Wirtschaft, Bauernbund | 05.10.2018

Plattform Land: Glurns ist Vorbild

Wohnungen mit Parkplatz suchte man innerhalb der Glurnser Stadtmauern fast vergeblich. Für Gärten war kein Platz, auch nicht für altengerechtes Wohnen mit Aufzug. Deshalb wollte kaum jemand in das Städtchen. Heute ist es schick, innerhalb der Stadtmauern zu leben. Ein Grund dafür ist das Leerstandsmanagement, wurde beim „Tag der Innenentwicklung“ deutlich.

Mit der Sanierung wurde dieses schöne Stadthaus wieder mit Leben gefüllt. Weitere sollen nun folgen.

Mit der Sanierung wurde dieses schöne Stadthaus wieder mit Leben gefüllt. Weitere sollen nun folgen.

Beim „Tag der Innenentwicklung“ erklärten die „Plattform Land“, die „Kammer der Architekten“ und die „KVW Arche“, wie sich Glurns dank des Leerstandsmanagement derart wandeln konnte. Bürgermeister Alois Frank berichtete u. a., dass anfangs noch große Skepsis herrschte und nur wenige Einheimische sich vorstellen konnten, im Innenbereich zu wohnen. „Nach einer gelungenen Renovierung, die einerseits das historische Stadtbild berücksichtigt und andererseits den Ansprüchen an modernes Wohnen gerecht wird, haben sich zunächst vor allem Auswärtige für die sanierten Wohnungen interessiert.“ Dies hat auch bei den Menschen vor Ort ein Umdenken ausgelöst. „Inzwischen sind es hauptsächlich Einheimische, die eine der Wohnungen in dem sanierten Objekt erwerben möchten“, so Frank. Der Einzug von Geschäften im Erdgeschoss habe zusätzlich zur Belebung des Ortskerns beigetragen. Außerdem hat die Gemeinde durch eine große Tiefgarage ausreichend Parkraum im Ortszentrum geschaffen.

Gelungen ist die Aufwertung des Innenbereiches durch ein effizientes Leerstandsmanagement, das ein zentraler Aspekt der intelligenten Flächennutzung, also der verantwortungsvollen Nutzung des begrenzten Raums, ist. Die intelligente Flächennutzung und das Leerstandsmanagement sind - neben der Stärkung des ländlichen Raums - ein Hauptziel der Plattform Land. Die Plattform Land hat inzwischen mit fünf Pilotgemeinden ein Leerstandsmanagement durchgeführt (Kaltern, Klausen, St. Leonhard, Tramin und Truden). Dort wurden die Leerstände ermittelt und digital dargestellt sowie die Bevölkerung sensibilisiert.
Plattform-Land-Präsident Andreas Schatzer bezeichnete das Leerstandsmanagement in Glurns als vorbildlich und wies darauf hin, dass spätestens ab 2020 alle Gemeinden eine Leerstandserhebung durchführen müssen. So sieht es das kürzlich verabschiedete Gesetz zu Raum und Landschaft vor.

Beratungen zu Sanierungen und Wohnen im Alter bzw. Bestand angeboten
Neben Diskussionen und der Besichtigung von sanierten sowie noch zu sanierenden Objekten wurden beim „Tag der Innenentwicklung“ in Kooperation mit der „Kammer der Architekten“ und der „KVW Arche“ erstmalig kostenlose Informationen und Erstberatungen angeboten. Dazu standen sowohl Architekten als auch ein Berater der Arche bereit, die interessierten Bürgern Fördermöglichkeiten und Informationen hinsichtlich Sanierungen, Wohnen im Alter und Wohnen im Bestand aufzeigten.
Die Veranstaltung in Glurns war der Auftakt zu weiteren „Tagen der Innenentwicklung“. Die nächste Veranstaltung ist schon am 5. Oktober ab 17 Uhr in Truden.
Das Leerstandsmanagement ist auch im speziellen Interesse der Landwirtschaft. Denn so kann wertvoller Grund gespart werden. Bei den verbauten Flächen im Grünen handelt es sich meist um landwirtschaftliche Flächen, die für die Lebensmittelproduktion gebraucht werden.
Für interessierte Gemeinde steht die Plattform Land (www.plattformland.org) als Ansprechpartner bereit, um gemeinsam das Leerstandsmanagement umzusetzen.