Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 09.05.2019

Herdenschutz: Bauern zahlen

Für Herdenschutz, heißt es, bekommen Bauern reichlich Unterstützung. Die Realität ist aber eine andere, wie eine Berechnung der Ortsgruppe Villanders zeigt.

Konrad Senn ist Bauernbund-Ortsobmann in Villanders.

Konrad Senn ist Bauernbund-Ortsobmann in Villanders.

Die Bauernbund-Ortsgruppe beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Herdenschutz auf der Villanderer Alm. Rund 150 Rinder weiden dort im Sommer auf einer Gemeinschaftsalm. Um die Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen, müssten vier Koppeln errichtet und die Tiere dort über Nacht untergebracht werden. Für die Koppeln wären 537 Meter Elektrozaun notwendig.

Die Ortsgruppe hat die anfallenden Kosten berechnet: „Für Zaun, Stromgerät und anderes Material sind Spesen in Höhe von 5488 Euro fällig“, erklärt Ortsobmann Konrad Senn. Zudem müssen die Tiere jeden Tag in die Koppeln hinein- und von dort wieder herausgetrieben werden. Damit der Almboden durch die vielen Tierbewegungen nicht geschädigt wird, müssen die Zäune alle 14 Tage abgebaut und an einem anderen Ort aufgestellt werden. „Rechnet man Arbeitsaufwand und Materialspesen zusammen, belaufen sich unsere Kosten aufs Jahr gerechnet auf 9459 Euro“, rechnet Senn vor.

Zwei Drittel zulasten der Bauern
Das Landesamt für Jagd und Fischerei erkennt aber nur maximal acht Euro pro Laufmeter Zaun an. Damit liegt der Förderbetrag deutlich unter den veranschlagten Kosten, bedauert Senn. „In unserem Fall würden wir einmalig rund 3000 Euro bekommen. Das deckt nicht einmal ein Drittel unserer jährlichen Spesen.“ Der Ortsobmann ist über die geringe Unterstützung enttäuscht: „In Summe würden wir Bauern auf zwei Dritteln der Ausgaben für den Herdenschutz sitzen bleiben.“ Hinzu komme, dass die Kosten für den Arbeitsaufwand jedes Jahr fällig sind, der Förderbetrag des Landes aber nur einmalig ausbezahlt wird.

Am meisten wundert sich der Ortsobmann, dass Ausgaben für Hirten und Herdenhunde überhaupt nicht anerkannt werden: „Jeder weiß, dass es zu wenig ist, nur einen Zaun aufzustellen, daher fragen wir uns schon, warum wir für die Behirtung keinerlei Entschädigung bekommen.“ Weiterer Wermutstropfen der Landesförderung: Unterstützt werden nur Zäune auf Almen. Wer hingegen seine Herde auf Wiesen in Talnähe schützen will, geht leer aus.

Der Ortsobmann fordert die öffentliche Hand auf, mehr Verantwortung für den Herdenschutz zu übernehmen. „Der Staat“, ärgert sich Konrad Senn, „setzt uns Wölfe vor die Nase und verbietet uns deren Regulierung. Die öffentliche Hand sollte dann auch so konsequent sein und den Herdenschutz übernehmen. Stattdessen überlässt sie das den Bauern und fertigt sie mit einem Beitrag ab, der hinten und vorne nicht reicht und gängige Maßnahmen wie Hirten und Hunde erst gar nicht vorsieht!“

Der Ortsobmann betont, dass seine Kritik sich nicht an die zuständigen Mitarbeiter der Ämter und Forstbehörde richtet. „Viele sind sehr kooperativ, verstehen die Probleme der Bauern und wollen uns bestmöglich unterstützen. Aber wir haben das Gefühl, dass wir Almbauern das ausbaden müssen, was die öffentliche Hand mit ihrer Wolfspolitik anrichtet.“

In Richtung einiger Kritiker meint Senn: „Einige halten uns Bauern vor, dass wir reichlich Unterstützung für Herdenschutz bekommen und ihn aus Trotz nicht machen würden. Denen halte ich entgegen, dass beides nicht stimmt: Wir Almbauern wissen ganz genau, wie problematisch der Herdenschutz ist. Und jetzt wissen wir auch, dass wir auf dem Großteil der Kosten selber sitzen bleiben.“