Produktion, Südtiroler Landwirt | 07.06.2018

Qualität muss die Strategie sein

Um die Südtiroler Milchwirtschaft nachhaltig und damit zukunftstauglich zu gestalten, führt der Sennereiverband über die Genossenschaften die flächenbezogene Milchproduktion ein. Was sich dadurch konkret ändert, wurde kürzlich bei einer Pressekonferenz erklärt.

Die Chance der Südtiroler Milchwirtschaft liegt in der Qualität und in der Nachhaltigkeit.

Die Chance der Südtiroler Milchwirtschaft liegt in der Qualität und in der Nachhaltigkeit.

Ein gesunder Lebensraum ist für alle wichtig. Nicht nachhaltige Entwicklungen wie z.B. hohe Nährstoffüberschüsse und der Rückgang der Artenvielfalt in intensiv genutzten Land(wirt)schaften werden von immer mehr Konsumenten deshalb besonders kritisch hinterfragt.
Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes, erklärte vergangene Woche bei einer Pressekonferenz: „Immer mehr Kunden wollen wissen, woher das Produkt kommt und wie es hergestellt wurde. Die Südtiroler Milchprodukte haben auf dem Markt, besonders auf dem italienischen, ein hohes Ansehen. Dadurch kann man auch einen höheren Auszahlungspreis erwirtschaften.“ Dies gelte es zu bewahren, unterstrich der Obmann des Sennereiverbandes.

Tierzahl mit Futterfläche in Einklang bringen
Die zentrale Frage sei also, welche Art Landwirtschaft es braucht, um weiter eine hohe Wertschöpfung erwirtschaften und auf den Rückhalt der Gesellschaft zählen zu können. Die Antwort auf diese Frage sei klar, meinte Reinalter: „Es kann nur eine nachhaltige und flächenbezogene Milchwirtschaft sein, wie sie auch die Konsumenten und der Markt fordern. Der Flächenbezug ist schließlich ein wichtiger Baustein der Nachhaltigkeitsstrategie, die die Südtiroler Milchwirtschaft fährt.“ Das Ziel sei es, die Anzahl der Tiere mit der Futterfläche in Einklang zu bringen.
Die Milchwirtschaft sei sich zudem bewusst, welche Verantwortung sie für Land und Leute und für eine intakte Umwelt trägt. Ein standortangepasster Viehbesatz schone nämlich den in der Berglandwirtschaft begrenzten und kostbaren Boden. Der Flächenbezug setzte damit fort, worum sich Südtirols Bergbauern seit Generationen sorgen.

Billig produzieren können andere besser
„Unsere Milchwirtschaft hat nur eine Chance, wenn sie nachhaltig Qualität produziert“, erklärt Joachim Reinalter weiter. „Qualität muss die Strategie sein, weil die Südtiroler Milchwirtschaft nicht über die Menge konkurrieren kann. Billiger produzieren können andere besser. Und nachhaltig heißt, in allem, was wir tun, dafür zu sorgen, dass künftige Generationen noch über genügend Ressourcen und gesunde Lebensgrundlagen verfügen können.“ Man hoffe, dass auch die Kunden diese Bemühungen und Leistungen entsprechend honorieren.

Klare Regeln
Um diesen neuen Markt- und Umweltanforderungen gerecht zu werden, verpflichten sich die Genossenschaft und ihre Mitglieder zu einer nachhaltigen Produktionsweise, und zwar in dem Sinn, dass sie sich klare Regeln für eine flächenbezogene Milchproduktion geben.
Ausgangspunkt für die Milchproduktion ist dabei das Ausmaß der bearbeiteten Futterfläche. Damit ist eine nachhaltige Milchproduktion eng mit dem bearbeiteten Boden und den Großvieheinheiten (GVE), die darauf gehalten bzw. davon ernährt werden können, gekoppelt. Um dieses Ziel einer nachhaltigen und flächenbezogenen Milchproduktion zu erreichen, fixiert die Genossenschaft Viehbesatz-Obergrenzen für die bewirtschafteten Futterflächen und legt jeweils einen entsprechenden GVE-Besatz pro Hektar fest (siehe Tabelle).

