Energie, Südtiroler Landwirt | 11.04.2019

Sanierung: Geld von Land und Staat

Für Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden gibt es verschiedene Förderungen und Möglichkeiten zum Steuer­abzug. Bei der großen Vielfalt an Unterstützungen auf Landes- bzw. Staatsebene fällt es oft schwer, die richtige zu finden. Ein gesamtheitlicher Überblick soll helfen, eine Wahl zu treffen. von Christine Romen

Dämmen, neue Fenster (im Bild), Lüftungsanlagen, Heizsysteme u.v.m.:  Sinnvolle Energieeinsparung wird von Land und Staat unterstützt. (Foto: RainerSturm_www.pixelio.de)

Dämmen, neue Fenster (im Bild), Lüftungsanlagen, Heizsysteme u.v.m.: Sinnvolle Energieeinsparung wird von Land und Staat unterstützt. (Foto: RainerSturm_www.pixelio.de)

Steht die Sanierung eines Gebäudes ins Haus, sollte man sich nicht nur einen Überblick über die technischen Möglichkeiten der Sanierung verschaffen, sondern auch über die verschiedenen Förderungen und Steuerabzüge.

Förderung 1
Landesförderung für Energiesparmaßnahmen und erneuerbare Energien: Das Land Südtirol gewährt Beiträge für die verschiedenen Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Für die landwirtschaftlichen Wohngebäude können die Beiträge und Gesuchsformulare für natürliche Personen verwendet werden. Werden hingegen Maßnahmen an Gebäudeteilen vorgenommen, die einer wirtschaftlichen Tätigkeit unterliegen (z. B. Urlaub auf dem Bauernhof, Hofladen oder die Solaranlage auf dem Wirtschaftsgebäude), so kommen die Richtlinien für Unternehmen zur Anwendung. Um in den Genuss des Landesbeitrages zu kommen, muss man den Antrag zwischen 1. Jänner und 31. Mai im Landesamt für Energie und Klimaschutz einreichen. Wichtig dabei ist, den Antrag auf jeden Fall vor Beginn der Arbeiten zu stellen. Die Richtlinie für Unternehmen sieht noch weitere Einschränkungen vor.

Konkrete Maßnahmen: Für folgende Sanierungsmaßnahmen wird ein Landesbeitrag im Ausmaß von bis zu 50 Prozent der anerkannten Kosten gewährt:
- Wärmedämmung von Dächern, Außenmauern, obersten und untersten Geschossdecken, Terrassen und Lauben;
- Austausch der Fenster und Fenstertüren;
- Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung;
- energetische Sanierung einzelner Baueinheiten und Durchführung folgender Maßnahmen: Wärmedämmung des Daches, der Außenmauern, der obersten und untersten Geschossdecke und der Lauben. Austausch der Fenster und Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung;
- Durchführung eines hydraulischen Abgleiches;
- Durchführung von Energieaudits.
Bis zu 40 Prozent Landesbeitrag wird für folgende Maßnahmen vergeben:
- Einbau thermischer Solaranlagen,
- Einbau von Wärmepumpen,
- Errichtung und Erweiterung von Biogasanlagen (gilt nur für Unternehmen).
- Bis zu 65 Prozent Landesbeitrag wird für folgende Maßnahmen vergeben:

Für Fotovoltaikanlagen und Windkraftanlagen, bei denen keine wirtschaftlich oder technisch vertretbare Möglichkeit des Anschlusses an das öffentliche Stromnetz besteht.
Die Förderungen sind mit keiner anderen Beihilfe oder Förderung sonstiger Art kumulierbar, die in staatlichen Bestimmungen oder in anderen Gesetzen zulasten des Landeshaushaltes für dieselben zulässigen Ausgaben vorgesehen sind.
Zuständig ist das Landesamt für Energie und Klimaschutz (Informationen finden Sie hier).

Förderung 2
Landesförderung für die Sanierung der Erstwohnung (Wohnbauförderung): Wer eine Wohnung sanieren möchte, kann zwischen zwei verschiedenen Formen der Wohnbauförderung wählen, und zwar zwischen der Wiedergewinnung der Erstwohnung und der konventionierten Wiedergewinnung.
Um in den Genuss dieser Beiträge zu kommen, müssen je nach Förderungsart verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden. Höhe und Art der Förderung werden in Form eines Punktesystems aufgeschlüsselt, für welches zahlreiche Kriterien ausschlaggebend sind.
Auch diese Förderung ist nicht kumulierbar. Das heißt: Rechnungen, die in diesem Amt abgegeben werden, dürfen nicht für weitere Beitragsgesuche bei öffentlichen Körperschaften oder für Steuervergünstigungen verwendet werden.Zuständig ist das Landesamt für Wohnungsbau – mehr Infos hier.

Förderung 3
Steuerabzug für die Sanierungs-, Instandhaltungs- und Wiedergewinnungsarbeiten: Für die genannten Arbeiten an Wohnungen und Wohngebäuden sowie für den Ankauf bereits sanierter Wohngebäude und den Ankauf von Möbeln und energieeffizienten Elektrogeräten im Zuge der Sanierung und der Pflege von Gärten und Grün­anlagen bestehender Gebäude kann ein Steuerabzug in Anspruch genommen werden (s. Tab. 1).

