Arbeitssicherheit | 03.08.2018

Sicher bei der Erntearbeit

Gerade vor Beginn der Ernte empfiehlt die Stabsstelle Arbeitssicherheit des Südtiroler Bauernbundes, den eigenen Betrieb auf die Erfüllung der wichtigsten Punkte im Bereich Arbeitssicherheit zu kontrollieren.

Hebebühne im Einsatz: Der Betrieb muss auf die Arbeitssicherheit achten.

Hebebühne im Einsatz: Der Betrieb muss auf die Arbeitssicherheit achten.

Jeder Betrieb muss auf die Arbeitssicherheit achten, ganz besonders gilt das für die arbeitsintensive Erntezeit. Folgende wichtige Punkte sind einzuhalten.

Traktoren
Traktoren müssen gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen – ausgenommen für die selbstfahrenden einachsigen Arbeitsmaschinen – benötigt man den Führerschein (Kat. B oder A1 mit Einschränkungen).

Hebebühnen/Obsterntemaschinen
Bei Inbetriebnahme bestimmter Arbeitsgeräte wie Hebebühnen oder Obsterntemaschinen sind diese beim nationalen Unfallinstitut INAIL – Landesdirektion Bozen zu melden. Im Umlauf befindliche Maschinen, die noch nicht gemeldet wurden, müssen umgehend gemeldet werden. Für die erste periodische Überprüfung muss der Arbeitgeber oder Benutzer einen Antrag an das INAIL stellen. Das INAIL hat dann 45 Tage Zeit, um die erste periodische Überprüfung vorzunehmen. 
Für die weiteren periodischen Überprüfungen muss sich der Arbeitgeber oder Benutzer direkt an die befähigten Sachverständigen wenden. Hebebühnen und Obsterntemaschinen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Diese Auslegung hat das Arbeitsinspektorat bestätigt.
Arbeitsmittel dürfen nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Geräte von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es bei der Ernte der Fall sein kann.

Arbeitssicherheit für Arbeitgeber inklusive Kurs
Jeder landwirtschaftliche Arbeitgeber benötigt eine Dienststelle für Arbeitsschutz sowie einen Leiter dieser Dienststelle mit entsprechender Ausbildung. In Landwirtschaftsbetrieben mit bis zu 30 jährlichen Arbeitseinheiten (JAE) kann der Arbeitgeber selbst die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben. Zu diesem Zweck muss er einen eigenen Kurs besuchen (jetzt 32 Stunden, früher 16 Stunden). 
Die Ausbildung ist grundsätzlich vor Übernahme der Funktion als Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz zu absolvieren. Dies gilt auch bei einer Übernahme des Betriebes bzw. bei der Erstanstellung von lohnabhängigen Arbeitnehmern. 
Ebenso kann ein eigener Mitarbeiter oder ein externer Techniker, mit der notwendigen Ausbildung, zum Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz ernannt werden. Diese 32-stündige Ausbildung beinhaltet außerdem nicht die Ausbildung für Brandschutz/Notfallmanagement und Erste-Hilfe.

Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragte
Jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, muss grundsätzlich einen Brandschutz-Beauftragten ernennen und diesen entsprechend ausbilden. Diese Pflicht gilt auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Familienbetriebe sind von dieser Bestimmung nicht betroffen.
Weiters muss jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und diesen entsprechend ausbilden. Diese Pflichten gelten auch, wenn Betriebe nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Zusätzlich sehen die Kontrollkriterien des Zertifizierers Global-GAP (z. B. Obstbau) vor, dass mindestens eine Person mit einer Erste-Hilfe-Schulung anwesend sein muss, wenn im Betrieb landwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden. Damit müssen auch betroffene Familienbetriebe einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und die Aus- und Weiterbildungen besuchen. Die Funktion des Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragten kann der Arbeitgeber selbst, ein im Betrieb mitarbeitendes Familienmitglied oder ein Arbeitnehmer ausüben. Die Bauernbund-Stabsstelle Arbeitssicherheit empfiehlt, auf die Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Koffers bzw. Verbandskastens zu achten und dabei auch das Verfallsdatum zu kontrollieren.

Ausbildung für Arbeitnehmer
Die Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit für Arbeitnehmer ist auch geregelt und wurde auf zwölf Stunden festgelegt. Betroffen sind Taglöhner, die mehr als 50 Tagesschichten pro Betrieb und pro Jahr leisten, Fixarbeiter, Lehrlinge und Angestellte. 
Wird ein Arbeitnehmer eingestellt, so muss er die Ausbildung bei Beginn der Tätigkeit absolviert haben. Wenn dies nicht möglich ist, muss sie innerhalb von 60 Tagen erfolgen. Die Ausbildung der Arbeitnehmer muss während der Arbeitszeit erfolgen und diese dürfen keine Kosten für die Arbeitnehmer zur Folge haben.