Tabelle Milchproduktion

Die Berechnung des tatsächlichen Viehbesatzes erfolgt als Durchschnittswert für jeweils ein Jahr (vom 1.1. bis zum 31.12.). Als Datengrundlage dient der in der Landesviehdatenbank (Lafis_Vet) eingetragene Viehbestand. Dazu wird der im Bezugszeitraum gehaltene Viehbestand (in GVE) abzüglich des Alpungsbesatzes (in GVE) durch die im betreffenden Zeitraum bewirtschafteten Futterflächen (in Hektar) dividiert.
Als Futterfläche gilt hingegen die im Lafis-Bogen eingetragene Futterfläche. Es gelten aber nur jene Flächen, die laut den Regelungen im Statut der Genossenschaft zum Sammelgebiet zugelassen sind.
Als Stichtag für die Berechnung des Limits für das laufende Jahr gilt der 31.12. eines jeden Jahres, wobei der Durchschnitt der letzten 12 Monate ermittelt wird. Als Viehbestand zählt der Durchschnitt der 12 Monate unter Berücksichtigung der Almweidetage.

Übergangsbestimmungen
Um den Mitgliedern die notwendige Zeit für eine Anpassung an die neue Regelung zur flächenbezogenen Milchproduktion einzuräumen und einen verträglichen Übergang sicherzustellen, setzt sich die Genossenschaft eine Übergangsfrist von fünf Jahren (Ausnahme Milchhof Meran).
Diese Frist beginnt mit 1. Jänner 2019 zu laufen. Von da an wird die Regelung schrittweise umgesetzt. Ausgangspunkt ist eine für alle Mitglieder geltende Basisreferenzmenge. Als solche wird die durchschnittliche Anlieferungsmenge je Betrieb im Laufe der drei Geschäftsjahre 2015, 2016 und 2017 definiert. In den darauffolgenden vier Geschäftsjahren (2020, 2021, 2022 und 2023) wird diese Basisreferenzmenge schrittweise um jährlich je zehn Prozent reduziert, wobei Ausgangspunkt für die Reduzierung immer die Basisreferenzmenge ist.
Überschreitet ein Mitglied ab 1. Jänner 2019 zu welchem Zeitpunkt auch immer die für das jeweilige Geschäftsjahr verfügbare Referenzmenge, so wird für die das Limit überschreitende Milchmenge eine Vertragsstrafe von Euro 0,10 je Kilogramm Mehranlieferung gegenüber der verfügbaren Referenzmenge angewandt. Weder die Basisreferenzmenge noch die Vertragsstrafe kommt hingegen zur Anwendung, wenn das Mitglied die Vorgaben bezüglich flächenbezogener Milchproduktion einhält.

Bei Übertretung: Nichtannahme
Verletzt ein Mitglied die Regeln zur flächenbezogenen Milchproduktion nach Ablauf der fünfjährigen Übergangsfrist, so wird  seitens der Genossenschaft die gesamte vom Mitglied angelieferte Milch nicht angenommen. Eine Ausnahme bildet hier die Genossenschaft Bergmilch: Nach Ablauf der fünf Jahre wird die Milch zwar auch angenommen, wenn die flächenbezogene Menge überschritten wird, für die gesamte Milchmenge werden jedoch zehn Cent pro Kilogramm weniger ausbezahlt.
Eine Sonderregelung gibt es für Mitglieder des Milchhofs Meran: Hier greift eine eigene Regelung. Der Milchhof Meran zahlt nichts mehr für die überlieferte Milchmenge, wobei sich die überlieferte Milchmenge errechnet aus der Menge der Jahresanlieferung abzüglich (Menge Jahresanlieferung geteilt durch effektive GVE mal zulässige GVE).