befähigung für bestimmte Arbeitsmittel (Traktoren, Hebebühnen, Gabelstapler, Bagger usw.) zu erlangen, gilt für alle betroffenen Arbeitsmittel, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, seit 31. Dezember 2017.
Betroffen sind alle Personen, die bestimmte Arbeitsmittel benutzen. Dies können Selbstständige, ihre mitarbeitenden Familienmitglieder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein. Als mitarbeitende Familienmitglieder gelten sowohl jene, die in der Pflichtversicherung in der Landwirtschaft eingeschrieben sind (bauernversichert), als auch die Verwandten und Verschwägerten bis zum vierten Grad, welche gelegentlich und unentgeltlich im Betrieb mitarbeiten.
Eine Sonderregelung für die Landwirtschaft: Anwender im landwirtschaftlichen Sektor, welche bei Inkrafttreten des Abkommens (31.12.2017) nachweislich eine mindestens zweijährige Erfahrung hatten, sind von der Erstausbildung für die Benutzung der betroffenen Arbeitsmittel ausgenommen. Sie mussten innerhalb 31.12.2018 den ersten Auffrischungskurs zu vier Stunden besuchen. Diese Befreiung gilt für alle land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten sowie für jene Tätigkeiten, welche laut Art. 2135 ZGB als mit der Landwirtschaft verbundene Tätigkeiten gelten.

Risikobewertung
Arbeitgeber müssen ihre Risiken und Schutzmaßnahmen in Form einer Risikobewertung ausarbeiten. Der Südtiroler Bauernbund hat eine eigene Vorlage zur Risikobewertung (welche den Standardprozeduren entspricht) ausgearbeitet und stellt diese für Mitglieder auf der Internetseite des Bauernbundes zur Verfügung. Dort finden sie die gesamte Risikobewertung sowie auch ein Musterbeispiel. Familienbetriebe ohne Arbeitnehmer müssen die Risikobewertung aufgrund der Verpflichtung bezüglich Global-G.A.P. und Agrios vornehmen. Aufrecht bleiben weiterhin, so wie bisher, die Verpflichtungen bezüglich GlobalG.A.P. und Agrios. Diese werden erfüllt, indem man die Risikobewertung auf der Basis der schriftlichen Vorlage des Bauernbundes vornimmt.

Fristen für Aus- und Weiterbildung
für bestimmte Arbeitsmittel im Bereich Landwirtschaft

Fall

Art des Kurses

Fälligkeit

Anwender welche nach 31.12.2017, Arbeitsmittel laut dem Abkommen der Staat-Regionen-Konferenz benutzen.

Grundkurs

Anwender müssen vorher die Erstausbildung für die jeweiligen benutzten Arbeitsmittel absolviert haben.

Anwender welche vor 31.12.2017, Arbeitsmittel laut dem Abkommen der Staat-Regionen Konferenz benutzen und keine zweijährige Erfahrung haben.

Grundkurs

Anwender müssen innerhalb 31.12.2019 die Erstausbildung für die jeweiligen benutzten Arbeitsmittel absolviert haben.

Anwender mit zweijähriger Erfahrung

Auffrischungskurs

Innerhalb 31.12.2018


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Infos und Formulare online
Die Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit tragen dazu bei, die Ernte sicher einzubringen. Weitere Infos, Infoblätter und Dokumente finden Sie unter https://www.sbb.it/service/arbeitssicherheit zum Herunterladen.