Südtiroler Landwirt, Steuerberatung | 28.03.2019

Spesen von der Steuer abziehen

So reduzieren Sie die geschuldete Einkommenssteuer: Die SBB-Steuerberatung erklärt, welche Spesen der ­persönlichen Lebensführung in der Steuererklärung angerechnet werden können. von Florian Rauter

Der maximale Absetzbetrag für Kindergartengebühren und Schulgebühren steigt im Steuerjahr 2018 auf 786 Euro.

Der maximale Absetzbetrag für Kindergartengebühren und Schulgebühren steigt im Steuerjahr 2018 auf 786 Euro.

Einige Spesen der persönlichen Lebensführung können in der Steuererklärung angerechnet werden und die geschuldete Einkommenssteuer reduzieren. Dabei ist klar: Wenn der Steuerpflichtige überhaupt keine Einkommenssteuer zahlen muss, kann er auch aus diesen Spesen keinen steuerlichen Vorteil erzielen. In der Landwirtschaft ist dies häufig der Fall.

Voraussetzungen
Um die Spesen der persönlichen Lebensführung absetzen zu können, ist eine Reihe allgemeiner Bedingungen einzuhalten. So müssen die Spesen im Steuerjahr vom Steuerpflichtigen selbst bezahlt und tatsächlich im eigenen Interesse getragen worden sein. Werden etwa Spesen von Dritten zurückerstattet (z. B. im Falle von Beiträgen der Landesverwaltung oder Rückerstattungen durch die Sanitätseinheit), sind diese nicht absetzbar; schließlich sind sie dem Steuerpflichtigen ja nicht effektiv „zu Lasten“. Die Spesen müssen in geeigneter Form belegt werden, z. B. mit Rechnung, Steuerbeleg oder Posterlagschein.

Die häufigsten Spesen
Nachfolgend eine Auflistung der am häufigsten vorkommenden absetzbaren Spesen.

Arztspesen: Absetzbar in Höhe von 19 Prozent sind Arztspesen wie allgemeine Arztleistungen, chirurgische Eingriffe, Krankenhausaufenthalte, Arztleistungen eines Spezialisten, sanitäre und zahnärztliche Prothesen, Medikamente (Steuernummer, Art und Menge auf dem Spesenbeleg), ärztliche Untersuchungen und Spesen für Pflegepersonal und anderes autorisiertes Personal für besondere Dienste (Pflege, Rehabilitation). Von den gesamten Arztspesen muss ein Sockelbetrag von 129,11 Euro abgezogen werden. Der Absetzbetrag gilt auch für „zu Lasten“ lebende Personen.
Darüber hinaus sind für Personen mit Behinderung noch die speziellen Spesen in Zusammenhang mit deren Behinderung abziehbar. Dazu zählen: Kauf von Rollstühlen, Rollstuhlrampen, Umbau von Aufzügen für Rollstühle, Kauf von Motor- und Autofahrzeugen (auch nicht speziell angepasste Fahrzeuge für den Transport von Blinden und Taubstummen), Kauf eines Blindenhundes.

Zinsen aus Hypothekardarlehen:
Die Zinsen und andere Spesen aus Hypothekardarlehen sind für den Kauf der Erstwohnung bis zu einem Maximalbetrag von 4000 Euro bzw. für den Bau der Erstwohnung bis zu einem Maximalbetrag von 2582,28 Euro in Höhe von 19 Prozent von der Steuer absetzbar. Zusätzlich sind weitere Bedingungen einzuhalten, die im Einzelfall zu prüfen sind.

Zinsen aus Agrarkrediten: Zinsen aus Agrarkrediten können in Höhe von 19 Prozent bis maximal zur Höhe der erklärten Katastererträge abgesetzt werden. Im Falle der Befreiung von der Besteuerungspflicht der Katasterwerte für bauernversicherte Landwirte können die Zinsen nicht mehr in Abzug gebracht werden.

Lebens- und Unfallversicherungen: Lebens- und Unfallversicherungen sind in Höhe von 19 Prozent steuerlich absetzbar, falls sie den Todesfall oder bleibende Invalidität von mindestens fünf Prozent abdecken. Der Absetzbetrag gilt bis zu einem Höchstbetrag von 530 Euro und kann auch für „zu Lasten“ lebende Personen beansprucht werden.
Für Versicherungen zur Absicherung der Betreuungsbedürftigkeit bei den gewöhnlichen und täglichen Verrichtungen (Pflegeversicherungen – „Long term care“) gilt weiterhin die alte Höchstgrenze in Höhe von 1291,14 Euro. Lebens- und Unfallversicherungen zum Schutz von behinderten Personen können bis zu einem Höchstbetrag von 750 Euro von der Steuer abgesetzt werden.

Bestattungsspesen: Bestattungsspesen können in Höhe von 19 Prozent bis höchstens 1550 Euro für jeden Todesfall abgesetzt werden. Die verstorbene Person muss nicht verwandt oder verschwägert sein.

