Arbeitsberatung, Südtiroler Landwirt | 02.08.2018

Arbeiter richtig beschäftigen

Wenn Landwirtschaftsbetriebe Erntehelfer, aber auch andere landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen, werden sie zu Arbeitgebern. Dies ist mit formellen Verpflichtungen verbunden. von Thomas Wieser

Meldungen, Lohnstreifen, Leiharbeit usw.: In der Erntezeit werden viele Bauern zu Arbeitgebern und müssen viele Pflichten einhalten.

Meldungen, Lohnstreifen, Leiharbeit usw.: In der Erntezeit werden viele Bauern zu Arbeitgebern und müssen viele Pflichten einhalten.

Der Arbeitgeber ist für die korrekte Handhabung des Arbeitsverhältnisses verantwortlich. Die Abteilung Arbeitsberatung/Löhne des Südtiroler Bauernbundes hat alle wesentlichen Informationen dazu im folgenden Artikel zusammengetragen.

Erstmals Arbeitgeber
Betriebe, die das erste Mal landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen, müssen vor Beginn der Arbeit beim Nationalen Fürsorgeinstitut NISF/INPS die sogenannte Betriebsmeldung einreichen. Bei dieser Meldung müssen alle Grundstücke und Maschinen des Betriebes mitgeteilt werden. Es handelt sich um eine einmalige Meldung: Sie muss nicht jährlich wiederholt werden. Es besteht allerdings die Verpflichtung, Änderungen wie neue Pachtflächen oder Kulturänderungen laufend mitzuteilen.

Es werden zahlreiche Informationen abgefragt. Daher sollten sich jene Betriebe, die ihre Lohnbuchhaltung über die Abteilung Arbeitsberatung/Löhne des Südtiroler Bauernbundes abwickeln wollen, aus organisatorischen Gründen einige Wochen vor Erntebeginn melden. So kann der Bauernbund gewährleisten, alle Formalitäten fristgerecht zu erledigen.
Auch spätere Änderungen – wie neue Pachtflächen oder der Wegfall von Pachtflächen – müssen den Mitarbeitern der Abteilung mitgeteilt werden, damit sie die Meldung an das Nationale Institut für Sozialfürsorge NISF/INPS aktualisieren können.
Zudem gilt es, die Verpflichtungen im Bereich Arbeitssicherheit einzuhalten. Neue Arbeitgeber müssen die Pflichtkurse besuchen und eine Risikobewertung abfassen.

Arbeiter melden
Die wichtigste Voraussetzung, um spätere Strafen, z. B. für Schwarzarbeit zu vermeiden, ist eine pünktliche Anmeldung der Arbeiter beim Arbeitsamt. Auch die Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft müssen bis spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn beim Amt für Arbeitsmarktbeobachtung gemeldet werden. Der genaue Zeitraum der Beschäftigung der Arbeiter muss unbedingt von der Meldung beim Arbeitsamt abgedeckt sein.
Die Arbeiter kann man entweder selbst von zu Hause aus melden (www.provinz.bz.it/arbeit – ProNotel2) oder man beauftragt die Mitarbeiter der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung damit. Falls der Südtiroler Bauernbund die Meldung vornimmt, müssen ihm alle relevanten Daten der Arbeiter bis spätestens zwei Tage vor Arbeitsbeginn mitgeteilt werden.
Der Arbeitgeber muss eine Kopie der Anmeldung beim Betriebssitz aufliegen haben und eine den Arbeitern aushändigen.

Gemeinschaftliche Anstellung
Bei der gemeinschaftlichen Anstellung können zwei oder mehrere Betriebe zusammen Arbeitnehmer beschäftigen. Voraussetzung ist, dass die Betriebsinhaber bis zum dritten Grad (Nichte/Neffe, Onkel/Tante) verwandt bzw. verschwägert sind. Unter Verschwägerten versteht man dabei die Verwandten des Ehepartners.
Um die gemeinschaftliche Anstellung anwenden zu können, müssen die Betriebe ein Abkommen abschließen, in dem sie festlegen, welcher Betrieb die Verpflichtungen übernimmt. Dieses Abkommen muss dann mit „sicherem Datum“, z. B. per zertifizierter E-Mail (PEC) an den Südtiroler Bauernbund geschickt werden.
Die jeweiligen Arbeitgeber haften solidarisch für die vertraglichen und sozialrechtlichen (Beiträge NISF/INPS) Verpflichtungen. Ein Arbeitnehmer hat somit zwei oder mehrere Arbeitgeber, er bekommt aber nur einen Lohnstreifen auf dem alle gearbeiteten Stunden und der Lohn angeführt sind. Die einzelnen Betriebe müssen jedoch weiterhin die Stunden separat notieren, da sie bei der Meldung an das NISF/INPS separat angeführt werden müssen.

Steuernummer beantragen
Für die Meldungen der Arbeitnehmer benötigt man deren Steuernummer. Viele Arbeiter stammen aus den östlichen EU-Ländern. Daher muss – falls der Arbeiter das erste Mal in Italien arbeitet – die Steuernummer beantragt werden. In diesen Fällen ist es wichtig, früh genug die Namen der Arbeiter zu kennen. Die Steuernummer muss über ein eigenes Formular der Agentur der Einnahmen beantragt werden, das in der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung oder auf der Bauernbund-Internetseite (www.sbb.it) im geschützten Bereich erhältlich ist. Es beinhaltet auch einen Teil, in dem der Arbeiter den Betrieb bevollmächtigt, die Steuernummer zu beantragen. Das Formular wird von den Steuerämtern nur noch akzeptiert, wenn es original unterschrieben ist.
Außerdem sind folgende Dokumente für die Steuernummer nötig: Kopie des Reisepasses; bei Nicht-EU-Bürgern zusätzlich das Original bzw. der Postabriss der Aufenthaltsgenehmigung.
Das Formular liegt auch bei den einzelnen Steuerämtern auf. Es ist jedoch zu empfehlen, bereits mit dem vorausgefüllten Formular auf das Steueramt zu gehen, um längere Wartezeiten zu vermeiden.

