Betriebsberatung, Südtiroler Landwirt | 12.10.2018

Mit neuen Regeln zur Erstwohnung

Seit Juli gelten für die landwirtschaftliche Wohnbauförderung neue Regeln. Es sind nicht viele, sehr wohl aber einschneidende. Lesen Sie hier, was sich geändert hat und ob Sie in den Genuss einer Förderung kommen können. von Stephan Mutschlechner, SBB-Betriebsberatung

Landwirtschaftliches Wohnhaus im Bau: Das Land belohnt Sanierungen ohne große Kubaturerweiterung mit höheren Beiträgen als den Neubau.

Landwirtschaftliches Wohnhaus im Bau: Das Land belohnt Sanierungen ohne große Kubaturerweiterung mit höheren Beiträgen als den Neubau.

Die Neuerungen vom vergangenen Juli betreffen verschiedene Kriterien. Das Land hat u. a. das nötige Finanzvermögen erhöht sowie die Kriterien für die Wartezeit bis zum nächstmöglichen Ansuchen und die Beitragsstufen geändert. Größere Betriebe kommen nicht mehr so leicht zu einer Förderung.
Die wesentlichen Voraussetzungen der landwirtschaftlichen Wohnbauförderung bleiben gleich. Grundlage sind die Regeln von 2014, als das Land die Förderung das letzte Mal grundlegend überarbeitet hatte. Der gleichbleibende Grundsatz: Es ist eine Förderung für die Erstwohnung eines Landwirtes. 

Mindestgröße bleibt
Der Betrieb muss mindestens fünf Großvieheinheiten (GVE) halten oder über eine Fläche von mindestens einem Hektar Obst- und/oder Weinbau oder über zwei Hektar Sonderkulturen (z. B. Getreide, Gemüse, Ackerbau) verfügen.
Eine weitere wichtige Bedingung ist die EEVE (Einheitliche Einkommens- und Vermögenserklärung): Mit ihren Daten wird der „Faktor der wirtschaftlichen Lage“ – kurz 
FWL – berechnet. Je höher das Einkommen und die Ersparnisse, umso höher ist diese Zahl.
Schließlich soll diese Förderung nur Betrieben vorbehalten bleiben, die mit einer gewissen Intensität bewirtschaftet werden: Deswegen ist in bestimmten Fällen auch 
ein landwirtschaftlicher Mindestumsatz von 7000 Euro (Schwelle für die MwSt.-Buchführungspflicht) vorgeschrieben.

Neuerung 1: Eigenkapital
Die Neuerungen vom Juli dieses Jahres sind nicht sehr zahlreich, aber doch einschneidend. Eine erste betrifft die Ersparnisse und Immobilien. Das Immobiliarvermögen wird bei der Berechnung des FWL (wirtschaftliche Lage) überhaupt nicht mehr berücksichtigt. 
Wenn man baut, sollte man über Eigenkapital verfügen. Diesem Umstand hat die Landesregierung verstärkt Rechnung getragen, indem sie die Obergrenze beim Finanzvermögen für eine Einzelperson von 100.000 
auf 150.000 Euro und für eine Familie auf 250.000 Euro erhöht hat. Erst bei einem Betrag über diesem Wert wirken sich die Ersparnisse auf den FWL aus.

Neuerung 2: Wartezeiten 
Bereits nach 20 statt wie bisher nach 25 Jahren darf auf demselben Hof der maximale Beitrag für die Erstwohnung ausgeschöpft werden, unter bestimmten Bedingungen auch schon früher. Einer dieser Fälle betrifft Jungbauern, die in den letzten fünf Jahren den Hof übernommen haben. Sie können schon bereits zehn Jahre, nachdem am Betrieb eine landwirtschaftliche Wohnhausförderung in Anspruch genommen wurde, wieder ansuchen. Allerdings müssen sie dafür folgende Bedingungen erfüllen:
Es muss sich um einen geschlossenen Hof handeln.
Die damals geförderte Wohnung muss mit einem im Grundbuch eingetragenen Wohnrecht oder Fruchtgenuss belastet sein und vom Hofübergeber als Erstwohnung bewohnt werden: Er muss dort seinen meldeamtlichen Hauptwohnsitz haben. Zudem ist keine weitere Wohnung zugunsten dieser Rechtsinhaber im Eigentum oder als dingliches Nutzungsrecht vorhanden.
Der Jungbauer darf über keine weitere Wohnung verfügen, auch nicht über Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Ferienwohnungen oder für andere gewerbliche Tätigkeiten genutzte Wohnflächen.

Neuerung 3: Beitragsstufen
Eine weitere Änderung: Die Beitragsstufen wurden von fünf auf vier reduziert. Bauern mit niedrigem Einkommen haben einen Vorteil, zum Beispiel, weil die Obergrenze für die erste Beitragsstufe auf einen FWL von 2,50 auf 3,24 erhöht wurde. Viehbetriebe mit mindestens 40 Erschwernispunkten erhalten in dieser Beitragsstufe einen Beitrag von 
50 Prozent, Betriebe mit Obst-, Weinbau oder Sonderkulturen 30 Prozent, immer bezogen auf die zur Finanzierung zugelassenen Kosten.

Neuerung 4: Obergrenzen
Restriktiver wurde die Förderung für größere Betriebe: Die bisherige Obergrenze des FWL sinkt von 6,20 auf 5,48. Als Beispiel stelle man sich einen Jungbauern ohne Familie vor, der für sich selbst eine Wohnung baut und über keine weiteren außerlandwirtschaftlichen Einkommen verfügt: Er darf nun höchstens 4,9 Hektar Obst- und Weinbaufläche bewirtschaften oder 55 GVE halten.

Mehr Beitrag fürs Sanieren
Der Beitrag steigt so wie bisher um sieben Prozent, wenn es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine Sanierung mit maximal 20 Prozent Kubaturerweiterung handelt.
Bereits bisher wurde versucht, Betrieben mit besonderer Erschwernis mehr zu helfen, indem die zugelassenen Kosten für abgelegene Betriebe mit erschwerten Baubedingungen und Denkmal- oder Ensembleschutz erhöht werden konnten. Nun werden sie noch – das ist neu – ab 1000 Höhenmetern pro 100 Höhenmeter um zwei Prozent angehoben.
Die Förderung für den Kauf der Erstwohnung wurde gestrichen. Nach dem Kauf kann  man aber für die Sanierung der gekauften Wohnung ansuchen. 

Bäuerliche Wohnbauförderung

Informationen und Hilfe

Ausführliche Informationen erhält man beim Landesamt für ländliches Bauwesen (Brennerstraße 6, Bozen, Tel. 0471 415150) und bei den Bezirksämtern für Landwirtschaft.
Im Südtiroler Bauernbund berät und hilft die Betriebsberatung in Bozen (Tel. 0471 999421). 
Im Internet hilft der „Beitragsfinder“ des Südtiroler Bauernbundes, die Seiten der Landesverwaltung zu finden, auf denen die Beitragsrichtlinien erklärt und Gesuchformulare heruntergeladen werden können – einfach „Beitragsfinder“ in die Suchmaschine eintippen.
Die Förderung wird in der SBB-Broschüre über Investitionsförderungen genau beschrieben. Die Broschüre kann aus dem das Internet heruntergeladen werden – nur eingeloggte Benutzer – oder man kann sie sich in den Bezirksbüros ausdrucken lassen.