Bauernbund | 04.06.2018

„Kein gutes Gefühl“

Der Almsommer beginnt bald. Doch bei Michael Tirler, Hirte auf der Seiser Alm, ist die Sorge vor Wölfen groß, wie er in einem Video des Bauernbundes schildert. Das aktuelle Video ist das dritte einer Serie, in der Landwirte ihre Erfahrungen mit dem Wolf schildern.

Michael Tirler fragt sich, wie der Herdenschutz mit Zäunen funktionieren soll.

Michael Tirler fragt sich, wie der Herdenschutz mit Zäunen funktionieren soll.

Seine 18 Schafe, fünf Ziegen und einen Bock sowie die ihm anvertrauten Tiere anderer Bauern bringt Tirler Anfang Juni auf die Alm. Der Jungbauer aus Kastelruth fragt sich, ob er alle Tiere wieder heil zurückbringen wird, nachdem es im letzten Jahr mehrere Schafrisse durch Wölfe am Grenzgebiet der Seiser Alm gab. Zudem hat man erst kürzlich wieder einen Wolf auf der Seiser Alm gesichtet und fotografiert.
„Ein gutes Gefühl ist das nicht“, meint Tirler in dem Video. Doch die Almweide aufzugeben, kommt für den Jungbauer nicht in Frage: „Wir versuchen die Alpung heuer noch einmal, auch wenn der Wolf auf der Alm ist.“


Hier das Video:





„Wolf springt über Zäune“

Der Hirte wird heuer versuchen, seine Herde mit Zäunen zu schützen. „Wir werden die Tiere nachts einzäunen, aber das wird in dem Gelände nicht einfach sein.“
Im Video erklärt Tirler seine Zweifel an den Herdenzäunen: „Man hat uns gesagt, diese Wolfsnetze dienen dem Herdenschutz, aber ich verstehe nicht, wie das gegen den Wolf funktionieren soll“, fragt er sich. „Wenn der Zaun am Hang steht, ist er nur mehr halb so hoch und der Wolf kann darüber springen. Ansonsten gräbt er sich darunter durch.“
Im Video des Bauernbundes sind Filmaufnahmen aus dem Ausland zu sehen, in denen Wölfe Zäune überspringen oder an ihnen hochklettern. Die Aufnahmen machen die große Sprungkraft von Wölfen deutlich.

Tiere können in Panik abstürzen
Tirler sorgt sich zudem auch um die Versprengung seiner Herde. Rund um die Alm gibt es steile Felswände. Wenn die Tiere bei einem Wolfsangriff in Panik flüchten, können viele abstürzen und verenden. Diese Verluste würden auch nicht von den Ämtern als Wolfsschäden anerkannt, solange man keine Risse vorweisen kann.
Der Jungbauer fühlt eine große Verantwortung für den Erhalt der Almbeweidung und die Pflege der Landschaft. „Wir haben eine Kulturlandschaft vom Tal bis auf 2000 Meter hinauf, die bäuerlich gestaltet ist.“ Diese Leistung wollen Tirler und die anderen Tierhalter weiterhin erbringen.