Politik, Südtiroler Landwirt | 12.10.2018

Nationalpark wird Modellregion

Eine „Modellregion für nachhaltiges Leben in den Alpen“ soll der Nationalpark Stilfserjoch werden. Die Gemeinden im Gebiet des Nationalparks sollen so wirtschaftlich und touristisch weiterentwickelt werden, die natürlichen Ressourcen und die Umwelt geachtet bleiben. von Lukas Stecher, IDM Südtirol

Der Nationalpark Stilfser Joch soll zu einer Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften und Leben werden. (Foto: IDM, Frieder Blickle)

Der Nationalpark Stilfser Joch soll zu einer Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften und Leben werden. (Foto: IDM, Frieder Blickle)

Dank dem dreijährigen Projekt „Touristische und landwirtschaftliche Entwicklung im Nationalpark Stilfserjoch“, das von IDM Südtirol umgesetzt wird, soll der Nationalpark Stilfser Joch zu einer Modellregion für nachhaltiges Leben in den Alpen werden. 
Tourismustreibende und vor allem Landwirte sollen stark in das Projekt miteinbezogen werden. Ein strategisches Ziel auf dem Weg zu dieser Modellregion ist nämlich die Förderung regionaler Produkte und Wirtschaftskreisläufe. 
Denn: Konsumenten legen zunehmend Wert auf regionale Produkte, egal ob es dabei um Obst, Gemüse oder Fleisch geht. Laut einer Studie der amerikanischen Management Consulting Firma A. T. Kearney legen Konsumenten bei frischen Lebensmitteln sogar mehr Wert auf Regionalität als auf Bio-Qualität. Anders als bei „bio“ gibt es aber für „Regionaliät“ noch keine klare Definition. Die Ausarbeitung einer solchen Definition und der angestrebten Qualitätsstandards für regionale Produkte sind deshalb die ersten Maßnahmen, die das Konzept für den Nationalpark Stilfserjoch vorsieht. 

Chancen voll auschöpfen
Das Konzept beinhaltet zahlreiche weitere Maßnahmen, etwa die verstärkte Vermarktung lokaler Produkte, Sensibilisierungskampagnen oder auch Weiterbildungsinitiativen. Allen diesen Maßnahmen gemeinsam ist der Grundgedanke, die Landwirtschaft aktiv in das Projekt der Modellregion mit einzubinden, sodass auch dieser Sektor die Chancen, die der Nationalpark bietet, voll ausschöpfen kann. Im Konkreten sind folgende Maßnahmen geplant:
- Sensibilisierung für Maßnahmen, mit denen Landwirte eine größere Wertschöpfung erzielen, z.B. durch die Veredelung von Produkten
- Patenschaften zwischen landwirtschaftlichen und touristischen Betrieben, Abnahme von Produkten und gegenseitige „Bewerbung“
- Nationalpark-Menüs in den gastronomischen Betrieben mit heimischen landwirtschaftlichen Produkten
- Gastronomische Nationalpark-Events mit regionalen landwirtschaftlichen Produkten 
- Bereitstellung von eigenen Marktständen für die Produzenten, einheitlicher Auftritt auf Märkten und Messen und bei Events im Nationalpark (z.B. Stelvio Marathon, Stilfserjoch Radtag)
- Gemeinsame Broschüre 
- Souvenirpakete für Gäste mit Produkten aus dem Nationalpark
- Picknickkörbe für Gäste mit Produkten aus dem Nationalpark
- Einbindung in Werbe- und PR-Maßnahmen in den touristischen Hauptmärkten, also in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Italien.

Mehr Gewinn, weniger Kosten
Für die Landwirte bedeutet diese Ausweitung der Vertriebskanäle eine höhere Sichtbarkeit und Bekanntheit bei potenziellen Kunden. Das Nationalpark-Label garantiert zudem einen starken Wiedererkennungswert für ihre Produkte. Sie dürfen sich somit eine höhere Absatzmenge der eigenen Produkte erwarten. 
Nicht zuletzt soll es dem Landwirt durch die Veredelung seiner Produkte insgesamt ermöglicht werden, einen höheren Gewinn zu erzielen und Kosten einzusparen. Laut Studien sind Kunden beim Kauf von regionalen Produkten nämlich bereit, durchschnittlich 15 Prozent mehr zu bezahlen als für andere Produkte. 
Die Koordination und Leitung des Projekts „Touristische und landwirtschaftliche Entwicklung im Nationalpark Stilfserjoch“ liegt beim Destination Management West von IDM Südtirol. In einer Arbeitsgruppe sollen nun zunächst die Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien für die landwirtschaftlichen Produkte festgelegt werden: In dieser Gruppe arbeiten unter anderem Hans J. Kienzl (von der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ des Südtiroler Bauernbundes), Hanspeter Gunsch (Amt für den Nationalpark Stilfserjoch) sowie Vertreter von IDM Südtirol mit. 


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Mehr Infos
Landwirtschaftliche Betriebe im Nationalpark Stilfserjoch, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind, können sich bis Ende Oktober 2018 bei Lukas Stecher (IDM Südtirol – Büro Glurns) unter lukas.stecher@idm-suedtirol.com melden.