Innovation | 22.06.2018

Crowdfunding-Sieger aus Jenesien

Die SBB-Abteilung Innovation & Energie hat einen Wettbewerb für eine kostenlose Crowdfunding-Kampagne ausgeschrieben. Nun steht der Gewinner fest – ein Bauer mit einer besonderen Vertriebsidee ... von Anna Pfeifer

Stefan Oberkofler hat den Bergbiohof Ausserbrunner übernommen, und er hat viele Ideen, die er gerne umsetzen möchte.

Stefan Oberkofler hat den Bergbiohof Ausserbrunner übernommen, und er hat viele Ideen, die er gerne umsetzen möchte.

Auf den Aufruf der Abteilung Innovation & Energie hin wurden acht Bewerbungen eingereicht. Im Rahmen des EFRE-Projekts RuC²OLA werden zwei Crowdfunding-Kampagnen finanziert, wobei die erste nun an Stefan Oberkofler vom Bergbiohof Ausserbrunner vergeben wurde. Die Bewertung der Ideen, welche von regionalen Nudeln über edle Schokolade bis hin zu einem Apfellehrpfad reichten, nahm eine Fachjury vor.
Crowdfunding ist eine alternative Form der Finanzierung für neue Ideen. Dabei unterstützt eine Vielzahl von Personen mit kleineren Geldbeträgen die Idee eines Unternehmens. In der Summe können so größere Beträge zusammenkommen und die Umsetzung der Idee ermöglichen.

Der Gewinner
Stefan Oberkofler hat im Frühjahr dieses Jahres den Ausserbrunnerhof in Jenesien übernommen. Diesen bewirtschaftet er biologisch und vertreibt sein Obst und Gemüse vorwiegend direkt an den Endkonsumenten. Der 24-Jährige baut sein gesamtes Betriebskonzept auf drei Säulen auf: Lokalität, Fairness und Qualität. Der Bergbiohof Ausserbrunner wurde bis vor wenigen Jahren noch sehr extensiv und im Nebenerwerb bewirtschaftet. Stefan Oberkofler hatte jedoch andere Pläne und hat damit begonnen, unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten biologisch anzubauen. Bereits jetzt ist er in Vollzeit auf seinem Betrieb mit dem Anbau von Erdbeeren, Salaten, Kartoffeln, Marillen, Kräutern, Topinambur und vielem mehr beschäftigt. Ihm ist es besonders wichtig, dass er seine Kunden persönlich kennt, weshalb er auch am 7. Juli einen Tag der offenen Tür veranstaltet.

Innovatives Vertriebskonzept
Stefan setzt auf ein innovatives Vertriebskonzept: Er verkauft seine Frischware vor allem in großen Mengen an Konsumenten und Geschäfte. Dies mag im ersten Moment ungewohnt klingen, aber das Konzept dahinter ist gut durchdacht. Verkauft ein Landwirt seine Produkte in kleinen Mengen an viele verschiedene Konsumenten, bedeutet dies erhebliche Kosten für Logistik und Verpackung sowie viel Arbeitsaufwand. Diese Zusatzkosten umgeht Stefan, indem er hauptsächlich größere Mengen verkauft. So gibt es z. B. Kartoffeln zu 90 Prozent  in 10- oder 15-kg-Säcken. Solche Mengen sind in erster Linie für Großfamilien oder Personen, die eine „Einkaufsgemeinschaft“ bilden, geeignet.
Dieses System bringt für beide Seiten, den Konsumenten und den Produzenten, wesentliche Vorteile. Der Jungbauer kann seine Bioware durch die Kostenersparnis bei Logistik und Vertrieb dem Konsumenten nämlich verbilligt anbieten. Zudem wird die Umwelt geschont, da er seine Produkte nur im näheren Umfeld vertreibt und Verpackungsmaterial einspart.

GAS-Gruppen als Partner
Stefan arbeitet vielfach auch mit den sogenannten GAS-Gruppen (Gruppi di acquisto solidale) zusammen, die in Südtirol immer mehr Anklang finden.
GAS sind Zusammenschlüsse von Personen, die gemeinsam im Großhandel und direkt beim Bauern biologische oder umwelt- und sozialverträgliche Lebensmittel oder andere Gebrauchsgüter einkaufen und unter sich verteilen.
Die Auslieferung der Ware erfolgt zu festgelegten Zeiten an fixen Treffpunkten in der weiteren Umgebung von Jenesien wie Bozen und Ritten. Oberkofler liegt es besonders am Herzen, dass seine Produkte in seiner unmittelbaren Umgebung konsumiert werden. Er erklärt: „Das ist fast so wie früher, als Südtiroler Landwirte noch Lebensmittel für die umliegenden Dörfer produzierten.“

Die Crowdfunding-Idee
Stefan Oberkoflers Ziel ist es, den Hof nachhaltig zu bewirtschaften und mit seiner Familie davon leben zu können. Durch die Crowdfunding-Kampagne möchte er einen Teil der Kosten für den Neubau des Wirtschaftsgebäudes decken und neue Kunden gewinnen.
Jeder, der das Projekt unterstützt, erhält im Gegenzug für seinen finanziellen Beitrag Bioprodukte und Hofführungen vom Ausserbrunnerhof. „Durch die Crowdfunding-Kampagne möchte ich meinem Traum, den Hof für weitere Generationen attraktiv zu machen, ein Stück näherkommen“, betont Oberkofler.

Im Herbst ist es so weit
Über die Sommermonate wird Stefan zusammen mit den Innovationsabteilungen von Bauernbund und lvh an seinem Crowdfunding-Konzept feilen. Außerdem werden Foto- und Videomaterial erstellt, sodass im Herbst die Crowdfunding-Kampagne auf der Seite des lvh veröffentlicht und somit mit dem Sammeln des Geldes begonnen werden kann.

Letzte Chance

Bis zum 20. Juli können sich Betriebe noch für die zweite und letzte kostenlose Crowdfunding-Kampagne im Rahmen des Projekts RuC²OLA bewerben.
Wichtigste Voraussetzung: Es muss sich um einen kleinen oder mittleren Südtiroler Betrieb handeln und die Idee muss sich rund um innovative, regionale Lebensmittel drehen. Es müssen auch schon konkrete Schritte zur Umsetzung der Idee ergriffen worden sein.
Auch diesmal kann ein Unternehmen eine Crowdfunding-Kampagne samt dazugehörigen Dienstleistungen im Wert von ca. 5000 Euro erhalten. Inbegriffen sind die Erstellung von Foto- und Videomaterial, die Nutzung der Open Innovation Plattform des lvh – Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister sowie eine enge Betreuung bei der Umsetzung der Kampagne.

Weitere Informationen und die Anmeldeformulare sind unter http://bit.ly/sbb-crowdfunding oder direkt bei der Abteilung Innovation & Energie (0471 999363; innovation-energie@sbb.it) erhältlich.


Das Projekt RuC²OLA wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ermöglicht.