Einschreibegebühren bei Amateursportvereinen: Wenn „zu Lasten“ lebende minderjährige Kinder zwischen fünf und 18 Jahren einen Amateursport ausüben, kann auf maximal 210 Euro pro Kind ein Absetzbetrag in Höhe von 19 Prozent beansprucht werden. Dies gilt für die jährlichen Einschreibegebühren bzw. Abonnements für Schwimmbäder, Turnhallen oder andere Sportanlagen.

NEU: Schul- und Kindergartengebühren: Die Schulgebühren für Grund-, Mittel- und Oberschulen sowie für die entsprechenden Gebühren für Kindergärten sind in Höhe von 19 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 786 Euro pro Jahr und pro „zu Lasten“ lebendes Kind von der Bruttosteuer absetzbar.
Zu den absetzbaren Schulspesen zählen die Einschreibegebühren („Tassa di iscrizione“), die Gebühren für den Besuch („Tassa di frequenza“) und die Spesen für den Mensadienst („Spese per la mensa scolastica“).
Ab dem Steuerjahr 2019 steigt der Höchstbetrag auf 800 Euro.

Kinderhorte und Tagesmutterdienst: Die bezahlten Einschreibegebühren für den Besuch von öffentlichen und privaten Kinderhorten sind in Höhe von 19 Prozent bis maximal 632 Euro pro Kind absetzbar. Der Absetzbetrag gilt auch für den in der Provinz Bozen angebotenen Tagesmutterdienst.

Studiengebühren: Studiengebühren öffentlicher und privater Institutionen sind in Höhe von 19 Prozent von der Bruttosteuer absetzbar. Die Gebühren von privaten und ausländischen Institutionen dürfen allerdings nur maximal in der Höhe der Gebühren der öffentlichen Institutionen abgesetzt werden. Mit eigenem Ministerialdekret werden jedes Jahr die maximal absetzbaren Spesen pro Studiengang für die privaten und ausländischen Universitäten festgelegt. Der Absetzbetrag gilt auch für „zu Lasten“ lebende Personen.

NEU: Öffentliche Verkehrsmittel: Ab dem Steuerjahr 2018 können die Spesen für Abonnements der öffentlichen Verkehrsmittel für sich selbst bzw. für „zu Lasten“ lebende Personen in Höhe von 19 Prozent bis maximal 250 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Für das Abonnement in der Provinz Bozen kann eine entsprechende Bestätigung der getragenen Spesen über die Internetseite des Landesamtes für Personenverkehr eingeholt werden.

Mieten von Universitätsstudenten: Wohnungsmieten für Universitätsstudenten können bis maximal 2633 Euro in Höhe von 19 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Die Studierenden müssen steuerlich „zu Lasten“ sein und an einer Universität außerhalb der Provinz und mindestens 100 Kilometer vom Wohnort entfernt studieren. Der Absetzbetrag gilt auch für Mietspesen im Ausland.
Für Studierende mit Wohnsitz im Berggebiet sind die Voraussetzungen gelockert worden, allerdings beschränkt auf die Steuerjahre 2017 und 2018: Die Universität muss nicht zwingend außerhalb der Provinz liegen und nur mehr 50 Kilometer entfernt sein.

Tierarzt: Für Haustiere und Tiere, die zur Ausübung eines Sports vorgesehen sind, können Tierarztspesen sowie die von diesem verschriebenen Medikamente bis maximal 387,34 Euro und einem Sockelbetrag von 129,11 Euro in Höhe von 19 Prozent abgesetzt werden. Keinen Absetzbetrag erhält man für Tierarztspesen, wenn die Tiere landwirtschaftlich oder gewerblich genutzt werden.

Spenden: Freiwillige Zuwendungen (Spenden) können abgesetzt oder abgezogen werden, sofern sie zugunsten bestimmter Institutionen getätigt werden (s. Tabelle 1).

Pflichtbeiträge zur Bauernversicherung: Pflichtbeiträge zur Bauernversicherung können vom Gesamteinkommen abgezogen werden. Abziehbar ist sowohl der Teil der Sozialabgaben als auch jener der Unfallversicherung. Nicht abziehbar sind die Sozialabgaben für landwirtschaftliche Angestellte. Erfolgt eine Rückerstattung durch die Region, ist dieser Anteil nicht anrechenbar.

Sozialabgaben Handwerker und Kaufleute: Sozialabgaben der Handwerker und ­Kaufleute sind vom Gesamteinkommen abziehbar.

Freiwillige Versicherungsbeiträge: Freiwillige Versicherungsbeiträge (z. B. Nachkauf der Studien- oder Militärjahre) sind vom Gesamteinkommen abziehbar.

Unterhaltszahlungen an den Ex-Ehepartner: Periodische Unterhaltszahlungen sind in der laut Gerichtsurteil festgesetzten Höhe abziehbar. Freiwillige Zuwendungen an den Exehepartner und die Zahlungen für den Unterhalt der Kinder dürfen nicht berücksichtigt werden. Der begünstigte Exehepartner muss die erhaltenen Unterhaltszahlungen besteuern.

