Südtiroler Landwirt, Produktion | 23.05.2019

Wasser – Futtermittel Nummer eins

Über die Zusammenstellung der Ration in der Rinderfütterung macht sich jeder Landwirt regelmäßig Gedanken: Was, wann, wie viel, in welcher Kombination, stimmt die Hygiene? Was dabei aber oft vergessen wird ist das Trinkwasser! von Melanie Reger, BRING

Milchkühe trinken bis zu 170 Liter Wasser täglich.

Milchkühe trinken bis zu 170 Liter Wasser täglich.

Wasser ist nicht nur Futtermittel, sondern auch der wichtigste Grundstoff für das Lebensmittel Milch. Aber auch in der Mast und in der Aufzucht geht ohne Wasser gar nichts. Die drei wichtigsten Grundsätze für die Wasserversorgung müssen daher sowohl im Stall als auch auf der Weide eingehalten werden: immer und gut erreichbar, gute Qualität und in ausreichender Menge verfügbar.

Wie viel Wasser braucht die Kuh?
Der Bedarf an Wasser hängt von verschiedenen Faktoren ab: Gewicht, Alter, Umgebungstemperatur, Trockenmassegehalt der Ration, Futteraufnahme, aber auch Milchleistung und Laktationsstadium. Bei Kälbern ist die Wasserversorgung zusätzlich zur Milchtränke ebenfalls von besonderer Wichtigkeit, denn nur mit Wasser kann sich der Pansen richtig entwickeln, nur mit Wasser können Heu und Aufzuchtfutter überhaupt verdaut werden. Daher sollte bereits ab dem ersten Lebenstag ein Eimer mit frischem Wasser bereitstehen.
Grundsätzlich ist die Wasserversorgung am Maximalbedarf der Tiere festzusetzen. Eine ausgewachsene Kuh kann im Sommer bis zu 170 Liter Wasser pro Tag aufnehmen. Genau wie beim Menschen kühlt sich das Rind im Sommer durch Schwitzen ab, verliert also viel Flüssigkeit über die Haut. Zudem ist zu beachten, dass Rinder bis zu 25 Liter pro Minute saufen können. Gerade bei alten Tränkesystemen für Einzeltiere liegt der Wasserdurchlauf pro Minute nicht nur weit darunter, meist erfüllt er nicht einmal den Mindestwert von acht Litern pro Minute (= durchschnittliche Menge, die pro Minute gesoffen wird).

Tränkekonzept im Stall
In einem Laufstall sollten mindestens zehn Zentimeter Troglänge pro Tier eingerechnet werden. Zu empfehlen sind hier selbstfüllende Trogtränken aus Edelstahl, wobei ein Tränkebecken für maximal 20 Tiere genutzt werden sollte. Bei größeren Tierzahlen sind entsprechend mehr Tröge zu installieren. Die Tränkebecken sollten immer und für alle Tiere gut erreichbar sein, also auf keinen Fall in einer Sackgasse stehen. Da der Wasserbedarf nach dem Melken und nach dem Fressen am größten ist, sollte der Standort so gewählt werden, dass die Tiere sowohl nach dem Melken am Weg zum Futtertisch als auch nach dem Fressen auf dem Weg zu den Liegeboxen an einer Tränke vorbeikommen. Der Platz hinter den Trögen muss so breit sein, dass an einem saufenden Tier noch mindestens ein Tier vorbeigehen kann. Sogenannte schwimmergesteuerte Ball- oder Klappentränken können in Offenställen durchaus empfehlenswert sein, da sie bis –20 °C frostsicher sind, allerdings sind sie aufgrund der geschlossenen Bauweise sehr schlecht zu reinigen.

