Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 24.04.2019

Gut haftpflichtversichert?

Jeder landwirtschaftliche Betrieb sollte eine Betriebs-Haftpflichtversicherung haben. Davon ist der Südtiroler Bauernbund nicht erst nach der viel zitierten Kuh-Attacke in Tirol überzeugt. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Abschluss einer solchen Versicherung achten sollten.

Bei betrieblicher Tätigkeit wie Holzschlägerungsarbeiten gilt es für den Betrieb Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und gut versichert zu sein. (Foto: pxhere.com)

Bei betrieblicher Tätigkeit wie Holzschlägerungsarbeiten gilt es für den Betrieb Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und gut versichert zu sein. (Foto: pxhere.com)

Zunächst zum Begriff: Die Betriebs-Haftpflichtversicherung wird umgangssprachlich oft auch Hof-Haftpflichtversicherung genannt. Der Südtiroler Bauernbund ist überzeugt, dass jeder landwirtschaftliche Betrieb eine solche Versicherung haben muss.

Mögliche Schäden
Denn damit kann man sich gegen Schadenersatzansprüche von Dritten absichern. Solche Ansprüche können aufgrund von vier verschiedenen Arten von Schäden entstehen. Diese sind:
- Sachschaden, z. B. wenn das auf der Hofstelle parkende Auto eines UaB-Gastes durch den Einsatz der Mähmaschine beschädigt wird;
- Personenschaden, z. B. wenn eine dritte Person in das Futterloch fällt und sich den Fuß bricht;
- Produktschaden, z. B. durch ein verdorbenes oder fehlerhaftes Produkt – Lebensmittel, Handwerkliches Produkt ... – jemand einen Schaden erleidet;
- Vermögensschaden: immer dann, wenn ein indirektes Ereignis das Vermögen des Betriebes schmälert

Wichtig dabei: Produkt- und Vermögensschäden sind nie automatisch durch eine Betriebs-Haftpflichtversicherung gedeckt. Sie müssen getrennt angefragt und im Versicherungsvertrag integriert werden.

Tätigkeit genau beschreiben
Es ist sehr wichtig, die Tätigkeiten im landwirtschaftlichen Betrieb sehr detailliert und genau zu beschreiben. Hier einige Beispiele, welche Tätigkeiten im Vertrag anzuführen sind: Hofläden; diverse Tätigkeiten, die der „Urlaub auf dem Bauernhof“-Betrieb ausübt; Zusatztätigkeiten im Rahmen der landwirtschaftlichen Tätigkeit, z. B. Schneeräumung. Auch spezifische Angebote, z. B. Reiten, sind explizit zu nennen.

Auf ausreichende Versicherungssumme achten
Ganz wichtig ist eine ausreichend hohe Versicherungssumme. Welche Summe hier ideal ist, ist schwer zu sagen. Die jährliche Versicherungsprämie steigt zwar mit der gedeckten Versicherungssumme. Dennoch ist es äußerst ratsam, dass mindestens drei Millionen Euro pro Schadensfall und Person zur Verfügung stehen.

Haftung gegenüber Angestellten besonders wichtig
Besonders achtsam müssen hier Betriebe mit Angestellten sein. Denn kommen diese durch ihre Tätigkeit am Betrieb zu schaden, können die Unfall- und Fürsorgeinstitute INAIL und NISF/INPS Regress vom Arbeitgeber fordern. Das heißt, sie zahlen dem Verunfallten zwar den Schaden, holen sich diesen aber vom Arbeitgeber zurück. Daher ist eine ausreichend hohe Versicherungssumme zwingend notwendig, wenn man Mitarbeiter angestellt hat. Hier gelten für Saisonarbeiter und landwirtschaftliche Arbeiter (ganzjährige Mitarbeiter) unterschiedliche Regeln. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die jeweilige konkrete Angestelltensituation am eigenen Betrieb korrekt dargestellt und abgedeckt ist. Hier ist es am besten, die Versicherung von einem Experten überprüfen zu lassen.
Die Ausdehnung des Vertrages auf Mitarbeiter findet man im Vertrag unter dem Kürzel RCO (= Haftpflicht gegenüber den Angestellten; s. Tabelle). Dabei kann auch im Anhang ergänzt werden, dass sogenannte gelegentlich helfende Mitarbeiter auch versichert sind. Die Saisonarbeiter müssen mit dem Versicherungsdienstleister besprochen werden (Achtung Ausschluss).

