Bauernbund | 15.06.2018

Villanderer Alm: Bauern sorgen sich vor Wölfen

Mit der von Wölfen ausgehenden Gefahr für die Almbeweidung beschäftigten sich kürzlich die Bauern aus Villanders. Bei einem Lokalaugenschein auf der Villanderer Alm diskutierten sie mit Experten, Politikern und Behörden über Wölfe und Herdenschutz. Das Fazit des Treffens: Ein Patentrezept für den Herdenschutz gibt es nicht. von Tobias Egger

Ist Herdenschutz auf der Villanderer Alm möglich? Darum ging es kürzlich auf der Villanderer Alm.

Ist Herdenschutz auf der Villanderer Alm möglich? Darum ging es kürzlich auf der Villanderer Alm.

Noch wurde kein Wolf auf der Villanderer Alm gesichtet. Für Bauernbund-Ortsobmann Konrad Senn – der das Treffen mit seiner Ortsgruppe organisiert hatte – ist die Präsenz des Raubtieres aber nur eine Frage der Zeit. „Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, bevor es erste Risse gibt“, sagte Senn zu Beginn des Lokalaugenscheins. Von den Experten erwartete sich der Ortsobmann realistische Vorschläge: „Wir wollen wissen, ob es Möglichkeiten zum Schutz unserer Herden gibt und ob diese auf der Villanderer Alm umsetzbar sind.“

„Es ist alles nicht so einfach“
Josef Grasegger vom Landesverband Bayerischer Schafhalter berichtete von den Erfahrungen bayerischer Tierhalter. So habe man auf Almen bei Garmisch-Partenkirchen Schutzhunde eingesetzt, aber nach Zwischenfällen mit Touristen damit aufgehört. In anderen Fällen haben Zäune Wölfe abgehalten, die dann aber die Herde des Nachbarn angriffen.
Für Max Wagenpfeil, Hirtenausbilder und Schafhalter in Bayern, ist die Kombination aus ständiger Behirtung und Nachtpferchen noch der beste Herdenschutz. Allerdings seien dabei viele Hürden zu überwinden. Es gebe es viel zu wenige Hirten, und kleine Herden müssten sich erst an Hütehunde gewöhnen. Zudem bereite das Aufstellen eines Elektrozauns im unebenen Gelände viele Probleme. „Es ist alles nicht so einfach“, lautete das Resümee des Experten.

Derzeit nur Herdenschutz erlaubt
Bauernbund-Vizeobmann Viktor Peintner wies auf die schwierige Situation in Südtirol hin. Bei steilen Almen sei es viel zu gefährlich, die Tiere jeden Abend zurück in den Pferch zu treiben. Peintner unterstrich, dass Südtirol bis auf über 2000 Höhenmeter Kulturlandschaft sei, in der sich Einheimische und Touristen bewegen. „Deshalb sollte Südtirol wolfsfrei sein“, betonte er.
Günther Unterthiner, stellvertretender Abteilungsdirektor für Forstwirtschaft, erklärte, dass es nicht die eine Lösung zum Herdenschutz gebe. „Wir müssen aber nach Möglichkeiten für ein Auskommen suchen, alles andere ist derzeit rechtlich nicht möglich“, erinnerte Unterthiner.

Wolf bedroht Artenvielfalt
Dass man Herdenschutz versuchen müsse, bekräftigte auch Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler: „Nur so können wir später für Wolfsentnahmen argumentieren.“ Die ungehemmte Ausbreitung der Raubtiere bereitet Schuler große Sorgen: „Es gibt über 2000 Wölfe in Italien, die Bestände verdoppeln sich alle acht Jahre. Niemand kann sagen, dass der Wolf eine bedrohte Tierart ist“, sagte der Landesrat. Der uneingeschränkte Wolfsschutz gefährdet laut Schuler nicht nur die Almwirtschaft, sondern auch die Artenvielfalt: „Man riskiert das Auflassen von Weideflächen und somit den massiven Verlust an Artenvielfalt.“

„Wollen keine Zäune auf der Alm“
Verständnis für die Sorgen der Bauern äußerten Bürgermeister Walter Baumgartner und sein Sarner Amtskollege Franz Locher. Markus Brunner vom Tourismusverein Villanders sprach sich gegen Wolfszäune auf der Alm aus: „Villanders lebt vom Tourismus, daher halten wir das Aufstellen von Zäunen für unmöglich.“
Ortsobmann Senn zeigte sich nach dem Lokalaugenschein ernüchtert. Er hofft auf eine Regulierung der Raubtiere, bevor das Problem auf der Villanderer Alm akut wird.
Dass das Thema vielen unter den Nägeln brennt, zeigte die hohe Teilnehmerzahl an dem Treffen. Mit dabei waren neben Bauern und Alminteressentschaftsvertretern aus Villanders und Ritten der Landtagsabgeordnete Sepp Noggler, Amtsdirektor Luigi Spagnolli, Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner, Vertreter der EURAC und der European Wilderness Society. 

Hier berichten weitere Südtiroler Bauern von ihren Erfahrungen mit dem Wolf: