Bauernbund | 05.09.2018

„Ich war kurz vor dem Aus“

Jeden Abend versucht Michaela Prister, ihre Schafherde einzupferchen und vor Wolfsangriffen zu schützen. Trotz ihrer Bemühungen hat die engagierte Hirtin von der Schlernalm bislang zehn Schafe und Lämmer durch Wolfsrisse verloren. In einem Video macht die Hirtin deutlich, warum jeder Riss eine emotionale Belastung für sie ist.

Michaela Prister: „Als Mensch baut man eine emotionale Bindung zu den Tieren auf.“

Michaela Prister: „Als Mensch baut man eine emotionale Bindung zu den Tieren auf.“

Michaela Prister hat die ihr anvertrauten Schafe und Lämmersehr sehr ins Herz geschlossen. Knapp 230 Schafe von 20 Bauern, vorwiegend aus Tiers, weiden unter ihrer Obhut im Schlerngebiet. „Als Mensch baut man eine emotionale Bindung zu den Tieren auf“, erklärt die Hirtin. Einige Schafe und Lämmer hat sie besonders liebgewonnen, weil die Tiere von Anfang an sehr zutraulich waren.

Schafe und Lämmer ins Herz geschlossen
Umso schlimmer empfand die Hirtin die zwei Wolfsangriffe, die sich während des heurigen Almsommers ereigneten. Zweimal haben ein oder mehrere Wölfe in der Nacht zugeschlagen und insgesamt zehn Schafe und Lämmer aus der Herde gerissen. Die Überreste fand Prister in den folgenden Tagen. Bei den gerissenen Lämmern war es für sie besonders schlimm, erinnert sich die Hirtin: „Als ich die Überreste eines schwarzen Lammes gefunden habe, das mir gegenüber sehr zutraulich war, da war ich kurz vor dem Aus und habe zu mir gesagt: Nein, Danke.“

„Wolf reißt mehr als er frisst“
Am schlimmsten findet die Hirtin, dass der Wolf so viele Tiere reißt – weit mehr als er zum Fressen braucht. „Er frisst eins, tötet aber fünf, anstatt dass er eines reißt, dieses frisst und fertig!“, erzählt die Hirtin.
Die Wolfsattacken kamen immer nachts bei Regen und Nebel. In der Nacht des zweiten Überfalls war ein heftiges Gewitter und Prister ließ alle Tiere im Freien. „Ich wollte nicht, dass die Schafe irgendwo eingezäunt sind, wo sie der Blitz treffen kann. Dafür hat sie dann der Wolf getroffen“, bedauert die Hirtin.

„Kann nicht alle Tiere einpferchen“
Hinzu kommt, dass Prister nicht alle Schafe abends in den eingezäunten Bereich neben der Hütte eintreiben kann. Dafür ist die Alm zu weitläufig und die Herde zu ungleichartig. „Der Zaun ist nach meiner Ansicht auch kein perfekter Schutz vor dem Wolf“, erklärt die Hirtin. Dennoch versucht sie jeden Abend ihr Bestes, um die Tiere zu schützen.
Doch im August, nach Fertigstellung des Videos, ereignete sich erneut ein Wolfsangriff mit sieben weiteren gerissenen Schafen und Lämmern.

Hier unten das Video auf dem YouTube-Kanal des „Südtiroler Landwirt“. Das Video wurde auch hier auf Facebook veröffentlicht und kann dort gerne geteilt und kommentiert werden