Südtiroler Landwirt | 13.09.2018

„Prämien wären wichtiger Anreiz“

Seit der Gründung des SBB-Arbeitskreises Wald, Holz und Almen ist er dessen Vorsitzender: Der Sarner Franz Locher erzählt über den Zustand des Südtiroler Waldes, über Partnerschaften und den Holzmarkt – und erklärt, was für eine stärkere Nutzung des Waldes notwendig wäre. von Bernhard Christanell

Derzeit können Sägewerke nur ein Drittel ihres Bedarfes mit Südtiroler Holz nutzen – weil nicht mehr geschlägert wird. (Foto: agrarfoto.com)

Derzeit können Sägewerke nur ein Drittel ihres Bedarfes mit Südtiroler Holz nutzen – weil nicht mehr geschlägert wird. (Foto: agrarfoto.com)

Südtiroler Landwirt: Herr Locher, die erste Frage in einem Gespräch gilt immer dem Wohlbefinden – in diesem Fall geht es um jenes des Südtiroler Waldes und seiner Besitzer. Lohnt es sich für sie überhaupt noch, ihren Wald zu bewirtschaften?

Franz Locher: Das hängt ganz davon ab, wo sich der Wald befindet, die Lage ist da sehr unterschiedlich. Recht gut schaut es dort aus, wo es sich um Nadelwälder in mittelmäßig steilem Gelände handelt. Dort funktioniert die Holzbringung ohne große Probleme, und auch die Qualität ist so gut, dass es akzeptab­le Preise gibt. Schwieriger ist es beim Niederwald, wo es viel Laubbäume gibt, hier findet derzeit kaum oder bestenfalls wenig Nutzung statt. Ganz schwierig ist es in steilem und felsigem Gelände. Hier ist die Holzbringung von Natur aus schon sehr schwierig – und solange es für die Waldbesitzer kaum Anreize gibt, gehen sie in solche Wälder verständlicherweise auch gar nicht hinein ...

Was wären konkret solche Anreize?

Es geht in erster Linie – wie so oft – um das Thema Geld. Das Thema der Nutzungsprämien ist einer der Schwerpunkte, mit denen wir uns im Arbeitskreis Wald, Holz und Almen beschäftigen. In solch extrem gelegenen Gebieten ist eine gemeinschaftliche Holzbringung unausweichlich. Doch auch wenn sich mehrere Waldbesitzer zusammentun und beispielsweise das Holz mithilfe einer Seilbahn aus dem Wald herausholen wollen, ist das nach wie vor sehr aufwendig – und daher auch sehr teuer.
Ohne die Nutzungsprämie als finanziellen Anreiz zahlt sich eine Holzbringung in einem solchen Gelände niemals aus. Leider gibt es diese Prämien jedoch zurzeit nur auf dem Papier, bei den Bauern sind sie noch nicht angekommen ...

Das müssen Sie uns jetzt aber genauer erklären ...
Im ländlichen Entwicklungsplan des Landes Südtirol für die laufende EU-Förderperiode 2014–2019 wären Nutzungsprämien ja vorgesehen, die so auch von den zuständigen Stellen in Brüssel genehmigt wurden. Leider wurden diese nur für die Schadholz-Prämien und Entrümpelung ausbezahlt. Dabei kennen wir genügend Beispiele dafür, dass sich die Auszahlung einer Nutzungsprämie direkt auf die Nutzung des Waldes auswirkt ...

Wenn sich ein Waldbesitzer dennoch dafür entscheidet, seinen Wald zu nutzen, dann hat er mit mehreren Abnehmern zu tun. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Sägewerken und den Heizwerken?
Hier hat sich – in beiden Fällen – in den vergangenen Jahren vieles gebessert. Bei den Heizwerken hat die Vereinbarung, laut der ein bestimmter Fixpreis für das gelieferte Material garantiert wird, viel Positives bewirkt. Auch mit den Sägewerken funktioniert die Zusammenarbeit recht gut. Grundsätzlich ist das Problem in Südtirol, dass nur ein Drittel vom Zuwachs geschlägert wird. Natürlich könnte der Preis, den die Bauern für ihr Holz bekommen, auch noch ein wenig besser sein. Der wichtigste Anreiz für eine stärkere Nutzung des Waldes wäre aber – wie schon gesagt – die Nutzungsprämie. Dieses Geld muss bei den Waldbesitzern ankommen, dann steigt auch die Motivation, aus dem eigenen Wald etwas herauszuholen.