Verleih von Arbeitern
Der Verleih von Arbeitern an andere bzw. von anderen Bauern ist gesetzlich verboten. Arbeitet ein Arbeiter bei zwei verschiedenen Arbeitgebern, muss er bei beiden Betrieben gemeldet sein. Außerdem müssen alle Betriebe die Voraussetzungen haben, Arbeiter zu beschäftigen.
Einzige Ausnahme bilden autorisierte Leiharbeitsfirmen, die in ein entsprechendes Album eingetragen sind. Sie dürfen Arbeitnehmer verleihen. In diesem Fall schließt der Betrieb einen Vertrag mit diesen Firmen ab.
Falls Personen den Verleih von Arbeitern anbieten oder anbieten, die Erntearbeiten zu übernehmen, sollte unbedingt überprüft werden, ob die Eintragung in das Verzeichnis der Leiharbeitsfirmen besteht.
Die Bestimmungen in diesem Bereich wurden verschärft. So wird nun auch die systematische Ausnutzung von Arbeitskräften strafrechtlich geahndet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeiter unter dem kollektivvertraglich vereinbarten Lohn bezahlt wird oder wiederholt die Regeln zur Arbeitszeit verletzt werden.

Zahlung des Lohns in bar verboten
Seit 1. Juli müssen alle Lohnzahlungen an die Arbeitnehmer über ein rückverfolgbares Zahlungsmittel erfolgen. Lohnzahlungen in bar sind verboten. Dies gilt auch für eventuelle Vorschüsse auf den Lohn. Ausgenommen sind lediglich die Arbeitsverhältnisse mit Pflegekräften und Haushaltshilfen.

Folgende Zahlungsformen sind zulässig:
- Eine Überweisung an den vom Arbeitnehmer angegebenen IBAN. Der Arbeiter muss dazu ein Konto bei einer Bank bzw. bei der Post haben. Es kann auch ein ausländischer IBAN angegeben werden. Der Arbeiter kann somit sein Konto im Heimatland für die Lohnzahlung verwenden. In diesem Fall ist für die Überweisung zusätzlich der sog. SWIFT Kode nötig. Der Arbeitgeber muss nachweisen können, dass der IBAN vom Arbeiter angegeben wurde. Aus diesem Grund muss der Arbeiter den IBAN dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen (Unterschrift des Arbeiters).
- Ausstellung eines Schecks, der direkt auf den Arbeitnehmer bzw. – falls dies aus nachweislichen Gründen nicht möglich ist – auf eine vom ihm bevollmächtigte Person lautet. Bei den bevollmächtigten Personen muss es sich um den Ehepartner, den zusammenlebenden Partner bzw. einen Verwandten in direkter Linie handeln. Die Person muss älter als 16 Jahre sein. Die Bezahlung des Lohns mittels Scheck wird vor allem in der Erntezeit zu Problemen führen, da das Einlösen des Schecks zeitaufwändig ist. Außerdem ist der Arbeiter an die Öffnungszeiten der Bank gebunden.
- Bezahlung des Lohnes in bar über ein spezielles Konto (conto di tesoreria) mit Vollmacht für die Auszahlung, das der Arbeitgeber bei einer Bank bzw. Post eingerichtet hat. In diesem Fall ist mit der Bank genau zu klären, wie dieses Konto eingerichtet werden kann. Auch diese Zahlungsform wird für die Bank mit hohem Aufwand und somit mit Kosten verbunden sein.
- Mittels anderer elektronischer Bezahlsysteme: Der Gesetzgeber muss hier noch klären, um welche Bezahlsysteme es sich handelt.

Der den Arbeitern überwiesene Lohn muss mit dem Nettolohn auf dem Lohnstreifen übereinstimmen. Es ist darum wichtig, den Lohnstreifen rechtzeitig zu haben und die Stunden früh genug mitzuteilen. Bei Nichteinhaltung der Bestimmung ist eine Verwaltungsstrafe von 1000 bis 5000 Euro vorgesehen.

Online-Dienste verwenden!

Der Südtiroler Bauernbund bietet diverse Online-Dienste an. So können Arbeitgeber die Stunden der Arbeiter über das Portal Stundenmeldung mitteilen. Seit vergangenem Jahr gibt es zudem den neuen Online-Dienst „Arbeitermeldung“. Hier können Betriebe die Daten der Arbeiter an die Abteilung Arbeitsberatung/Löhne übermitteln.
Das Verwenden der Online-Dienste ermöglicht es, den Lohnstreifen nach Abschluss der Stunden schnell zu erhalten: Man kann ihn einfach vom Portal heruntergeladen. Die Ausarbeitung des Lohnstreifens erfolgt durch die Mitarbeiter der Arbeitsberatung zu den üblichen Bürozeiten.
Falls Sie die Online-Dienste noch nicht verwenden, müssen diese freigeschaltet werden. Für genauere Informationen bitten wir Sie, die Mitarbeiter der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne zu kontaktieren.