Vereinfachte Ausbildung der Arbeitnehmer
Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, die beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, müssen nicht die zwölfstündige Arbeitssicherheitsausbildung, aber eine verkürzte Ausbildung absolvieren. Diese verkürzte Ausbildung muss mit einer eigenen Ausbildungsbroschüre erfolgen. Dabei werden die Arbeiter mit Hilfe der Broschüre in die jeweiligen Erntetätigkeiten eingewiesen, für die sie angestellt wurden. Dasselbe gilt auch für jene Arbeiter, die mit dem Vertrag für Gelegenheitsarbeit beschäftigt werden. Diese Ausbildungsbroschüre steht in den jeweiligen Bezirksbüros des Südtiroler Bauernbundes bei der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne oder auf der Internetseite des Südtiroler Bauernbundes zur Verfügung.

Ausbildung bestimmte Arbeitsmittel
Am 31. Dezember 2017 ist die Bestimmung in Kraft getreten mit der Pflicht eine spezifische Befähigung für bestimmte Arbeitsmittel zu erlangen – u. a. Traktoren, Hebebühnen, Gabelstapler, Bagger usw. Sie gilt für alle betroffenen Arbeitsmittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
Betroffen sind all jene, die diese bestimmten Arbeitsmittel benutzen. Dies können sein: Selbständige, ihre mitarbeitenden Familienmitglieder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Als mitarbeitende Familienmitglieder gelten sowohl jene, die in der Pflichtversicherung in der Landwirtschaft eingeschrieben sind (bauernversichert) als auch die Verwandten und Verschwägerten bis zum vierten Grad, die gelegentlich und unentgeltlich im Betrieb mitarbeiten.
Eine Sonderregelung für die Landwirtschaft: Anwender im landwirtschaftlichen Sektor, die bei In-Kraft-Treten des Abkommens (31.12.2017) nachweislich eine mindestens zweijährige Erfahrung haben, sind von der Erstausbildung für die Benutzung der betroffenen Arbeitsmittel ausgenommen. Sie müssen bis spätestens 31. Dezember 2018 den ersten Auffrischungskurs zu vier Stunden besuchen. Diese Befreiung gilt für alle land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten sowie für jene Tätigkeiten, die laut Art. 2135 ZGB als mit der Landwirtschaft verbundene Tätigkeiten gelten.

Risikobewertung
Arbeitgeber müssen ihre Risiken und Schutzmaßnahmen in Form einer Risikobewertung ausarbeiten. Der Südtiroler Bauernbund hat eine eigene Vorlage zur Risikobewertung (die den Standardprozeduren entspricht) ausgearbeitet und diese steht für die Mitglieder auf der Internetseite des Bauernbundes zur Verfügung. Dort finden sie die gesamte Risikobewertung sowie auch ein Musterbeispiel. Familienbetriebe ohne Arbeitnehmer müssen die Risikobewertung aufgrund der Verpflichtung bezüglich Global-GAP und Agrios vornehmen. Aufrecht bleiben wie bisher die Verpflichtungen bezüglich Global-GAP und Agrios. Diese werden erfüllt, wenn man die Risikobewertung auf der Basis der schriftlichen Vorlage des Südtiroler Bauernbundes vornimmt.
Die Einhaltung der Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit trägt dazu bei, die Ernte sicher einzubringen. 


Übersicht der Fristen
Aus- und Weiterbildungen für bestimmte Arbeitsmittel im Bereich Landwirtschaft

Fall

Art des Kurses

Fälligkeit

Anwender die nach 31. 12. 2017, Arbeitsmittel laut dem Abkommen der Staat-Regionen-Konferenz benutzen.

Grundkurs

Anwender müssen vorher die Erstausbildung für die jeweiligen benutzten Arbeitsmittel absolviert haben.

Anwender, die vor 31. 12. 2017, Arbeitsmittel laut dem Abkommen der Staat-Regionen Konferenz benutzen und keine zweijährige Erfahrung haben.

Grundkurs

Anwender müssen innerhalb 31. 12. 2019 die Erstausbildung für die jeweiligen benutzten Arbeitsmittel absolviert haben.

Anwender mit zweijähriger Erfahrung

Auffrischungskurs

Innerhalb 31. 12. 2018

 


Weitere Informationen, Infoblätter und Formulare/Dokumente finden Sie unter www.sbb.it/service/arbeitssicherheit


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