Südtiroler Landwirt | 07.06.2018

Sprung ins elektronische Zeitalter

Ab nächstem Jahr gilt voraussichtlich die Pflicht, alle Rechnungen elektronisch auszustellen. Erste Schritte in die Richtung der elektronischen Fakturierung erfolgen schon im heurigen Sommer. Der Südtiroler Bauernbund arbeitet an einer ganzheitlichen Lösung für die Mitglieder. von Josef Haller

So könnte die neue Anwendungssoftware „Mein SBB“ aussehen. Ab Herbst bietet sie den Bauernbund-Mitgliedern vielfälte Hilfe über's Internet.

So könnte die neue Anwendungssoftware „Mein SBB“ aussehen. Ab Herbst bietet sie den Bauernbund-Mitgliedern vielfälte Hilfe über's Internet.

Der Gesetzgeber macht Ernst. Er will auf die elektronische Rechnungslegung umstellen. Der Empfang der Eingangsrechnungen erfolgt dann ebenfalls auf elektronischem Wege. Auch die Verwaltung macht Druck, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Bauernbund: Lösung für Mitglieder
Für seine Mitglieder arbeitet der Südtiroler Bauernbund mit einer eigenen Anwendungssoftware an einer ganzheitlichen Lösung: Sie sieht das Ausstellen, die Versendung, den Empfang und die Archivierung aller Rechnungen vor. Diese Lösung wird termingerecht fertig sein.

Schon im Juli erste Schritte
Doch der Reihe nach: Schon ab Juli sollte mit Treibstoffankäufen begonnen werden, um dann ab Jahresbeginn 2019 die Pflicht auf alle Umsätze auszudehnen. Betroffen sind auch alle registerführenden Landwirtschaftsbetriebe. Die Rechnungslegung erfolgt damit digital, über einen vorgegebenen elektronischen Weg. Der Rechnungsempfänger erhält die Rechnung direkt in seiner Software oder mittels PEC-Mailadresse.
Italien hat für dieses Vorhaben schon grünes Licht vom Europäischen Rat (EU 2018/593) erhalten und es ist derzeit nicht anzunehmen, dass die neue italienische Regierung diesen eingeschlagenen Weg verlässt.

SBB-App in Vorbereitung
Der Südtiroler Bauernbund sucht für seine Mitglieder nach einer ganzheitlichen Lösung. Er bereitet derzeit eine entsprechende Anwendungssoftware (sog. App) mit dem Namen „Mein SBB“ vor. Ebenso arbeitet er daran, den bewährten „Rechnungsaustausch“ mit Genossenschaften und Verbänden aufrechtzuerhalten. „Mein SBB“ wird ab Herbst 2018 zur Verfügung stehen.
Will der Bauer zukünftig eine Rechnung ausstellen, ruft er die Anwendung auf, sucht den Kunden aus der Liste aus, wählt das Produkt oder die Leistung aus und gibt den Betrag ein. Die Rechnung ist erstellt und kann per Knopfdruck gesendet werden. Eine eigene Kopie wird automatisch digital abgelegt und kann jederzeit aufgerufen und auch ausgedruckt werden.

Mehrere Möglichkeiten
Um den Verpflichtungen der elektronischen Fakturierung nachzukommen, werden jene Bauernbund-Mitglieder, die beim Bauernbund die Mehrwertsteuer-Registerführung in Anspruch nehmen, in Zukunft zwischen mehreren Möglichkeiten auswählen können – je nach Ausstattung und technischen Fähigkeiten:
Sie nutzen das Modul für die Rechnungslegung in der neuen Anwendung „Mein SBB“ (über ihren Computer, Tablet oder Smartphone) und können dort Rechnungen ausstellen und versenden. Ebenso werden sie dort den vollständigen Überblick über Rechnungen und Buchhaltung haben.
Sofern sie wünschen, erhalten größere Betriebe eine Schnittstelle und können die ausgestellten und erhaltenen Rechnungen über diese Schnittstelle weitergeben. Wer zum Ausstellen von Rechnungen bisher einfache Anwendungen benutzt hat (Word, Excel …), kann diese durch das Rechnungslegungsmodul ersetzen.
Wer nicht in der Lage ist, eine Rechnung auszustellen, dem werden die Mitarbeiter des Südtiroler Bauernbundes weiterhin behilflich sein, Ausgangsrechnungen auszustellen. Alle Eingangsrechnungen (Futtermittel, Pflanzenschutzmittel Gebrauchsmaterial …) werden automatisiert für die Verbuchung zur Verfügung stehen. Das einzelne Mitglied kann diese jederzeit in einer lesbaren Form über „Mein SBB“ abrufen und auch ausdrucken.

Start mit Treibstoffen ab 1. Juli
Wird der Termin nicht in letzter Minute aufgeschoben, wird ab 1. Juli 2018 die Treibstoffkarte abgeschafft und es muss eine elektronische Rechnung ausgestellt werden. Außerdem ist der Kauf von Treibstoff mit rückverfolgbaren Zahlungsmitteln (z. B. Banküberweisung, Kreditkarte, Bancomat) vorzunehmen. Andernfalls darf die Mehrwertsteuer nicht abgezogen werden und diese Ausgaben dürfen nicht als Spesen für die Einkommenssteuern und IRAP geltend gemacht werden. Die elektronische Rechnung ist notwendig für den Kauf von Treibstoff für motorbetriebene Fahrzeuge – nicht hingegen für anderen Kraftstoff wie für Aggregate, Heizungen, Werkzeuge oder Gartengeräte.
Für Landwirtschaftsbetriebe ist diesbezüglich besonders an den Ankauf von landwirtschaftlichem Treibstoff zu denken.

Einschulungen zum Jahreswechsel
Die Software „Mein SBB“ wird im Herbst verfügbar sein. Ab diesem Zeitpunkt können Betriebe die Anwendung testen, ob sie damit zurechtkommen. Der Bauernbund wird umfangreiche Schulungen und natürlich Hilfe und Unterstützung durch seine Mitarbeiter geben. Ziel ist eine anwenderfreundliche, einfache, selbsterklärende Software  zum Ausstellen von Rechnungen. Ebenso wird der Bauernbund sicherstellen, dass die Übermittlung einer Rechnung nicht teurer wird als der Versand derselben per Post.

Volle Unterstützung für Mitglieder
Trotzdem ist zu betonen, dass sich Italien mit dieser Verpflichtung auf einen ehrgeizigen Weg ins Digitalisierungszeitalter begibt. Die Umstellung darauf kann und sollte nicht unterschätzt werden. Die Landwirtschaftsbetriebe werden dazu die völlige und uneingeschränkte Unterstützung der Bauernbund-Mitarbeiter haben, damit die Einführung der elektronischen Fakturierung für die Landwirtschaftsbetriebe gelingt. Der „Südtiroler Landwirt“ wird über die weiteren Entwicklungen berichten.