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Der Steuerabzug kann im Ausmaß von 50 Prozent bzw. im Falle der Pflege von Gärten und Grünanlagen im Ausmaß von 36 Prozent der Ausgaben in Anspruch genommen werden. Der Steuerabzug wird von der Einkommenssteuer (IRPEF) abgezogen und muss zu gleichen Teilen auf zehn Jahre aufgeteilt werden. Daher sollte vorab geklärt werden, ob ausreichend Einkommenssteuer bezahlt wird, um den Steuerabzug im vollen Ausmaß nutzen zu können.
Um in den Genuss des Steuerabzuges zu kommen, müssen neben den erforderlichen Unterlagen und Meldungen wie Bau­konzession oder Bauermächtigung, auch die Baustellenvorankündigung (sofern für diese Sanierungsmaßnahmen erforderlich) ordnungsgemäß und termingerecht durchgeführt werden.
Für Energiesparmaßnahmen und den Einsatz von erneuerbaren Energiequellen sowie die Elektrogeräte muss zusätzlich innerhalb von 90 Tagen nach Fertigstellung der Arbeiten eine Mitteilung an die ENEA erfolgen.
Zudem müssen die Zahlungen mittels Bank- oder Postüberweisung unter Angabe des Zahlungsgrundes und des entsprechenden Gesetzes durchgeführt werden. Bei der Zahlung von Möbeln und Elektrogeräten müssen der Zahlungsgrund und das entsprechende Gesetz nicht angegeben werden.

Förderung 4
Steuerabzug für energetische Sanierungsmaßnahmen: Für die verschiedenen energetischen Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden (Wohngebäude, beheizte Betriebsgebäude) können bis zu 65 Prozent der Ausgaben von der Einkommenssteuer (IRPEF bzw. IRES) abgezogen werden. Der Steuerabzug muss jeweils zu gleichen Teilen auf zehn Jahre aufgeteilt werden.
Um in den Genuss des Steuerabzuges zu kommen, müssen die erforderlichen Unterlagen und Meldungen wie Baukonzession oder Bauermächtigung ordnungsgemäß und termingerecht eingereicht werden.
Zudem müssen die Zahlungen mittels Bank- oder Postüberweisung unter Angabe des Zahlungsgrundes und des entsprechenden Gesetzes erfolgen. Innerhalb von 90 Tagen nach Fertigstellung der Arbeiten ist eine Mitteilung an die ENEA zu übermitteln.

Für folgende Maßnahmen gibt es 65 Prozent Steuerabzug:
- für energetische Sanierungsarbeiten zur Verbesserung von bestehenden Gebäuden, sofern die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte (Bedarf an Primärenergie) eingehalten werden;
- für die Wärmedämmung von Mauern, Dächern, Decken und Böden, sofern die vorgegebenen  Wärmedämmwerte (U-Werte) eingehalten werden;
- den Austausch der alten Heizanlage und deren Ersetzung durch eine Geothermieanlage, eine Wärmepumpe oder eine Hybridanlage;
- den Austausch des Warmwasserbereiters und deren Ersetzen mit einer Wärmepumpe;
- den Austausch der alten Heizanlage und das Ersetzen mit einer Kraft-Wärme-Koppelung;
- die Anschaffung von Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung;
- Den Einbau multimedialer Vorrichtungen für die Fernsteuerung von Heizungs-, oder Warm­wasser­erzeugungs- oder Klimatisierungs­anlagen in den Wohneinheiten.

Für folgende Maßnahmen gibt es in Abhängigkeit der Effizienz einen Steuerabzug zwischen 50 und 65 Prozent:
- für den Austausch der alten Heizanlage und deren Ersetzung durch einen Brennwertkessel.
- Für folgende Maßnahmen gibt es einen Steuerabzug im Ausmaß von 50 Prozent:
- für den Austausch von Fenstern, sofern diese die vorgegeben Wärmedämmwerte (U-Werte) einhalten. Auch für den Einbau von Verschattungselementen kann der Steuerabzug genutzt werden;
- für den Austausch der alten Heizanlage und deren Ersetzung durch eine Biomasseanlage.

Förderung 5
Staatliche Förderung für Heizanlagen: Für die Nutzung erneuerbarer Energien kann um eine staatliche Förderung, den „Conto termico“, angesucht werden.
Diese Förderung sieht einen Beitrag von 40 bis 65 Prozent der anerkannten Kosten vor.
Folgende Maßnahmen werden gefördert: der Austausch der alten Heizanlage und deren Ersetzen durch eine elektrische oder gasbetriebene Wärmepumpe oder einer Biomasseanlage; der Austausch des elektrischen Warmwasserboilers und das Ersetzen durch eine Wärmepumpe sowie der Einbau einer thermischen Solaranlage (Warmwasserproduktion), auch kombiniert mit einem solaren Kühlsystem.
Um in den Genuss der Förderung zu kommen, muss innerhalb von 60 Tagen ab Umsetzung bzw. Fertigstellung der Arbeiten ein Antrag um Förderung über das „portaltermico“ der GSE abgewickelt werden.