Produktion, Südtiroler Landwirt | 21.06.2018

Der Glyphosatverzicht

Südtirols Milchhöfe setzen dem Einsatz von Glyphosat ein Ende: Ab 1. Juli dürfen die Milchlieferanten keine Pflanzenschutzmittel mehr verwenden, die den umstrittenen Wirkstoff enthalten. Sennereiverband-Obmann Joachim Reinalter sieht dies als „Akt der Verantwortung“.

Möglichst nachhaltiges Futter für die Kühe: Das Glyphosatverbot ist ein weiterer Schritt der Südtiroler Milchwirtschaft. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Möglichst nachhaltiges Futter für die Kühe: Das Glyphosatverbot ist ein weiterer Schritt der Südtiroler Milchwirtschaft. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Den geringstmöglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat sich die Südtiroler Milchwirtschaft schon seit Jahren auf die Fahnen geschrieben. Nun geht sie noch einen Schritt weiter: Ab 1. Juli verbieten alle Südtiroler Milchhöfe den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln auf allen Futterflächen ihrer Mitglieder. Die Milchhöfe regeln die Sanktionen selbst.
Der Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, Joachim Reinalter, ist überzeugt, dass die Milchwirtschaft damit einen weiteren wichtigen Schritt setzt: „Wir nehmen unsere Verpflichtung zur Nachhaltigkeit ebenso ernst wie die Verantwortung, die wir unseren Kunden, unserem Land, unseren Kindern und unserer Umwelt gegenüber tragen.“

Im Zweifel lieber kein Glyphosat
Zwar habe die EU-Kommission die Zulassung von Glyphosat im Pflanzenschutz um weitere fünf Jahre bis Ende 2022 verlängert. Dennoch sind die Zweifel rund um den Wirkstoff laut Reinalter noch lange nicht aus der Welt geschafft: „Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu wirken. Allein dieser Verdacht ist für uns Grund genug, künftig gänzlich ohne solche Pflanzenschutzmittel auszukommen.“

Verbot auf allen Futterflächen
Auf das Verbot haben sich alle im Sennereiverband zusammengeschlossenen Milchhöfe einhellig geeinigt, auch weil es nahtlos zur bisherigen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie rund um die Südtiroler Milch passt. „Schon seit Jahren haben wir uns dem geringstmöglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf unseren Wiesen und Weiden verschrieben“, sagt der Obmann und nennt als Beispiel die Agrarumweltmaßnahmen: „Schon heute beteiligen sich acht von zehn unserer Bergbauern an diesen EU-Programmen.“ Und diese Programme verbieten die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ohnehin. Demnach ist das Glyphosatverbot laut Reinalter nur ein weiterer konsequenter Schritt und sollte laut Sennereiverband für die Mitglieder kaum ein Problem darstellen, weil es schon bisher nur in Einzelfällen eingesetzt wurde.
Das Verbot gilt ab 1. Juli auf allen Futterflächen, die von Mitgliedern der Südtiroler Milchhöfe bearbeitet werden.

Kundenvertrauen bewahren
Mit dieser Maßnahme will die Milchwirtschaft natürlich auch das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in Südtiroler Milchprodukte stärken, sagt Reinalter: Wir zeigen ihnen, wie sehr uns ihre Gesundheit, die Nachhaltigkeit und der Schutz von Landschaft und Umwelt am Herzen liegen. Schließlich leben wir von ihrem Vertrauen in unsere Produkte, und dieses Vertrauen rechtfertigen wir Tag für Tag.“

Weil Milch von Bergbauernhöfen wegen der hohen Produktionskosten nicht im Preiskampf mit Milch aus Gunstlagen bestehen kann, gehen der Sennereiverband und mit ihm die Milchhöfe seit Jahren konsequent den Weg Richtung Qualität, Gesundheit und Nachhaltigkeit. „In diesen Parametern sind wir der Konkurrenz überlegen. Es sind also Werte, mit denen wir auf dem Markt punkten können“, sagt Joachim Reinalter.
Der Obmann betont zudem, dass Südtirols Milchwirtschaft in den genannten Bereichen stets vorneweg marschiert sei: „Schon 2001 haben wir als erstes Produktionsgebiet überhaupt gänzlich auf gentechnikfreie Fütterung gesetzt – eine Strategie, die mittlerweile von vielen kopiert worden ist.“

Erneut Vorreiter
Mit dem Glyphosatverbot nehme man nun erneut eine Vorreiterrolle ein, erklärte der Obmann des Sennereiverbandes Südtirol: „Wir haben“, sagt Reinalter, „keine Angst vor Veränderungen, sondern wissen, dass sie unsere Chance sind, wenn wir die Milchwirtschaft und damit die Berglandwirtschaft in Südtirol erhalten wollen.“