Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 20.06.2019

Gebäude versichern, und zwar richtig!

Sie besitzen ein Gebäude? Dann sollten Sie auf jeden Fall gegen Feuer- und Unwetterschäden versichert sein. Die Bauernbund-Versicherungsberatung erklärt, was Sie dabei unbedingt beachten sollen. von Tanja Rainer

„Mich wird es schon nicht treffen“, denken viele. Aber das Unheil – zum Beispiel ein Hausbrand – kann jeden treffen. (Foto: www.pixabay.com)

„Mich wird es schon nicht treffen“, denken viele. Aber das Unheil – zum Beispiel ein Hausbrand – kann jeden treffen. (Foto: www.pixabay.com)

Mich wird es schon nicht treffen! Das hofft jeder Besitzer eines Gebäudes, wenn von Brand oder anderen Unwetterschäden die Rede ist. Ein Blick in die Zeitungen – und oft auch einfach ins Dorf oder in die Nachbarschaft – zeigt aber: Leider kann das Unheil jeden treffen. Daher ist eines klar: Für Eigentümer von Gebäuden ist es absolut wichtig, eine Versicherung für Feuer- und Unwetterschäden abzuschließen. Es nicht zu tun, ist schlichtweg fahrlässig!
Deshalb haben die Versicherungsberater des Südtiroler Bauernbundes für die Leserinnen und Leser vom „Südtiroler Landwirt“ die wichtigsten Punkte zusammengetragen, die zu beachten sind, wenn man eine Feuer- und Unwetterversicherung für Gebäude abschließen möchte.

Gebäude und Inhalt genau beschreiben 
In einer solchen Polizze sollten Sie die Gebäude und deren Inhalt genau beschreiben. Das heißt: Wie viel Prozent des Gebäudes sind mit brenn- bzw. unbrennbaren Materialien gebaut? Definieren Sie auch genau die Art des Daches: Handelt es sich um ein Schindeldach oder eine Hart-Dach-Abdeckung (Ziegel)? Haben Sie eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert? Dann teilen Sie das dem Versicherer mit, denn eine Fotovoltaikanlage ist im Vertrag eigens anzugeben und zu versichern. 
Melden Sie der Versicherungsgesellschaft alle Risiko-Objekte (Hoftankstelle, Heuvorräte usw.), die einen Brandfall zusätzlich verschärfen könnten. Dazu zählt z. B. auch ein Elektrowerk an der Hofstelle. 

Sturmschäden
Sturmschäden durch Hagel und Wind sind in der Regel im Grundvertrag versichert. Ausgenommen sind Erdbebenschäden und Überschwemmungsschäden. Für diese Art von Schäden ist eine Erweiterung in der Polizze möglich.

Einrichtung und Geräte
Wichtig bei der genauen Beschreibung von Gebäuden und Inhalt ist auch, ob es sich um Einrichtung, Maschinen ohne Straßenzulassung oder Maschinen mit Straßenzulassung handelt. Bei den Geräten ohne Straßenzulassung müssen Sie den Neuwert (Wiederbeschaffungswert) anführen. Bei Maschinen mit Straßenzulassung hingegen – z. B. bei einem Traktor – sollten Sie sowohl den Verkehrswert als auch das Modell und das Kennzeichen im Versicherungsvertrag anführen. Maschinen mit Straßenzulassung können auch über die Autohaftpflichtversicherung feuerversichert werden. Somit sind sie auch außerhalb des Hofgeländes feuerversichert. 

Einrichtungsgegenstände
Als Einrichtung verstehen die Versicherungsgesellschaften alle beweglichen Einrichtungsgegenstände inklusive aller Haushaltsgeräte (z. B. Fernseher, Fotoapparate, Laptops) sowie Kleidung (z. B. Trachten). Gerade dieser Punkt wird bei der Beschreibung oft unterschätzt, dabei ist es äußerst wichtig, all diese materiellen Werte zu ermitteln und laut Wiederbeschaffungswert (Neuwert) richtig zu versichern! 
Zur Einrichtung zählen auch landwirtschaftliche Geräte und Maschinen, die fix im Gebäude installiert sind, z. B. die Melkmaschine. Aber auch bewegliche Geräte, wie eine Mähmaschine, gehören zur Einrichtung.