Beiträge an Zusatzrentenfonds: Beiträge an Zusatzrentenfonds können bis max. 5164,57 Euro abgezogen werden. Falls die Beiträge nicht abgezogen werden und der Steuerpflichtige dies dem Rentenfonds innerhalb Dezember des Folgejahres auch mitteilt, werden die in Kapital- oder Rentenform ausbezahlten Beträge nicht besteuert. Der Absetzbetrag gilt auch für „zu Lasten“ lebende Personen. Falls die Beiträge an Zusatzrentenfonds bereits vom Arbeitgeber berücksichtigt worden sind, können diese nicht noch einmal in der Steuererklärung in Abzug gebracht werden.

LW1906_Grafik Steuererklaerung

Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten: Der Steuervorteil für Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten kann für folgende Arbeiten beansprucht werden:
- Außerordentliche Instandhaltungsarbeiten;
- Sanierungs- und Wiedergewinnungsarbeiten;
- Ankauf einer renovierten Wohnung (25 % des Kaufpreises);
- Ankauf oder Bau von Garagen bzw. Autoabstellplätzen, die Zubehör zu einer Wohnung sind;
- Eingriffe an Gebäuden zur Verbesserung der Einbruchs- und Unfallvorsorge;
- Eingriffe zur Beseitigung von architektonischen Barrieren;
- Eingriffe für Energiesparmaßnahmen;
- Eingriffe zum Wiederaufbau nach Naturkatastrophen.
Für Eingriffe bis zum 31. Dezember 2018 ist der Absetzbetrag von 36 Prozent auf 50 Prozent und der Maximalbetrag für die Spesen von 48.000 Euro auf 96.000 Euro erhöht worden. Die Spesen müssen auf insgesamt zehn Raten aufgeteilt werden.
Es muss darauf geachtet werden, dass alle notwendigen Ansuchen (z. B. an das Landesamt für Sicherheitstechnik) getätigt worden sind und alle weiteren vorgesehenen Vorschriften eingehalten werden.
NEU: Für Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit Energieeinsparung ist seit 2018 eine Meldung an die ENEA zu schicken.

Möbel und Elektrogeräte für sanierte Wohnungen: Steuerpflichtige, die den Steuerabsetzbetrag für Sanierungsarbeiten am Wohngebäude beansprucht haben, haben die Möglichkeit, für die sanierte Wohnung einen zusätzlichen Absetzbetrag für den Ankauf von Möbeln und energieeffizienten Elektrogeräten zu beanspruchen. Der zusätzliche Absetzbetrag in Höhe von 50 Prozent kann bis zu einem Maximalbetrag von 10.000 Euro pro Wohneinheit (inklusive Nebeneinheiten) beansprucht werden.
NEU: Für den Ankauf von energieeffizienten Elektrogeräten muss seit 2018 eine Meldung an die ENEA geschickt werden.

Energiesparmaßnamen: Der Steuerabsetzbetrag für Spesen für Energiesparmaßnahmen in Höhe von 65 Prozent gilt bis 31. Dezember 2018 und kann auf zehn Raten aufgeteilt werden. Der Absetzbetrag gilt bis zu einem Höchstbetrag laut Tabelle 2.
Für einige Eingriffe für Energiesparmaßnahmen wurde der Absetzbetrag seit 1. Jänner 2018 von 65 Prozent auf 50 Prozent reduziert: Austausch von Isolierfenstern, Installation von Sonnenschutzsystemen, Austausch einer Heizanlage mit Brennwertkessel
und Austausch einer Heizanlage mit Biomasse. Um in den Genuss des Steuerabsetzbetrages von 65 Prozent zu gelangen, muss kein eigenes Ansuchen im Vorfeld der Eingriffe gemacht werden. Innerhalb von 90 Tagen nach Abschluss der Arbeiten müssen abhängig von den durchgeführten Arbeiten verschiedene Zertifizierungen und Dokumente telematisch über ein Internetportal an die ENEA geschickt werden. Außerdem benötigt der Steuerpflichtige eine eidesstattliche Erklärung von einem berechtigten Techniker über die Einhaltung der technischen Voraussetzungen des Eingriffs. Diese Erklärung muss zu Hause aufbewahrt und auf Verlangen der Finanzbehörde vorgewiesen werden.

Pachtverträge bauernversicherter Junglandwirte: Für landwirtschaftliche Pachtverträge, die von bauernversicherten Landwirten unter 35 Jahren abgeschlossen worden sind, steht ein Absetzbetrag in Höhe von 19 Prozent zu. Der Absetzbetrag steht bis zu einem Betrag von 80 Euro pro Hektar und insgesamt bis maximal 1200 Euro zu.
Dieser Pachtvertrag muss in schriftlicher Form abgeschlossen werden. Zudem dürfen die Pachtflächen nicht den Eltern des Pächters gehören.