Feuerversicherung integriert?
Einige Versicherungspakete sehen vor, dass die Gebäude- (oft bekannt als Feuer- oder Hausratsversicherung) und Betriebs-Haftpflichtversicherung gemeinsam abgeschlossen werden. In diesem Fall müssen jede Garantie – z. B. die Schadenssumme im Brandfall – extra definiert und eventuelle Zusatzgarantien bzw. Ausschlüsse genauestens überprüft werden.

Fahrzeuge ohne Straßenzulassung
Ein weiteres Augenmerk in der Betriebs-Haftpflichtversicherung ist selbstfahrenden, motorbetriebenen Fahrzeugen ohne Straßenzulassung zu widmen. Das sind Fahrzeuge ohne Fahrzeugschein und Kennnummer wie Mähmaschinen, Erntemaschinen. Hier ist es ratsam, mit einer Zusatzklausel zu ergänzen, dass auch die Fahrten auf öffentlichem Grund versichert sind. Dies kann nötig sein, wenn man etwa mit einer Mähmaschine die Straße überqueren muss, um in das zu bearbeitende Grundstück zu gelangen.

Flächen korrekt angeben
Die Prämie für eine Betriebs-Haftpflichtversicherung wird aufgrund der Eigentums- bzw. Pachtflächen berechnet. Dabei ist es äußerst wichtig, dass der Betriebsleiter der Versicherungsgesellschaft seine gesamten Flächen mitteilt. Sie müssen genau mit den Angaben im sogenannten LAFIS-Bogen übereinstimmen. Denn im Schadensfall wird anhand des LAFIS-Bogens kontrolliert, wie viel Fläche der Betrieb hat. Sollte der Betrieb nicht die gesamten Flächen korrekt angegeben haben, kann dies je nach Art der Falschangabe schwere Folgen haben: Die Versicherung könnte den auf dem Grundstück entstandenen Schaden nur im Verhältnis vergüten: In diesem Fall liegt die sogenannte Unterversicherung vor. Im schlimmsten Fall aber droht die Gefahr, dass der gesamte Schadensfall abgelehnt wird.

Wegeversicherung des LTS
Wie berichtet, wurde letzthin aufgrund des sogenannten Kuh-Urteils in Tirol auch stark darüber diskutiert, was passiert, wenn sich Wanderer, Radfahrer usw. auf den Grundstücken der Landwirte (Grundeigentümer, Pächter ...) aufhalten oder diese durchqueren. Bekanntlich haben sich der Südtiroler Bauernbund und der Landesverband der Tourismusorganisationen Südtirols (LTS) bereits vor mehr als zehn Jahren auf eine Versicherung entlang der zu Freizeitzwecken genutzten Wege geeinigt.
Zudem verfügen Wegbetreiber wie die Alpenvereine AVS und CAI auch noch über eigene Versicherungen für die von ihnen betreuten Wege.

LW1908Grafik versicherung

Es ist also je nach Situation zu beachten, welche Versicherung vorhanden ist und im Schadensfall das sogenannte erste und zweite Risiko abdeckt. Dieser Artikel geht darauf nicht im Detail ein. Grundsätzlich gilt: Wenn Wander- und ähnliche Wege von einem Betreiber (z. B. AVS, CAI ...) betrieben werden, greift in erster Linie die Versicherung des Betreibers und nicht jene des Grundeigentümers bzw. Pächters.
Allerdings muss der Eigentümer bei seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit trotzdem die notwendigen Vorkehrungen treffen. Klassische Beispiele dafür sind Holzschlägerung oder Planierungsarbeiten, bei denen der Weg abzusperren und der Wegbetreiber zu verständigen ist. Macht er das nicht, haftet er selbst für die Schäden.

