Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 31.08.2018

Generalplan für die Bewässerung

Eigentlich ist Südtirol mit Wasser gesegnet. Lange Trockenzeiten setzten der Landwirtschaft trotzdem zu. Wie sehr das heuer der Fall war, bestätigt eine Umfrage des Bauernbundes unter seinen Ortsgruppen. Sie zeigt aber auch: Zumindest gebietsweise könnte man einiges dagegen tun. von Guido Steinegger

Glücklich, wer genügend Wasser zum Beregnen hatte! Doch vor allem im Grünland hat die Trockenheit heuer vielerorts Schäden verursacht.

Glücklich, wer genügend Wasser zum Beregnen hatte! Doch vor allem im Grünland hat die Trockenheit heuer vielerorts Schäden verursacht.

Auch wenn der Regen Anfang dieser Woche etwas Linderung gebracht hat: Die heurige lange Trockenperiode hat der Landwirtschaft deutlich zugesetzt. Besonders stark getroffen hat es mancherorts die Almen und Wiesen. Der Obst- und Weinbau dagegen konnte sich dank guter Bewässerung weitgehend über die Dürrephase retten. Diese Ergebnisse liefert eine Online-Umfrage des Südtiroler Bauernbundes unter seinen 155 Ortsgruppen. Vom 10. bis 21. August – also noch vor den jüngsten Niederschlägen – haben 84 Ortsgruppen (54 %) daran teilgenommen. Es ist anzunehmen, dass Ortsgruppen mit Ernteschäden häufiger geantwortet haben als nicht betroffene Ortsgruppen. Die Umfrageergebnisse liefern also keine offizielle Schadenserhebung für das gesamte Land. Viele Ortsgruppen betonen deutlich, dass sie die betroffenen Flächen und Ernteeinbußen nur ganz grob schätzen können. Dennoch lässt sich klar erkennen: Die Trockenheit hat vor allem die Bergbauern getroffen.
Insgesamt verzeichnen 60 der 84 teilnehmenden Ortsobmänner (also 70 %) Trockenschäden in ihrem Gebiet und kommen dabei auf betroffene Flächen von knapp 30.000 Hektar. Fast 40 Prozent davon liegen im Bezirk Bozen, gefolgt vom Pustertal (26,5 %), Eisack-/Wipptal (16,9), Vinschgau (10,7), Burggrafenamt (5,8 %) und Unterland (1,0 %).
Ganz deutlich wird das Bild bei der Unterscheidung nach landwirtschaftlichen Kulturen (s. Grafik 1): Auf 16.787 ha Almen und 12.570 ha Wiesen/Grünland sind laut Schätzungen der Ortsobmänner Trockenschäden entstanden. Dabei hat der erste Schnitt noch eine weitgehend gute Erntemenge gebracht. Beim zweiten Schnitt hingegen liegen die geschätzten Einbußen je nach Gebiet zwischen 30 und 100 Prozent, den dritten Schnitt sehen einige Ortsobmänner zumindest in Gefahr. Immer wieder nennen Ortsobmänner auch Schäden bei Maiskulturen. Ähnlich die Situation auf der Alm: Waren einige Almen kaum betroffen, sprechen andere Ortsobmänner von „braunen Flächen". Gebietsweise wird das Vieh wohl rund zehn Tage früher abgetrieben.
Dagegen vermelden die Obst- (5 ha) und Weinbaugebiete (16 ha) kaum Schäden. Bezahlt machen sich hier v. a. die großen Investitionen der vergangenen Jahre in die Tropfberegnung. Allein in einigen Hanglagen gab es mancherorts Wassermangel. Stärker betroffen sind mit 253 Hektar die anderen Sonderkulturen.

Viele Maßnahmen möglich
Gefragt hat der Bauernbund auch nach der Wasserverfügbarkeit für die Beregnung. Die Antwort ist ausgeglichen: 35 Ortsobmänner sehen hier Probleme in ihrem Gebiet, 38 dagegen nicht, 11 Ortsobmänner gaben keine Antwort.
Doch nicht überall ist das Problem gottgegeben: Viele Obmänner sehen durchaus Potenzial, das Wasser besser zu nutzen. Das zeigt die Frage, ob „grundsätzlich Maßnahmen möglich wären, um eine Beregnung sicherzustellen" (s. Grafik 2). Zwar sehen 36 Ortsobmänner keine Möglichkeit – meist wegen zu wenig verfügbarem Wasser, mangelnden Konzessionen oder zu hohen Investitionskosten. Aber immerhin 37 Prozent der Ortsobmänner (31) geben an, dass in ihrem Gebiet eine Bewässerung möglich wäre. Als Hindernis Nummer eins orten sie das verfügbare Restwasser. Das liegt vielfach am trockenen Gebiet, aber sie spüren auch die Konkurrenz der Energiewirtschaft. Entsprechend machen sie unterschiedliche Verbesserungsvorschläge: Viele von ihnen hoffen auf Beregnungsanlagen, mancherorts auch auf Speicherbecken – unterstützt durch die öffentliche Hand. In Trockenzeiten solle es möglich sein, die Restwassermenge zu reduzieren – ganz besonders z. B. bei Bächen, die ohnehin oft austrocknen. Gegenüber der Energiegewinnung muss die Landwirtschaft ihren Vorrang geltend machen – u. a. auch in Verhandlungen mit den großen Stromproduzenten. Auch die Landwirtschaft selbst soll weiterhin beitragen, z. B. durch Wasser sparende Maßnahmen wie die Tropfberegnung. Bauern können auch untereinander das Wasser besser aufteilen. Im Vinschgau z. B. verzichten einige Bauern im Tal auf die Wasserentnahme am Berg und setzen stattdessen auf Tiefbrunnen.
Schließlich regen einige Ortsobmänner auch eine Ernte-Versicherung der Grünlandbetriebe nach Vorbild der geförderten Versicherung im Obst- und Weinbau an. Hier hat es im heurigen Jahr ja erste Versuche mit einigen Modellbetrieben gegeben.
Der Südtiroler Bauernbund geht davon aus, dass die Erfahrungen in ein neues Versicherungsmodell einfließen und dieses 2019 großflächig zur Verfügung stehen kann.

Bauernbund: Es braucht einen Wasser-Generalplan

Die heurige Trockenheit ist kein Einzelfall. Seit Jahren bekommt die Landwirtschaft die Klimaveränderung handfest zu spüren. Ein Signal sind die zunehmenden Dürreperioden – und damit punktueller Wassermangel. Darauf ist aus Sicht des Südtiroler Bauernbundes umfassend zu reagieren: Mit einem Generalplan für die Landwirtschaft. Hier einige wesentliche Punkte:

1.) Vorrang für Landwirtschaft
Im Wassernutzungsplan ist klar festgeschrieben: Erst kommen Trink- und Löschwasser. Danach aber hat die Landwirtschaft Vorrang vor allen anderen Nutzungen. Dies ist klar einzuhalten.

2.) Generalplan für Bewässerung
Die Landwirtschaft braucht einen „Generalplan" für die Bewässerung in ganz Südtirol. Es liegt an der Landwirtschaft selbst, strategisch weitreichende Projekte vorzulegen, um den Wasserverbrauch zu senken und das benötigte Wasser zu sichern. Gefordert sind alle Beteiligten gemeinsam – von den Bauern über die betroffenen Verbände und Institutionen bis zur Politik.

3.) Unterstützung der Politik
Die Politik muss diese Projekte rechtlich und finanziell unterstützen und ermöglichen.

4.) Wasserkonzessionen vorverlegen
Die Vegetationsperiode startet immer früher. Es muss möglich sein, die Wasserkonzessionen zum Schutz gegen Trockenheit und Frost um diese kurzen Zeitspannen vorzuverlegen.

5.) Doppelnutzung erleichtern
Wer mit Wasser gleichzeitig beregnet und Strom gewinnt, erreicht zwei wichtige Ziele gleichzeitig und geht effizient mit der wertvollen Ressource um. Die Genehmigung dieser Nutzung ist daher zu vereinfachen.