Produktion, Südtiroler Landwirt | 27.09.2018

Erst rechnen, dann kaufen

Viele Betriebe tragen eine hohe Schuldenlast. Mitverantwortlich dafür ist häufig ein üppiger Maschinenpark. Eigentlich müsste das nicht so sein, denn wenn man eine Anschaffung hinterfragt, lassen sich so manche Kosten einsparen – durch eine überbetriebliche Lösung. von Alexander Alber, BRING

Die Betriebsstruktur in Südtirol ist im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen relativ klein, das Gelände vielfach schwierig zu bearbeiten, und die Landwirte sind auf Spezialgeräte angewiesen. Genau diese Geräte belasten den Betrieb jedoch finanziell nicht selten schwer, die Entscheidung zum Kauf wird emotional und nicht rational getroffen. Bei genauerem Hinschauen ergibt sich, dass sich der Kauf bestimmter Maschinen nicht lohnt und der Landwirt besser daran täte, mit dem Maschinenring oder einem Lohnunternehmen zusammenzuarbeiten.
In der Betriebswirtschaft wird die Entwertung einer Maschine auf ihre geplante Nutzungsdauer bezogen, man spricht von der Abschreibung (AfA – Absetzung für Abnutzung). Hier wiederum unterscheidet man zwischen fixer und variabler Abschreibung, dazwischen befindet sich die Schwelle der variablen Abschreibung. Unter diesem kritischen Punkt liegt eine über die Nutzungsdauer gleichmäßige Wertminderung vor, darüber nimmt die Abnutzung eines Gerätes proportional zur Beanspruchung zu. Ermittelt der Landwirt diese Kennzahlen, wird sehr schnell ersichtlich, ob sich der Kauf einer Maschine lohnt.

Ein konkretes Beispiel
Bauer Luis hat einen Milchbetrieb durchschnittlicher Größe. Er bewirtschaftet sechs Hektar Grünland und möchte sich für die Düngung seiner Wiesen ein Kombi-Güllefass kaufen. Der Landwirt plant, mit dem Gerät mindestens 12.000 Betriebsstunden zu machen und es mindestens 20 Jahre zu verwenden. Der Neupreis liegt bei 15.000 Euro, nach 20 Jahren will er es verkaufen und noch 5000 Euro dafür bekommen.
Es gilt also:
- Anschaffungswert (A): 15.000 Euro;
- Restwert (R): 5000 Euro;
- Nutzungsdauer (N): 20 Jahre;
- Leistungsvorrat (n): 12.000 Betriebsstunden.

Bauer Luis fragt sich, ob es sich bei seinem Vorhaben um eine fixe oder variable Abschreibung handelt, er berechnet die Schwelle der variablen Abschreibung (S):
Der Landwirt weiß, dass er das Fass für etwa drei Betriebsstunden pro Hektar brauchen wird, bei seinen Flächen von sechs Hektar sind das 18 Betriebsstunden im Jahr. Der geplante Maschineneinsatz liegt somit deutlich unter der Schwelle der variablen Abschreibung, der Landwirt bezieht sich auf die Abschreibung nach Zeit, die sogenannte fixe Abschreibung.

Weitere Kosten
Neben der jährlichen Abschreibungsrate kommen noch weitere Kosten, verursacht durch die Maschine, auf den Landwirt zu. Die Unterbringung der Maschine erfolgt in einem alten Schuppen, gäbe es eine Maschinenhalle, müsste dieser Punkt berücksichtigt werden. Ist das Gerät am Traktor angekoppelt, greift dessen Versicherung. Wird es auf dem Betrieb abgestellt, gilt dies nicht. Bauer Luis weiß, dass jährlich Wartungs- und Reparaturkosten anfallen. Das Eigenkapital verzinst er nicht:
- Abschreibung: 500 Euro jährlich;
- Unterbringung: 0 Euro;
- Steuern: 0 Euro;
- Versicherung: 20 Euro jährlich;
- Wartung und Reparatur: 225 Euro jährlich (1,5 Prozent des Anschaffungswertes).

Im Fall von Bauer Luis ergibt sich, dass jährlich 745 Euro durch das Güllefass zu Buche schlagen. Wenn er davon ausgeht, dass das Gerät 18 Betriebsstunden pro Jahr (drei Stunden mal sechs Hektar Fläche) in Verwendung ist, ergeben sich Betriebskosten von ca. 745 Euro pro 18 Betriebsstunden.

LW17_Tabelle BRING

Bauer Luis macht sich dieselbe Rechnung für seinen Traktor. Er schaut sich auch die Preisliste des Südtiroler Maschinenrings an. Dort sieht er, dass ein gezogenes Güllefass 13,50 Euro pro Stunde kostet und dazu noch ein Zuschlag für das Kombifass von 7,90 Euro pro Stunde hinzu kommen (Stand 4.12.2017). Insgesamt kostet ihn das Güllefass somit 21,40 Euro, wenn er mit dem Maschinenring zusammenarbeitet. Für den Traktor ergibt sich ein ähnliches Bild.
Bauer Luis ruft seinen Maschinenhändler an und bestellt das Güllefass ab. Rechnen lohnt sich!