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In den vergangenen Jahren gab es in Südtirol mehrere Initiativen zur Förderung des Holzsektors – wir denken an die Plattform „ProRamus“ oder die Holzcharta. Was haben diese Initiativen gebracht?
Jeder Schritt ist wichtig und Teil eines langen Prozesses. Wie beim Wald geht auch bei solchen Initiativen nicht alles von heute auf morgen. Ich bin zuversichtlich, dass da­raus etwas Positives für die Waldbesitzer entstehen kann. Oft ist der Wille erkennbar, bei der Umsetzung hapert es aber ...

Weil sich die guten Ideen nicht in konkrete Maßnahmen umsetzen lassen ...?
Zum Teil stimmt das leider. Nehmen wir als Beispiel das Vergabewesen. Es ist schön und gut, wenn man Ideenwettbewerbe macht und die Nutzung von heimischem Holz vorsieht. Derzeit bieten die Ausschreibungen aber kaum die konkrete Möglichkeit, einheimisches Holz zu kaufen.

Wie sieht es eigentlich mit dem Holzhandel aus? Hier den Überblick zu behalten, ist ja mitunter etwas schwierig ...
Beim Holzhandel läuft bei uns sehr viel über die Privatwirtschaft, und da können die erzielten Preise natürlich sehr stark variieren. Alles hängt von Angebot und Nachfrage ab – und oft auch von Modeerscheinungen: Seit Jahren ist etwa Zirbenholz hoch im Kurs, weil es mehrere Studien gibt, die nachweisen, dass es besonders gesund ist, in einem Bett aus Zirbenholz zu schlafen. Auch Lärchenholz findet guten Absatz, schwierig ist es traditio-nell mit dem Standardholz Fichte. In der Forstwirtschaft kann man leider nicht so schnell auf Marktentwicklungen reagieren wie in anderen Sektoren. Wer in seinem Wald viele Zirben und Lärchen hat, hat zurzeit einfach auch Glück ...

Kommen wir zu einem ganz anderen Thema – der verstärkten Freizeitnutzung des Waldes. Was ist hier zu tun, um die Interessen der Grundeigentümer zu sichern?
Die einzige Lösung ist es, klar definierte Wander- und vor allem Radrouten auszuweisen. Viele Gebiete sind total überlaufen, auch im Winter, wo vor allem auch das Wild seine Ruhe bräuchte. Im Wald kann sich einfach nicht jeder frei bewegen. Die Gemeinden haben nun ja die Möglichkeit, einzelne Wege für die Freizeitnutzung zu sperren. Diese Möglichkeit müssen sie jetzt auch nutzen.

Zum Abschluss noch eine Frage zum Arbeitskreis Wald, Holz und Almen, dem Sie ja seit fast zwei Jahrzehnten vorstehen. Auf welche drei Ziele, die Sie erreicht haben, sind Sie besonders stolz?
Wir haben einige Erfolge vorzuweisen: Einmal ist hier die schon genannte Rahmenvereinbarung mit den Heizwerken zu nennen, die für Biomasse einen angemessenen Preis garantiert. Dann haben wir es geschafft, den Architekten im Land den Wert des heimischen Holzes klarzumachen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt. Und dann sind wir auch stolz darauf, dass wir als Arbeitskreis zum Wald und Holz vor einigen Jahren auch die Almen dazubekommen haben. Das  heißt für mich, dass man uns schon etwas zutraut und wir unsere Arbeit ganz gut gemacht haben.