Südtiroler Landwirt | 13.09.2018

E-Autos: Eine echte Alternative?

Vier Tage lang erhielten 61 Betriebe und Unternehmen testweise ein Elektroauto. Darunter auch vier Bauern. Was sie überzeugt und was noch zu verbessern wäre, erklärt dieser Beitrag. von Lena Schweigkofler

Tanken an der Elektroladestation erfordert Geduld, kostet aber weniger.

Tanken an der Elektroladestation erfordert Geduld, kostet aber weniger.

 „Es war ein super Fahrgefühl. Wir alle waren positiv überrascht“, berichtet Nikolaus Gamper aus St. Pankraz im Ultental. Er und drei weitere Landwirte haben an den e-Test-Days der Initiative Green Mobility des Landesressorts Mobiliät teilgenommen.  

Förderung und Steuervorteil
Laut Green-Mobility-Bereichsleiter Harald Reiterer wurden möglichst viele Branchen und auch die Bezirke bei der Auswahl der Betriebe berücksichtigt. Aus 670 Bewerbern wurden 61 Betriebe ausgewählt. Von Juli bis August bekamen sie für je vier Tage E-Autos zum Testen. Vertreten waren 20 verschiedene Hersteller wie BMW, VW und Renault.
E-Fahrzeuge kosten in der Anschaffung mehr. Daher gibt es in Südtirol eine Förderung für den Erwerb von E-Fahrzeugen und deren Ladestationen. Die Kaufprämie eines reinen Elektroautos – also ohne Hybridantrieb – beträgt 4000 Euro.
Und die Folgekosten dürften deutlich geringer ausfallen: Bei der Steuer gibt es Erleichterungen, für die Versicherung zahlt man weniger, und im Vergleich zum Verbrennungsmotor entfallen viele Wartungskosten (s. Grafik auf Folgeseite). Auto Brenner hat diese berechnet. Demnach ist ein Elektroauto mit einer Lebenszeit von acht Jahren im Endeffekt um einiges günstiger als ein herkömmliches Verbrennungsauto.

Nicht nur Vorteile
Dennoch sehen die bäuerlichen Tester nicht nur Vorteile. So glaubt Alois Treibenreif aus Lengstein am Ritten, dass sich das E-Auto eher für die Stadt eignet als für Bergregionen: „Es ist das ideale Stadtauto. Macht keinen Lärm, macht keine Abgase, hat einen sehr geringen Verbrauch.“ Als Nachteile nennt er das langsame Laden und die geringe Reichweite, aber auch den hohen Anschaffungspreis. „Bei einem Familienausflug von 250 Kilometer mussten wir an einer öffentlichen Ladestation anhalten, obwohl der Akku noch nicht leer war. Nach einer halben Stunde hatten wir nur 40 Kilometer Reichweite dazugewonnen.“
Die Zeit bis zur Vollladung beträgt laut Hersteller des e-Golfs 45 Minuten. Weite und steile Strecken kann man nicht ohne Weiteres bewältigen. Auch auf der Autobahn muss man sein Fahrverhalten anpassen: Fahren mit Spitzengeschwindigkeit – bei Treibenreifs Testauto rund 130 Stundenkilometer – verbraucht zu viel Energie und verkürzt dadurch die Reichweite. Aber auf der Autobahn nur mit 80–90 Stundenkilometer zu fahren, hält Treibenreif aus Sicherheitsgründen für nicht ratsam. Bei längeren Strecken müsse man Ladepausen einplanen und sich außerdem im Voraus informieren, wo und ob es überhaupt E-Ladestationen gibt.
Andererseits sind beide Tester davon überzeugt, dass die Wirtschaftlichkeit wesentlich besser ist als das Tanken an der Zapfsäule – besonders mit einer eigenen Fotovoltaik­anlage: Denn nicht nur Steuer und Versicherung sind günstiger, auch der Kraftstoffpreis schlägt bei Elektroautos positiv zu Buche. So zahlt der Besitzer laut den Tests des Deutschen Öko-Instituts e. V. für E-Autos nur rund 40 Prozent der Kraftstoffkosten eines herkömmlichen Verbrennungsautos (s. Tabelle).

LW18-16_Grafik E-Autos


Lärmbelastung deutlich reduziert
Ob es wirklich ratsam ist, in den Bergen ein Elektroauto zu kaufen, ist sich Treibenreif nicht sicher. Er sieht die Lösung darin, das E-Auto als Zweitwagen für alltägliche Besorgungen wie Einkaufen zu nutzen.
Die Lärmbelästigung könnte auf diese Weise minimiert werden. „Der Wagen macht tatsächlich keine Geräusche. Nur die Reifen hört man noch. Aber beim Start auf einem Parkplatz gibt es keine lauten Motorengeräusche oder dergleichen“, bestätigt Gamper. Insgesamt sind die beiden Tester der Ansicht: Das E-Auto hat Zukunft, vor allem wenn sich Reichweite und Ladezeit verbessern. „E-Autos sind eine echte Alternative und werden in den nächsten Jahren wohl vermehrt gekauft. Sie bieten eine echte Alternative“, ergänzt Gamper.

Videos und Infos
In Videos erzählen einige Tester über ihre Erfahrungen (http://bit.ly/e_test_days). Auf greenmobility.bz.it finden Sie weitere Infos – auch zu den Förderungen.