Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 22.11.2018

„UaB muss authentisch bleiben“

Urlaub auf dem Bauernhof wird nicht nur für den Erhalt bäuerlicher Betriebe, sondern auch für die ländliche Entwicklung insgesamt immer bedeutender. In Südtirol ist er es längst. Wohl auch deshalb fand der erste UaB-Weltkongress in Südtirol statt. von Michael Deltedesco

Der Gast von Urlaub auf dem Bauernhof sucht den Kontakt zur bäuerlichen Familie. Das ist seine Chance, aber auch eine Herausforderung.

Der Gast von Urlaub auf dem Bauernhof sucht den Kontakt zur bäuerlichen Familie. Das ist seine Chance, aber auch eine Herausforderung.

Teilnehmer aus 42 Staaten – von den USA bis nach Indien – kamen zum ersten Weltkongress für Agrotourismus in die Europäische Akademie Eurac nach Bozen. Drei Tage lang diskutierte man über Herausforderungen und Entwicklungen, analysierte die großen Chancen, die Urlaub auf dem Bauernhof bietet, und die Schwächen dieses Urlaubsangebotes.
Ein Thema des Kongresses war, was „Urlaub auf dem Bauernhof“ eigentlich bedeutet. Dabei wurde schnell klar, dass es keine verbindliche, vergleichbare Standards gibt. In Südtirol dürfen beim Urlaub auf dem Bauernhof maximal fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmer vermietet werden, während in anderen Ländern keine Obergrenzen vorgesehen sind. Zudem gilt in Südtirol, dass zum UaB auch eine funktionierende Landwirtschaft gehört. Auch das wird bei Weitem nicht in allen Ländern vorausgesetzt. Weltweit verbindliche Standards, die natürlich die lokalen Gegebenheiten mit berücksichtigen, wurden von mehreren Seiten gewünscht.

Mit Authentizität punkten
Einig waren sich die Teilnehmer auch darüber, „dass der Urlaub auf dem Bauernhof vor allem mit Authentizität punkten müsse. Dazu gehört neben einem aktiven Landwirtschaftsbetrieb ein zum Hof und zu bäuerlichen Familie passendes Angebot und eine Struktur, die sich gut in die Umgebung einfügt“, sagte Thomas Streifeneder, Leiter des Instituts für Regionalentwicklung von Eurac Research, das den ersten Weltkongress organisiert hat. Zudem brauche es ein einladendes, familiäres Ambiente – mit Urlaub auf dem Bauernhof werden meist eine bäuer­liche Familie und eine sehr persönliche Betreuung assoziiert – und eine Landwirtschaft, die vorrangig ist.

UaB ist gut für den ländlichen Raum
Ein weiteres Thema, das sehr ausführlich diskutiert wurde, ist die positive Auswirkung des Urlaubs auf dem Bauernhof auf den ländlichen Raum und seine nachhaltige Entwicklung. Gerade in Entwicklungsländern trägt der Urlaub auf dem Bauernhof dazu bei, dass Bauern ihren Lebensunterhalt sichern und so auf ihren Höfen bleiben und das Land weiter bewirtschaften können. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Zudem beugt Urlaub auf dem Bauernhof der Landflucht vor, die in immer mehr Regionen zu einem ernst zu nehmenden Problem wird.
Ein gutes Beispiel, wie der Urlaub auf dem Bauernhof zur nachhaltigen Entwicklung einer Region beitragen kann, ist „Acolhida na Colonia“, ein Zusammenschluss familiengeführter UaB-Betriebe in Brasilien, der auf dem Weltkongress vorgestellt wurde. Zudem dürfe auch nicht vergessen werden, dass der Urlaub auf dem Bauernhof dazu beitragen kann, das regionale kulturelle Erbe zu erhalten.

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen
Dass Urlaub auf dem Bauernhof in vielen Ländern ein Erfolgsmodell ist oder werden kann, wurde auf dem ersten Weltkongress schnell klar. „Dennoch dürfen sich die UaB-Betriebe nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern müssen innovativ sein und sich ständig weiterentwickeln, denn der Markt bleibt nicht stehen, sondern ist sehr dynamisch“, stellte Hans Embacher, Geschäftsführer von Urlaub am Bauernhof Österreich, klar. „Gäste wünschen sich immer etwas Neues. Dabei müssen es nicht immer die großen Investi­tionen sein, auch kleine Neuerungen und Verbesserungen reichen manchmal aus.“ Die Politik habe die Aufgabe, diese Innovation zu unterstützen, meinte Embacher.

Qualität und Angebot wichtig
Noch wichtiger dürften in Zukunft die Qualität und das Angebot der UaB-Betriebe werden. „Denn den Wettbewerb um Kunden gewinnt man beim Angebot und den besonderen Erlebnissen, die ein Hof bietet“, unterstrich Hans Embacher. Ein besonderer Input kommt dabei von Menschen, die aus anderen Sektoren stammen und auf einen Hof ziehen. „Wie etwa eine Krankenschwester, die auf einem Bauernhof ein Gesundheitsangebot für ihre Gäste aufbaut.“
Südtirol sei bei der Qualität und den Angeboten sehr gut aufgestellt, hat Embacher, der selbst Gast beim UaB in Südtirol ist, die Erfahrung gemacht. Wenn, dann ist bei der Möglichkeit, online zu buchen, noch Luft nach oben.

Schwachstellen Zeitmanagement und Wirtschaftlichkeit
Neben viel Positivem wurden aber auch Schwächen des Urlaubs auf dem Bauernhof diskutiert – wie etwa die fehlende Profes­sio­nalität bei sehr kleinen Betrieben. Zudem spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle. „Gerade beim Urlaub auf dem Bauernhof erwartet der Gast, dass sich die bäuerliche Familie Zeit für ihn nimmt. Das ist aber nicht immer der Fall, weil die Landwirtschaft sehr arbeitsintensiv ist oder es einen Zuerwerb außerhalb des Hofes gibt“, so Embacher. Auch die Wirtschaftlichkeit sei manchmal nicht gegeben – vor allem dann, wenn der Preis sehr niedrig ist. Und nicht zuletzt hätten Betriebe mit nur einer oder zwei Blumen Probleme, sich am Markt zu behaupten. Am erfolgreichsten sind hier die 4- und 5-Blumen-Betriebe. Die wohl größte Gefahr ist aber, dass der Urlaub auf dem Bauernhof nicht mehr authentisch ist. Das sei aber in Südtirol kaum das Problem.

Lesen Sie morgen in unserer Printausgabe, welche Bedeutung UaB in Italien hat und welche Rolle dabei die Frauen spielen.