Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Politik | 14.06.2018

Gesetz „Soziale Landwirtschaft“ genehmigt

Am Donnerstag, 14. Juni wurde das Landesgesetz zur Sozialen Landwirtschaft vom Landtag genehmigt. Soziale Dienstleistungen am Bauernhof bieten viele Chancen – für die Gesellschaft, den Betrieb und den ländlichen Raum.

Der Bauernhof als Bildungs-, Gesundheits-, Arbeits-  oder Erholungsort steht im Mittelpunkt des neuen Gesetzes.

Der Bauernhof als Bildungs-, Gesundheits-, Arbeits- oder Erholungsort steht im Mittelpunkt des neuen Gesetzes.

Bereits seit über zehn Jahren beschäftigt sich die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) mit dem Thema der Sozialen Landwirtschaft. 2006 wurde die Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen-wachsen-leben“ gegründet, um die Kinderbetreuung am Bauernhof anzubieten. Mittlerweile ist die Soziale Landwirtschaft für die SBO zu einem zentralen Auftrag geworden. Schule am Bauernhof, Kinder- und Seniorenbetreuung oder die Wissensvermittlung von bäuerlichem Wissen können bereits auf eine erfolgreiche Geschichte blicken. Nun beginnt ein neues Kapitel, ist Landesbäuerin Erschbamer überzeugt: „Soziale Dienstleistungen auf dem Bauernhof schaffen einen Mehrwert: ein mehr an Wohlbefinden, ein mehr an Unterstützung. Sie fügen sich ein in ein Netz, in dem es schon vieles gibt. Und wo noch viel mehr gebraucht wird.“

Neue Möglichkeiten für vielseitige Bäuerinnen
Der Bauernhof mit seinen Menschen, seinen Tieren und Pflanzen kann Bildungs-, Gesundheits-, Arbeits- oder Erholungsort für Menschen in besonderen Situationen sein. „Wir Bäuerinnen spielen dabei eine zentrale Rolle. Vor allem für Frauen, die bereits aus sozialen Berufen kommen, können sich hier neue Möglichkeiten auftun. Es ist Aufgabe unserer Organisation, Bäuerinnen in ihrer Vielfältigkeit zu stärken. Und soziale Dienstleistungen sind ein Baustein davon“, unterstreicht Erschbamer.

Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft
Soziale Landwirtschaft ist ein Gewinn für alle: für die betroffenen Personen, die aus einem zusätzlichen Angebot auswählen können, für den bäuerlichen Betrieb, für den sich neue Möglichkeiten eröffnen und für den ländlichen Raum, der dadurch erhalten und lebendig bleibt. „Soziale Landwirtschaft ist zudem eine zusätzliche Brücke zwischen der Landwirtschaft und der Gesellschaft“, ist die Landesbäuerin überzeugt.
Ein funktionierendes Netzwerk von Partnern aus Sozial-, Bildungs- und Landwirtschaftspolitik sei dabei unerlässlich. „Dieses neue Angebot kann nur durch ein Miteinander auf Augenhöhe gelingen kann. Ich wünsche uns eine Vision, ein Ziel, den Mut und die Ausdauer, um aus der Sozialen Landwirtschaft eine Chance für viele Menschen zu machen“, betont die Landesbäuerin.

Erschbamer_Kuenzer


Hochgruber Kuenzer: Erstes Ziel erreicht

Die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer sieht das Gesetz als „Grundstein dafür,  dass es für die Bevölkerung des Landes neue soziale Angebote geben kann“. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen und Personen, die vorübergehend eine Ortientierungshilfe brauchen, können in Zukunft neue Möglichkeiten in Anspruch nehmen, die Bäuerinnen und Bauern am Hof anbieten werden. Vorausgesetzt sei deren soziales Engagement und Know-how.
Maria Hochgruber Kuenzer war mit der Leitung der Arbeitsgruppe beauftragt worden, die seit zwei Jahren das Gesetz ausformuliert hat.

Fachbeirat ernennen und Ausbildungen festlegen
„Für Südtirol gilt es nun, den Fachbeirat zu ernennen, der die Ausbildungen in den einzelnen Bereichen festlegt“, blickt Hochgruber Kuenzer nach vorne. Das seien die Voraussetzungen dafür, damit die Durchführungsbestimmungen für das Gesetz Soziale Landwirtschaft gemacht werden können. „Die Ausbildungen werden von guter Qualität sein, denn niemandem wäre geholfen, wenn das Angebot am Bauernhof nicht angemessen wäre“, beruhigt die Landtagsabgeordnete die zuletzt hörbaren kritischen Stimmen. Hochgruber Kuenzer kennt als Gründerin und Präsidentin der Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen wachsen leben“ die Tätigkeiten von Tagesmüttern und Seniorenbetreuerinnen am Hof von der Pieke auf: „Auch alle anderen Bereiche sollen dasselbe Betreuungsniveau erreichen wie die Tagesmütter und die Seniorenbetreuung. Dafür werden vom Fachbeirat Expertinnen und Experten zur Beratung in den einzelnen Bereichen hinzugezogen“, versichert die Abgeordnete.

Im Bereich Arbeitsintegration, für den es bisher noch gar keine eigene Ausbildung gibt, „werden wir eine eigene entwickeln.“ Alle Ausbildungen können in Zukunft von den Fachschulen für Land- und Hauswirtschaft in ganz Südtirol angeboten werden.
Durch das Gesetz wird die Bildung neuer Sozialgenossenschaften angeregt, die zusammen mit landwirtschaftlichen Betrieben soziale Angebote an die vom Gesetz angesprochenen Zielgruppen einrichten können. „Aber auch bestehende Sozialunternehmen können Kooperationen mit Bäuerinnen und Bauern eingehen“, erinnert Hochgruber Kuenzer.