Südtiroler Bauernjugend, Südtiroler Landwirt | 19.07.2019

Freude am Bauernberuf festigen

Seit 1969 gestaltet die Südtiroler Bauernjugend die Geschichte des Ehrenamts in Südtirol mit. Das heißt 50 Jahre Einsatz für die Jugend, für die Kultur und für die Landwirtschaft. Wir blicken zurück auf den Ursprung der Jugendorganisation. von Evi Andergassen

Die Bauernjugend feiert sich und ihren Einsatz für Landwirtschaft, Brauchtum und Jugend.

Die Bauernjugend feiert sich und ihren Einsatz für Landwirtschaft, Brauchtum und Jugend.

Bozen – am 20. Jänner 1969 um 12.45 Uhr war es endlich so weit. Die Gründung der Südtiroler Bauernjugend (SBJ) wurde soeben im Rahmen der Gründungsversammlung im Raiffeisenhaus in Bozen besiegelt. Die Geburt der bäuerlichen Jugendorganisation markierte gleichzeitig das Ende eines jahrelangen Bemühens um Anerkennung eines weiteren Jugendvereines neben der einzigen Katholischen Jugend. 

Erste Gehversuche der bäuerlichen Jugend 
Der Gedanke, die Südtiroler Bauernjugend zu gründen, entstand bereits im Jahre 1953 im Kopf von Peter Brugger, damaliger Landeslandwirtschaftsassessor. Zu seinem Einsatzbereich gehörten unter anderem das landwirtschaftliche Schulungs- und Ausbildungswesen. Er strebte danach, dafür Sorge zu tragen, dass die „heranwachsende Bauerngeneration für ihren Beruf gut vorbereitet werde in Verstand und Herz“. Seine Pläne spielten sich lange nur in seinem Kopf ab. Die kirchlichen Behörden stellten sich Brugger in den Weg und wollten sein Vorhaben zur Gründung der Bauernjugend unterbinden. 
Erste Erfolge ergaben sich 1954, als zwischen dem Assessorat für Landwirtschaft und den kirchlichen Behörden eine Vereinbarung abgeschlossen wurde. Diese beinhaltete eine fachliche Betreuung der bäuerlichen Jugend durch eine eigens beim Assessorat eingerichtete Stelle. Es kam zur Schaffung eines Netzes von sogenannten Ortsfachbeauftragten mit den katholischen Jugendstellen. Dies führte jedoch fortwährend zu Spannungen zwischen den beiden Interessenvertretern. 
Ende der 1950er Jahre brachte sich der bis dahin nur beobachtende Bauernbund ins Geschehen ein und erhob Anspruch auf die Betreuung der Bauernjugend und die Förderung der Berufsbildung. Brugger bekräftigte dies, während die Kirche jedoch die Schaffung einer neutralen Jugendorganisation befürchtete, dessen Betreuung unter Missachtung der christlichen Grundsätze erfolgt.
So verliefen die Gespräche zwischen der Bauernbundführung und den Leitern der Katholischen Jugendstellen der beiden Landesdiözesen in den Sand. Die Gründung der Bauernjugend blieb weiterhin nur eine Absicht. Doch Peter Brugger hielt an seinem Gedanken fest und versuchte die Gründung vehement voranzutreiben. 

Die Gründung der Südtiroler Bauernjugend
Am 20. Jänner 1969 war es dann so weit und Bruggers Werk kam zur Vollendung, die Bauernjugend wird gegründet. In einem Brief schrieb Brugger: „Aus verschiedenen bekannten Gründen mussten wir uns in der Vergangenheit auf die fachliche Betreuung unserer Bauernjugend beschränken. Jetzt gibt es die Möglichkeit, in unseren Jungbauern auch die Freude am Bauernberuf zu nähren und zu festigen. Ein neues und weites Beschäftigungsfeld eröffnet sich somit den jungen Bauernvertretern. Möge ihrem Wirken besserer Erfolg beschieden sein als den älteren. Auch der moderne Südtiroler Bauer soll unserem Volke und unserer Heimat das Gepräge geben.“ 
Bei der Gründungsversammlung wird Gottfried Klauser aus Kaltern mehrheitlich zum ersten Landesobmann der Bauernjugend gewählt. Den Mädchen blieb der Eintritt trotz mehrerer Bemühungen damals noch verwehrt. Die bischöfliche Kurie stellte sich dagegen. 

Gleichstellung der Mädchen
Doch bald interessierten sich in einigen Ortsgruppen auch die Mädchen für die 
Mitarbeit in den Ausschüssen. Sie wollten nicht nur an den Veranstaltungen teilnehmen, sondern auch mitentscheiden. So begann die Bauernjugend bereits 1971 mit dem Aufbau der Mädchenarbeit. Auch vonseiten des Assessorats für Landwirtschaft kam Unterstützung. Maria Bertolini war damals verantwortlich für die Haushaltungsschulen. Sie setzte sich aktiv für die Bauernjugend-Mädchen ein. 1974 kam es dann zur Statutenänderung, und die Mädchen bekamen die Möglichkeit, Ämter und Gremien zu besetzen. Am 25. Jänner 1975 schaffte es Maria Clementi aus Montan als erste Landesleiterin in die Landesführung. 1980 kam es dann zu einer weiteren Änderung der Statuten. Nun wurden  den Mädchen in allen Gremien dieselben Ämter zugesprochen. Die partnerschaftliche Leitung von Mädchen und Burschen war somit besiegelt.