In abgeschlossenen Abteilen (Jungvieh-, Trockensteherbereich) reichen auch Einzeltiertränken (auf Wasserdurchlauf achten!). Jedoch sollten pro Box immer zwei Tränken installiert werden, um auch rangniederen Tieren den Zugang zum Wasser jederzeit zu gewährleisten. Nach heutigem Standard sind hier nur noch die größeren Schalentränken zu empfehlen, die mit deutlich weniger Kraftaufwand zu bedienen sind und eine ausreichende Tiefe besitzen, damit die Kuh als Saugtrinker auch artgerecht saufen kann. Aus demselben Grund sollte bei der Montage von Tränkebecken im Laufstall die Wasserspiegelhöhe von 60 Zentimetern nicht überschritten werden. Im Anbindestall liegt diese idea­lerweise zwischen 40 und 50 Zentimeter.
Oft wird auch gefragt, ob das Wasser im Winter angewärmt werden sollte. Grundsätzlich bietet eine Trinktemperatur von etwa 15 °C den Vorteil, dass die Tiere tatsächlich beim einzelnen Saufakt mehr Wasser aufnehmen. Die über den Tag getrunkene Menge unterscheidet sich allerdings nicht. Die Tiere gehen dann einfach häufiger zum Saufen, und es ist evtl. etwas mehr Unruhe im Stall. Im Sommer hingegen ist es sogar sinnvoll, wenn das Wasser angenehm kühl ist. Eine höhere Temperatur in Leitungen und Becken kann zudem das Bakterienwachstum fördern.

Wasserqualität: Auf die Hygiene kommt es an
Trinkwasserqualität wäre wünschenswert, ist aber nicht verpflichtend. Zur Wasser­versorgung unserer Haustiere kann auch eine eigene Quelle oder Brunnenwasser genutzt werden. Der Nachteil ist hierbei, dass das Trinkwasser aus der Leitung regelmäßig kontrolliert wird, das Wasser aus dem eigenen Brunnen aber keinerlei Kontrolle unterliegt. Wasser muss hygienisch immer einwandfrei sein, also frei von Escherichia-coli- und coliformen Keimen sowie weiteren bakteriellen Krankheitserregern. Aber auch Leberegel und Prototheken (Algen) können in unsauberen Wasserquellen zum Problem werden. Daher sollten Betriebe, die über eine eigene Wasserversorgung ihrer Tiere verfügen, regelmäßige Eigenkontrollen des Tränkewassers durchführen lassen. Dabei kann, neben der mikrobiologischen Untersuchung, auch eine chemische Wasseranalyse (plus Metalle)  durchgeführt werden.

Auch Wasser muss schmecken
Die Zusammensetzung des Wassers zu kennen, kann durchaus interessant sein, besonders wenn trotz gutem Tränkemanagement zu wenig Wasser aufgenommen wird oder Mangelerscheinungen (z. B. Kupferbrille) auftreten. Auch Wasser muss schmecken, damit die Tiere genug trinken! Zu hohe Gehalte an Eisen oder anderen Mineralien beeinträchtigen nicht nur den Geschmack, sondern können auch die Aufnahme anderer Mineralien (Kupfer, Selen, Zink usw.) beeinträchtigen. Eine Wasseruhr ist zur Bestimmung der Tränkemenge natürlich essenziell, diese ist aber bereits für wenig Geld im Baumarkt erhältlich.

Die größte Verschmutzung des Wassers findet natürlich direkt im Stall statt. Futterreste sowie Kot und Urin gelangen unvermeidbar in die Tränken. Die tägliche Kontrolle und regelmäßige Reinigung der Tränken ist daher dringend zu empfehlen. Größere Trogtränken sollten einmal täglich entleert und wöchentlich gründlich gereinigt werden. Der entstehende Biofilm bietet einen idealen Nährboden für Keime, ist aber leider auch durch die gründlichste Hygiene nicht vollständig zu entfernen. Inzwischen gibt es diverse Verfahren zur Hygienisierung von Wasser (chemisch oder physikalisch), die die Bildung von Biofilmen unterbinden und den Reinigungsaufwand, aber auch die Tiergesundheit deutlich verbessern.

Sowohl die Hygiene, als auch Menge und Verfügbarkeit des Trinkwassers haben einen großen Einfluss auf Leistung und Tiergesundheit. Es lohnt sich also, beim nächsten Stallrundgang das Tränkemanagement einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.