Neue Werte definieren
Zum Gebäude gehören Fenster, Türen, sanitäre Anlagen, Elektro- sowie Lüftungsanlage, Böden und auch das Dach. 
Wer umbaut, saniert oder neu baut, erhöht den Wert seines Gebäudes. Bei einem solchen Wertzuwachs des Gebäudes raten die Bauernbund-Versicherungsberater dringend, mit dem Versicherer die neuen Werte in der Polizze zu definieren. Halten Sie sich nicht daran, droht Ihnen die sogenannte Unterversicherung. Achten Sie darauf, dass die Prämie immer auf den Wiederbeschaffungswert (Neuwert) berechnet wird.

Selbstbehalte
Es gibt für einzelne Risiken in der Versicherungspolizze für Feuer- und Unwetterschäden Selbstbehalte, also eine begrenzte Selbstbeteiligung an den Schäden. Dazu gehören z. B. Elektroschäden (Schmorschäden ohne Flammenentwicklung – Überspannung). Achten Sie darauf, dass der Selbstbehalt möglichst niedrig ist und die versicherte Schadenshöchstsumme bei mindestens 10.000 Euro liegt. Achten Sie bei Wasserschäden und Rohrbrüchen darauf, dass die Deckung sowohl die Schadenssuche als auch die Reparatur und die Wiederherstellung ausreichend abdeckt.
Die Versicherungsberatung betont: Analysieren Sie in allen Feuerversicherungen alle oben genannten Punkte und achten Sie darauf, dass alle berücksichtigt werden. Nehmen Sie Ihre jeweilige Situation mit dem Versicherer unter die Lupe. Auf diese Weise vermeiden Sie am besten unangenehme Überraschungen im Schadensfall. 

Schäden sofort melden
Bei einem eventuellen Schaden jeglicher Art ist es wichtig, dass Sie den Schaden sofort jenem Ansprechpartner melden, bei dem Sie die Polizze abgeschlossen haben (z. B. Broker, Agenten usw.).

SBB-Versicherungsberatung
Weitere Informationen erhalten Mitglieder in den kostenlosen Versicherungsberatungen, die der Südtiroler Bauernbund auf Bezirksebene anbietet. Dort können Sie auch die bestehenden Versicherungspolizzen überprüfen lassen.
Termine finden Sie unter www.sbb.it im Mitgliederbereich, auf mein.sbb und in den Bezirksbüros. 


Unterschied Neuwert – Erstrisiko

Neuwert

Erstrisiko

Versicherungswert

Der Versicherungswert errechnet sich mit dem Kubatur- bzw. Quadratmeterpreis laut Landestarif

Es wird eine versicherte Höchstsumme vereinbart, die als maximale Summe im Schadensfall (Totalschaden) anerkannt wird.

Ausbezahlte Summe

Im Schadensfall wird jene Summe bezahlt, die notwendig ist, um den erlittenen Schaden zu ersetzen.

Im Schadensfall wird der Marktwert entrichtet. Das heißt: Zu Schaden gekommene Gegenstände wie Gebäude/Einrichtung werden zum Neuwert berechnet. Zur Auszahlung gelangt aber der Marktwert mit einem maximalen Abschlag von 50 Prozent.

Beispiel

  • Wert des Gebäudes = 1 Million Euro
  • Schadensereignis = 400.000 €
  • Ausbezahlter Betrag = 400.000 €
  • Wert des Gebäudes = 1 Million Euro, Neuwert = 1 Million Euro, Schadenereignis = 400.000 €
  • Versicherte Summe Erstrisiko = 500.000 €
  • Handelswert wird ermittelt
  • Abschlag von 40% auf den Neuwert
  • Ausbezahlter Schadensbetrag = 160.000 €

Schlussfolgerung: Im Regelfall ist die Erstrisiko-Lösung nur dann sinnvoll, wenn die Inflation z. B. 20 Prozent im Jahr überschreitet.