Wozu die Versicherung da ist
In allen Fällen, in denen der Landwirt selbst haftet, ist grundsätzlich sein Risiko über seine Betriebs-Haftpflichtversicherung für alle eventuell auftretenden Schäden an Dritten gedeckt. Dabei übernimmt die Versicherung bis zu einem bestimmten Grad auch die Verteidigung des Landwirtes vor Gericht. Das heißt: Ein Teil der versicherten Schadenssumme (25 %) ist für die Haftungsermittlung (Sachverständiger, Gutachten) sowie Verteidigungskosten vorgesehen. Im Klartext bedeutet das: Wenn der zu Schaden gekommene Dritte vom Landwirt zivilrechtlich Schadenersatz fordert, kann der Landwirt alles der Versicherungsgesellschaft übergeben. Diese kümmert sich darum. Allerdings verteidigt der Anwalt der Versicherung den Landwirt nur bis zur Höhe der angegebenen Versicherungssumme.
Insofern ist von Fall zu Fall zu entscheiden, ob der Landwirt trotzdem besser einen eigenen Anwalt beauftragt.

Was tun bei Strafverfahren?
Auf alle Fälle muss der Versicherte (Landwirt) selbst einen Anwalt beauftragen, wenn der Geschädigte Strafanzeige erstattet oder die Behörde ein Strafverfahren einleitet.
Hier gibt es verschiedenste Rechtsschutzversicherungen. Da die Situationen aber sehr unterschiedlich sein können, ist es in diesem Fall immer wichtig, dies von einem Versicherungsexperten überprüfen zu lassen, um weder über- noch unterversichert zu sein und um im eingetretenen Schadensfall die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Tiere sind versichert
In der Betriebs-Haftpflichtversicherung sind – bis auf einige Hunderassen – automatisch alle gehaltenen Tiere versichert. Die Versicherung deckt alle Schäden, welche das in Besitz befindliche Vieh an Dritten verursacht. Die Versicherung gilt europaweit, was z. B. für Landwirte wichtig ist, die ihre Tiere im Sommer gewohnheitsmäßig in die benachbarten Grenzgebiete in Österreich oder der Schweiz bringen.

Tiroler Kuh-Attacke wäre in Südtirol gedeckt
Wenn man an die Kuh-Attacke mit Todesfolge in Tirol denkt, dann bedeutet dies für Südtirol: Eine zivilrechtliche Schadenersatzforderung wie nach diesem Fall wäre in Südtirol mit der Betriebs-Haftpflichtversicherung ohne spezielle Erweiterung generell in Deckung. Ein Grund dafür ist auch, dass sich das italienische und österreichische Zivilrecht hier deutlich unterscheiden.
Einen Sonderfall in der Betriebs-Haftpflichtversicherung bilden – wie bereits erwähnt – die Hunde. Hier muss der Versicherte der Versicherungsgesellschaft die genaue Rasse mitteilen. Denn von der jeweiligen Rasse hängt es ab, ob die Gesellschaften Aufpreise verlangen oder nicht.

Schadensfälle sofort melden!
Bei einem Schaden jeglicher Art ist es wichtig, diesen sofort bei jenem Partner zu melden, bei dem man die Polizze abgeschlossen hat, egal ob dies ein Broker, Agent usw. war.

SBB-Versicherungsberater helfen
Weitere Informationen erhalten Mitglieder in den kostenlosen Versicherungsberatungen, die der Südtiroler Bauernbund auf Bezirksebene anbietet. Dort können sie auch die bestehenden Versicherungspolizzen überprüfen lassen. Termine für die Beratungen: auf www.sbb.it im für die Mitglieder reservierten Bereich, auf mein.sbb und in den jeweiligen Bauernbund-Bezirksbüros.