Politik, Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 04.12.2018

Ehrenamt ist im Wandel

Wertschätzung, Zuspruch und Gemeinschaft: Das braucht es, damit das Ehrenamt Zukunft hat. Dies ist die Botschaft der Ortsbäuerin Brigitte Patzleiner aus Toblach am Tag des Ehrenamtes (5. Dezember).

Auch sie leisten viele ehrenamtliche Stunden: die Bäuerinnen des SBO-Ortsausschusses Toblach.

Auch sie leisten viele ehrenamtliche Stunden: die Bäuerinnen des SBO-Ortsausschusses Toblach.

Damit das Ehrenamt zukunftsfähig bleibt, müssen immer wieder Menschen begeistert werden, die in ihrer Freizeit engagiert für ihren Verein mit und für andere unterwegs sind. In der Südtiroler Bäuerinnenorganisation machen dies ca. 1200 Funktionärinnen, die zurzeit neugewählt bzw. wiedergewählt werden.

Zuspruch gibt Motivation und Selbstvertrauen
In Toblach fand Anfang November die Neuwahl statt. Für die neue Ortsbäuerin Brigitte Patzleiner heißt es nun vier Jahre die Geschicke der Ortsgruppe zu leiten: „Es ist in der heutigen Zeit nicht leicht Bäuerinnen zu finden, die ein Ehrenamt übernehmen, da viele berufstätig sind. Aber nichts desto trotz haben wir Bäuerinnen gefragt, denn es ist uns allen ein Anliegen, dass unsere Ortsgruppe weiter bestehen bleibt,“ sagt Patzleiner. Sie hatte anfangs zwar die Befürchtung, sie schaffe die Aufgabe als Ortsbäuerin nicht, doch der große Zuspruch der Bäuerinnen habe sie motiviert. „Nach der Versammlung haben mir viele gratuliert, und ich muss sagen: Das gibt mir Kraft und Selbstvertrauen!“ Außerdem hat die frisch gewählte Ortsbäuerin eine Stellvertreterin an ihrer Seite, welche sie tatkräftig unterstützt. „Wir konnten den Bäuerinnen im Ort vermitteln: Wir schaffen das – gemeinsam für uns Bäuerinnen.“ Und diese Botschaft hat Früchte getragen.

Möglichkeit zu Entfaltung und Weiterbildung
Das Ehrenamt ist im Wandel. Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer ist überzeugt, dass durch erfolgreiche Netzwerkarbeit Bäuerinnen jeder Altersklasse motiviert werden, können aktiv den ländlichen Raum ehrenamtlich mitzugestalten: „Ehrenamt bietet viele Möglichkeiten an persönlicher Entfaltung und an Weiterbildung. Es ist notwendig auf diese positiven Seiten des Ehrenamtes hinzuweisen, damit das Ehrenamt auch in Zukunft noch interessant und attraktiv bleibt,“ sagt die Landesbäuerin am Tag des Ehrenamtes: „Ich bedanke mich bei unseren Funktionärinnen und ehrenamtlichen Menschen im Lande, dass sie ihre persönliche Zeit zum Wohle aller zur Verfügung stellen. Die Gesellschaft lebt von Menschen die mehr tun, als man von ihnen erwartet.“

Ehrenamt sichert Lebensstandard
Der Internationale Tag des Ehrenamtes stellt die Leistung der Freiwilligen ins Rampenlicht. Zurecht, findet auch Maria Hochgruber Kuenzer als Mitglied des Präsidiums des Südtiroler Landtages: „Lasst uns all jene würdigen, die ehrenamtlich für das Wohl unserer Gesellschaft sorgen.“  Ohne Ehrenamt wäre es um den Lebensstandard und das Gemeinwohl in Südtirol viel schlechter bestellt. Hochgruber Kuenzer betont aber auch: „Ohne Ehrenamt wären die vielen Freiwilligen selbst um Erfahrungen und um persönliche Sinngebung ärmer.“

Leistungen in Zahlen nicht messbar
Was Menschen unentgeltlich leisten, ist in Zahlen nicht fassbar. „Als vor einigen Wochen die Unwetter ganze Wälder niedergestreckt und Gewässer überflutet haben, wurde uns einmal mehr vor Augen gehalten, wie wir ohne Feuerwehren und Zivilschutz da stehen würden: Wir wären den Unwettern ohnmächtig ausgeliefert,“ erinnert Hochgruber Kuenzer. Allzu vielen sei gar nicht bewusst, wie viel Engagement, Know-how, Motivation, Zeit und auch Verzicht zugunsten des Ehrenamtes geleistet wird.
Maria Hochgruber Kuenzer weiß, was Bäuerinnen über die Bäuerinnenorganisation alles freiwillig leisten, und zieht einen Vergleich: „So wie die Bäuerinnen das Gefüge der Landwirtschaft sozial, kulturell und wirtschaftlich zusammenhalten und ständig weiterentwickeln, genauso stellen Frauen und Männer aller gesellschaftlichen Gruppierungen jeweils in ihrem Bereich den Kitt unserer Gesellschaft dar.“

Ehrenamt ist nicht Gratisarbeit
Aktuell sind 2333 ehrenamtliche Organisationen in Südtirol registriert, tatsächlich aktiv sind noch mehr: In 3000 Organisationen engagieren sich Ehrenamtliche derzeit. Frauen und Männer bringen sich außerhalb ihrer Erwerbstätigkeit ein, „es soll aber bitte niemand von Gratisarbeit sprechen“, fordert die Landtagsabgeordnete den korrekten sprachlichen Umgang ein. Ehrenamt ist nicht billig und nicht gratis, die unmittelbare Währung für die Leistungen sind Respekt und Ehre, die sich Freiwillige nicht nur am Tag des Ehrenamtes verdienen.