Die Bauernjugend auf Erfolgskurs
Im Gründungsjahr wurden bereits 39 Ortsgruppen gegründet, und es wurden jährlich mehr. Zum 20. Jubiläum zählte die Bauernjugend 135 Ortsgruppen, und heute zum 50. Jubiläum sind es 150 an der Zahl. 
Maßgeblich für den anfänglichen Aufbau der Bauernjugend verantwortlich war der erste Landessekretär Jörgl Viehweider aus Gries, der die Bauernjugend belebte und zwanzig Jahre lang die Geschicke der Organisation lenkte. Das Hauptaugenmerk legten die Jungbauern zu Beginn vor allem auf die Fach- und Allgemeinbildung, verbunden mit einer ständigen Weiterbildung. 
Darin erkannten sie die Lösung für viele Problemsituationen im Beruf, in der Familie, in der Dorfgemeinschaft und in der Freizeit – auch heute beschäftigen sich die Jungbauern mit diesen Themen. Die Ortsgruppen waren und sind bei der Umsetzung der Ziele immer noch der wichtigste Teil der Organisation. 
Sie gestalten das Dorfleben aktiv mit und kümmern sich um die Interessen der ländlichen Jugend im kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Sinn. 


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Interview mit Jörgl Viehweider

„Unsere Dörfer und unsere Gesellschaft brauchen die Südtiroler Bauernjugend“

 
Wie war dein Start bei der Südtiroler Bauern­jugend, und wie bist du zu dieser Stelle gekommen? 
Nach dem Militärdienst war ich auf der Suche nach einem Job. Da berichteten mir zwei Kollegen über die Vorbereitungen zur Gründung der SBJ und baten mich, mich als Landessekretär zu bewerben. Ich bewarb mich und bekam zwei Tage nach der Gründungsversammlung der SBJ die Mitteilung von Bauernbunddirektor Luis Durnwalder, dass der Landesausschuss der SBJ beschlossen hat, meine Bewerbung anzunehmen. Ich trat dann am 1. Februar den Dienst an, und nach einem sehr kurzen Einweisungsgespräch beim Direktor legte ich los. Für mich war alles Neuland, hatte aber einen großen freien Handlungsspielraum, und nach einem kurzen Studium der Akten über das bisher Geschehene begann die konkrete Arbeit. Der Auftrag lautete in Kurzform: Aufbau der Jugendorganisation und Schaffung von Aus- und Weiterbildungsangeboten für die bäuerliche Jugend. Bereits im ersten Jahr wurden 39 Ortgruppen auf freiwilliger Basis gegründet und Weiterbildungsangebote erstellt. Sehr hilfreich war die gute Zusammenarbeit mit dem Landesausschuss der SBJ und dem ersten Landesobmann Gottfried Klauser.

Welche waren damals eure wichtigsten Ziele?
Die Förderung der Aus- und Weiterbildung der bäuerlichen Jugend war von Anfang an ein wichtiges Ziel, d. h. Erstellung von Weiterbildungsangeboten, Mitsprache bei der Ausarbeitung der Lehrpläne in den Land- und Hauswirtschaftsschulen, Errichtung von neuen Ausbildungsstätten, Forderung nach einer landwirtschaftlichen Oberschule. Generell war es uns ein Anliegen, der bäuerlich-ländlichen Jugend eine Plattform zu bieten, wo sie bei verschiedenartigsten Veranstaltungen Erfahrungen austauschen, Selbstbewusstsein tanken und Zukunft gestalten konnte. Stets waren auch die Interessenvertretung und die politische Arbeit zur Gestaltung des Gemeinwesens im Vordergrund. Organisatorisch von größter Bedeutung war die bald nach der Gründung erfolgte Einbindung und Aufwertung der Mädchenarbeit mit einer auch statutarisch verankerten Gleichstellung in den Führungspositionen auf allen Ebenen.

Was wünscht du der Südtiroler Bauern­jugend für die Zukunft?
Zunächst freut es mich, dass unsere Arbeit und unser Einsatz in den Gründerjahren nicht umsonst waren, und zu erleben, dass die SBJ nach wie vor als größte und aktivste Jugendorganisation in allen Dorfgemeinschaften lebendig ist. Ich nehme mit Genugtuung wahr, dass die SBJ als Nachwuchsorganisation Verantwortungsträger für die vielen berufsständischen und landwirtschaftlichen Organisationen unseres Landes und für das Gemeinwesen heranbildet. Es freut mich auch, dass die SBJ nach 50 Jahren mit Überzeugung an den einst festgelegten Zielen festhält. Mögen diese Begeisterung, die Dynamik und der Mut zur Mitgestaltung der Zukunft auch in den nächsten Jahrzehnten anhalten. Unsere Dörfer, unsere Gesellschaft braucht die Südtiroler Bauernjugend, sie ist nach wie vor ein großer Hoffnungsträger unserer Heimat.

Interview: Anna Schenk

Luis Durnwalder, damaliger SBB Direktor, Gottfried Klauser, 1. SBJ-Landesobmann, Josef Ladurner Gasteiger, damaliger SBB Obmann, Heinold Steger, Landwirtschaftsassessor bei der Gründungsversammlung der Südtiroler Bauernjugend.

Luis Durnwalder, damaliger SBB Direktor, Gottfried Klauser, 1. SBJ-Landesobmann, Josef Ladurner Gasteiger, damaliger SBB Obmann, Heinold Steger, Landwirtschaftsassessor bei der Gründungsversammlung der Südtiroler Bauernjugend.