Bauernbund, Politik | 03.10.2018

Große Chance für Produzenten

Der Südtiroler Bauernbund freut sich über die Initiative der Landesregierung: Sie will regionalen und nachhaltig angebauten Lebensmitteln den Rücken stärken. Der Bauernbund hat auch klare Ideen, mit denen er zum Erfolg beitragen will. von Guido Steinegger

Leo Tiefenthaler: „Wer die Produktion Südtiroler Lebensmittel unterstützt, stärkt die Pflege unserer Landschaft.“ (Foto: Frieder Blickle)

Leo Tiefenthaler: „Wer die Produktion Südtiroler Lebensmittel unterstützt, stärkt die Pflege unserer Landschaft.“ (Foto: Frieder Blickle)

Als „sehr positiv“ bewertet der Südtiroler Bauernbund den Vorstoß der Landesregierung, ein Pilotprojekt für regionale und nachhaltig angebaute Lebensmitteln ins Leben zu rufen. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler hält die Produktion lokaler Lebensmittel für eine der großen Chancen nicht nur der heimischen Landwirtschaft, sondern für ganz Südtirol: „Wer die Produktion Südtiroler Lebensmittel unterstützt, stärkt die Pflege unserer Landschaft, die regionale Produktvielfalt, die Verwurzelung der Verbraucher mit unserem Land und ihren Bauern sowie über die lokalen Kreisläufe die gesamte heimische Wirtschaft.“ Der Bauernbund freut sich, dass sich die Landesregierung in dieser Zielsetzung so klar positioniert und alle Möglichkeiten ausschöpfen will, die sich auf EU-Ebene bieten. Die Initiative der Landesregierung sei „sehr willkommen.“

Bauernbund unterstützt Projekt gerne
Laut eigener Aussendung wird die Landesregierung die Landes-Marketinggesellschaft IDM mit einem Pilotprojekt beauftragen und lädt die Sozialpartner – u. a. auch den Bauernbund – zur Beteiligung ein. „Wir freuen uns darauf, das Projekt aktiv zu unterstützen“, sagt Tiefenthaler und sieht auch „einige gemeinsame Hausaufgaben auf uns zukommen.“

Erfolg messbar machen: Zum einen müsse der Erfolg messbar sein: „Wir brauchen einheitliche und verlässliche Zahlen über die produzierten und verkauften Lebensmittel in den verschiedenen Teilsektoren“, sagt der Bauernbund-Obmann. Diese Zahlen könnte man nun erheben, um später nachweisen zu können, ob Produktion und Verbrauch heimischer Lebensmittel gestiegen sind.

Es den Verbrauchern leicht machen: Ein Ziel des Projektes müsse es sein, den Verbrauchern den Griff zu den lokalen und fairen Lebensmitteln möglichst leicht zu machen. Dazu braucht es höchste Transparenz, sprich Standards. Diese dürfen die Verbraucher nicht allzu viel kosten und gleichzeitig die Produzenten nicht durch neue Auflagen und Investitionskosten überfordern.

Hersteller unterstützen: Der Bauernbund ist überzeugt, dass der Südtiroler Lebensmittelsektor eine Aufbruchstimmung gut brauchen kann: „Gemeinsam stellen sich alle Beteiligten dem harten Verdrängungskampf, den wir weltweit am Lebensmittelmarkt beobachten“, sagt Tiefenthaler und hofft auf neue Impulse und Chancen auch für bäuerliche Hersteller und Vermarkter: Deutlich auszubauen seien hier Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung und eine solide Beratung. Die Förderung der hohen Investitionskosten in diesem Bereich muss zumindest beibehalten werden.

Bei Label auf Bestehendem aufbauen: „Wir müssen auch darauf achten, dass wir nicht durch neue Labels oder Plattformen mehr Verwirrung als Klarheit schaffen“, warnt Tiefenthaler: Ein neues Label müsse daher alle beteiligten Branchen und ihre bestehenden Labels einbinden und von ihnen angenommen werden – auf Bauernseite ebenso wie zum Beispiel im Handel und der Gastronomie.

Vergabe öffentliche Aufträge
Besonders erfreut ist der Bauernbund, dass die Landesregierung auch bei der Vergabe in öffentlichen Einrichtungen mitdenkt: In Kindergärten und Schulen, Seniorenwohnheimen und Krankenhäusern sieht Tiefenthaler „noch Luft nach oben.“ Das Landesprojekt könne auch hier einen neuen Schub bringen.

Zeichen der Wertschätzung

Eines ist laut Bauernbund-Obmann Tiefenthaler klar: „Jeder Bauer sieht sich in erster Linie als Hersteller von Lebensmitteln und hofft, damit den Großteil seines Einkommens zu erwirtschaften. Wer ihm Produkte abkauft, bringt ihm die höchstmögliche Wertschätzung entgegen.“ Insofern seien Südtirols Bauern jedem dankbar, der zu ihren Produkten steht – von den einzelnen Verbrauchern bis zur Landesregierung.