Südtiroler Landwirt, Marketing | 27.09.2018

UaB macht Bäuerinnen stark

Meist ist es die Bäuerin, die für den Urlaub auf dem Bauernhof zuständig ist. Für sie bedeutet das zwar eine höhere Belastung, aber auch mehr Kontakte und eine bessere Einbindung in die Gesellschaft. Das hat eine Studie der Japanerin Midori Goso ergeben. von Renate Anna Rubner

Bäuerinnen, die UaB anbieten, sind zwar  stärker belastet, aber auch selbstbewusster.

Bäuerinnen, die UaB anbieten, sind zwar stärker belastet, aber auch selbstbewusster.

Ein „Best practice“-Beispiel für den ländlichen Raum suchte die japanische Wissenschaftlerin Midori Goso. Und fand es in Südtirol, als sie sich mit Urlaub auf dem Bauernhof und der Marke „Roter Hahn“ auseinandersetzte. Denn auch in Japan gibt es ländliche Gebiete, die stark von Abwanderung und Überalterung betroffen sind, junge Leute wandern ab, Bauernhöfe und Felder verwaisen. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es attraktiver Zuerwerbsmöglichkeiten wie beispielsweise Urlaub auf dem Bauernhof.

UaB ist weiblich
Besonders die Bäuerinnen sind es, die diesen Zuerwerb so erfolgreich machen, das geht aus der Studie hervor, die Midori Goso mit Unterstützung der Marke „Roter Hahn“ unter Südtirols UaB-Betrieben machte: So wurde im Februar dieses Jahres ein Online-Fragebogen mit zehn Fragen an rund 1600 UaB-Betriebe südtirolweit verschickt. 333 wurden ausgefüllt und geben so einen aussagekräftigen Einblick in die Arbeit der Bäuerinnen im Rahmen von UaB. Die Studie zeigt, welche zusätzliche Belastungen auf diese Frauen zukommen, aber auch, wie stark sich durch diesen touristischen Zuerwerb ihre Rolle in der Familie und in der Gesellschaft ändert.
In der Regel ist es nämlich die Aufgabe der Bäuerin, sich um die Anfragen der Gäste, Reservierungen und den Papierkram zu kümmern, sie bewerkstelligen aber auch das Putzen der Zimmer und Wohnungen und kümmern sich um die Feriengäste.

Neue Freunde und Kontakte
Was das soziale Leben der Bäuerinnen mit touristischem Zuerwerb anlangt, zeichnet die Studie ziemlich genau jenes Bild nach, was bereits seit Langem vermutet wird: Ein Großteil der Bäuerinnen, nämlich über 60 Prozent, gibt an, durch Urlaub auf dem Bauernhof neue Freunde gefunden zu haben. Das bedeutet, dass Bäuerinnen gesellschaftlich stärker eingebunden werden, und zwar sowohl innerhalb ihrer Berufsgruppe und innerhalb ihres Wohnortes als auch darüber hinaus. Allerdings steigt auch die Belastung der Bäue­rinnen, sobald Urlaub auf dem Bauernhof angeboten wird. Hilfe von außen holt sich kaum jemand, weshalb das Putzen, Waschen, Einkaufen und Kochen nach wie vor Frauensache bleibt. Lediglich bei der Betreuung der Kinder erhalten viele Frauen Unterstützung, im Regelfall durch ihre Männer.

Mehr Belastung, aber auch mehr Respekt
Das bedeutet, dass die Bäuerinnen, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, zwar eine deutliche Mehrbelastung spüren und auch unter stärkerem wirtschaftlichen Erfolgsdruck stehen, aber gleichzeitig merken, dass ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft eine bessere wird, dass sie stärker wahrgenommen und respektiert werden und dass sie durch diese Aufgabe selbstbewusster geworden sind. Und das macht sie stolz, auf das, was sie leisten, aber auch auf ihren Hof, die Landwirtschaft. Für Midori Goso ist dieser Stolz ein Schlüssel für den Erhalt und die Lebendigkeit des ländlichen Raumes.



LW17_Midori_Goso2

Midori Goso ist Wissenschaftlerin an der Teikyo Universität in Japan und Referentin beim Welt­kongress für UaB, der von 7. bis 9. November in der ­Eurac in Bozen stattfindet.