Arbeitsberatung, Südtiroler Landwirt | 23.07.2018

Kollektivvertrag verabschiedet

Ende Juni ist nach längeren zähen Verhandlungen der Kollektivvertrag der landwirtschaftlichen Arbeiter erneuert worden. Er sieht u. a. Lohnerhöhungen von insgesamt 2,9 Prozent für zwei Jahre vor.

Mit dem neuen Kollektivvertrag können z.B. die Wochenstunden der landwirtschaftlichen Arbeiter flexibler gestaltet werden. (Foto: www.pixabay.com)

Mit dem neuen Kollektivvertrag können z.B. die Wochenstunden der landwirtschaftlichen Arbeiter flexibler gestaltet werden. (Foto: www.pixabay.com)

Die Vorstellungen der Sozialpartner lagen bei den wichtigen Inhalten des überarbeiteten Kollektivvertrages ursprünglich sehr weit auseinander. Die Arbeitgeberseite pochte auf Flexibilität für die Betriebe. Dagegen bestanden die Gewerkschaften auf Einschränkungen bei Werkverträgen, das Recht auf Wiedereinstellung und stellten sich interessanterweise quer, wenn es um die Festlegung eines Mindestlohns ging.
Nach zwei Anläufen und sechs Monaten Verhandlungen konnte man sich Ende Juni nun doch endlich zusammenraufen und den Kollektivvertrag der landwirtschaftlichen Arbeiter verabschieden. Mit dem Abschluss wurde dann auch ein von den Gewerkschaften angekündigter Streikaufruf für den 15. Juli zurückgenommen. Nachdem die Gewerkschaften insgesamt vier Prozent Lohnerhöhung für den Zeitraum von zwei Jahren gefordert hatten, einigte man sich abschließend auf 2,9 Prozent. Der große Zankapfel waren diesmal aber weniger die Lohnerhöhung, sondern vielmehr andere Themenbereiche, die aus Sicht der Arbeitgebervertreter das Arbeiten der Betriebe einschränken würden. 

Sechs Monate verhandelt
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Lohnerhöhung von 1,7 Prozent ab 1. Juli 2018 – diese gilt auch als Ausgleich für das erste Halbjahr 2018.
- Lohnerhöhung von 1,2 Prozent ab 1. April 2019.
- Den Landeskollektivverträgen wurde ein größerer Spielraum gewährt, um die Wochenstunden flexibel zu gestalten.
- Der Anwendungsbereich des Kollektivvertrages wurde auf die Bereiche der Olivenverarbeitung und Hydrokultur ausgedehnt.
- Die Arbeit kann nun nicht mehr nur bei höherer Gewalt, sondern auch mit Bezug auf technische und organisatorische Betriebsbedürfnisse unterbrochen werden.
- Es wurden die Rahmenbedingungen geschaffen, einen territorialen Sicherheitssprecher vorzusehen, sofern man dies auf Landesebene will.
- Auch für die Lehre auf erster und dritter Ebene wurde ein Rahmen geschaffen.
- Die Möglichkeit, Arbeitsprozesse mittels Werkverträgen auszulagern, wurde beibehalten, obwohl die Gewerkschaftsseite massiv deren Einschränkung gefordert hatte.
- Üben Landwirtschaftsbetriebe ihre Tätigkeit in mehreren Provinzen aus, könnten sie mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeistand ein überre­gionales Abkommen abschließen. 

Abschließend ist festzuhalten, dass es den Sozialpartnern gelungen ist, den Kollektivvertrag in einem annehmbaren Zeitraum zu erneuern. Er bewirkt zum einen, dass die Kaufkraft der Arbeitnehmer erhalten bleibt und zum andern den Arbeitgebern Freiräume gewährt werden, betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu treffen und somit Arbeitsplätze zu sichern.