Südtiroler Landwirt, Wirtschaft | 01.06.2018

Wie man Leerstände besser nutzen kann

Wie Leerstände besser genutzt werden können und wieso ein Leerstandsmanagement zu einer größeren Attraktivität des ländlichen Raumes führt, war Thema der Jahrestagung der Plattform Land in Klausen. von Michael Deltedesco

Leer stehende Gebäude sinnvoll verwenden: Das ist das Anliegen der Plattform Land. (Foto: www.pixabay.com)

Leer stehende Gebäude sinnvoll verwenden: Das ist das Anliegen der Plattform Land. (Foto: www.pixabay.com)

Ein effizientes Flächenmanagement, das einerseits wertvollen Kulturgrund schützt und andererseits eine notwendige Entwicklung des Wohnbaus und der Wirtschaft zulässt, wird zunehmend wichtiger. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Leerstandsmanagement.
Landeshauptmann Arno Kompatscher ging auf der Jahrestagung der Plattform Land auf die Entwicklung der Lage im Land ein: „Südtirol hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gut entwickelt. Ein Grund dafür waren Investitionen in Infrastrukturen, Wohngebiete und Gewerbezonen. Nun muss der Akzent mehr auf den Schutz des wertvollen Kulturgrundes gelegt werden – unter anderem durch ein Leerstandsmanagement.“

Leerstehende Immobilien erhoben
Die Landesregierung habe bereits wichtige Schritte gesetzt: „Die BLS erhebt die Leerstände bei Gewerbeimmobilien und führt eine Datenbank. Derzeit sind etwa 500 Immobilien erfasst, die leer stehen. Jedes Jahr werden ca. 100 bis 120 Immobilien vermittelt.“ Mit jeder Immobilie, die wieder genutzt wird, wird wertvolle Kulturfläche eingespart.
Einen neuen Ansatz in der Innenentwicklung verfolgt das Land auch bei den Förderungen. „In der Vergangenheit wurde der Neubau gut gefördert, was zur Folge hatte, dass es interessanter war, neu zu bauen. Seit einigen Jahren wird verstärkt die Nutzung von Bestandsgebäuden gefördert – und zwar landesweit gleich, was für den ländlichen Raum aufgrund etwas niedrigerer Preise von Vorteil ist“, erklärte Kompatscher.

Spagat zwischen Schutz und Entwicklung
Mit dem neuen Wohnbauförderungsgesetz will das Land die Unterstützung weiter erhöhen, was Bestandsimmobilien noch interessanter macht. Zudem sollen Nutzungsänderungen einfacher werden. Für eine bessere Unterstützung für Bestandsobjekte sprach sich auch der Vizepräsident der Plattform Land, Leo Tiefenthaler, aus. Der Spagat zwischen dem Schutz der Kulturlandschaft und der notwendigen wirtschaftlichen Entwicklung sei zwar nicht ganz einfach, aber machbar.   

Siedlungsgrenzen sollen Flächen schützen
Das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft sieht die Einführung von Siedlungsgrenzen vor. Auch das ist eine Maßnahme, um Flächen, die außerhalb des Siedlungsgebietes liegen, zu schützen. Im Siedlungsgebiet werden die Gemeinden die Hauptverantwortung für die Siedlungspolitik tragen, berichtete Frank Weber, der Direktor der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung: „Ein Kulturwandel ist auch die neue Gemeindekommission für Raum und Landschaft, die nur mehr mit Fachleuten besetzt ist.“
Auf Förderungen für jene, die Bestandskubaturen nutzen, setzt das Land Baden-Württemberg, das mit dem Minister für den ländlichen Raum, Peter Hauk, vertreten war: „Besonders Sanierungen werden großzügig unterstützt, aber auch der Abbruch und Wiederaufbau. Die Gemeinden haben die Aufgabe, Anreize für die Innenentwicklungen zu setzen. Das Geld kommt vom Land.“

Schweiz: Ausweisung von Bauzonen erschwert
Auch in der Schweiz ist der Bodenverbrauch ein großes Thema, besonders seit der Volksabstimmung im Jahr 2013. Lukas Bühlmann, der Direktor der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung, berichtete: „Die Bevölkerung hatte sich damals für einen besseren Schutz des Kulturgrundes ausgesprochen. Daraufhin wurde die Ausweisung von Bauzonen erschwert. Nur wenn so gut wie keine umgewidmeten Flächen mehr frei sind, wird neues Bauland ausgewiesen.“
Gleichzeitig wird Bauland, das trotz Umwidmung nicht verbaut wird, „mobilisiert“, d.h. höher besteuert oder sogar enteignet. Weitere Maßnahmen zum Schutz der Kulturflächen seien vermehrte Rückwidmungen sowie das Auffüllen von Baulücken, sprich die Innenverdichtung.

Ortschaften gewinnen an Attraktivität
Doch ein effizientes Leerstands-Management schützt nicht nur wertvollen Kulturgrund, sondern erhöht auch die Attraktivität einer Ortschaft. „In Schweizer Gemeinden werden aufgelassene Geschäfte neu belebt, indem z. B. ein Friseur im Geschäftslokal gleichzeitig auch eine Bar betreibt oder das Geschäft von Bauern aus der Umgebung als Verkaufsfläche für regionale Produkte genutzt wird“, betonte Bühlmann. Andernorts werden Teile der Einnahmen aus den Mietwohnungen in den oberen Stockwerken dazu genutzt, um die Miete für das Geschäftslokal im Erdgeschoss möglichst gering zu halten. „Dadurch konnten wir gar einige leere Geschäfte wieder füllen, was der gesamten Ortschaft zugutegekommen ist“, erklärte Bühlmann. Eine weitere Maßnahme ist „Der Gasthof gehört dir“, wo Interessierte Strukturen auch nur für einen Monat pachten können. Weiters seien auch Zwischennutzungen sehr gefragt.

PlattformLandKlausen 2

Pilotprojekt „Leerstandsmanagement“
Für ein erfolgreiches Leerstandsmanagement wesentlich ist es, die Leerstände in den Gemeinden zu kennen und zu erfassen. Die Plattform Land hat deshalb im letzten Jahr das Pilotprojekt „Leerstandsmanagement“ ins Leben gerufen. In fünf Gemeinden werden die Leerstände erhoben. Ziel ist es, das Projekt flächendeckend auf ganz Südtirol auszuweiten. Eine der fünf Gemeinden ist Tramin. Bürgermeister Wolfgang Oberhofer rechnete vor: „Wir haben freie Wohnungen und Gewerbeimmobilien erhoben. In Tramin sind 37 Wohnungen und 26 Gebäude leer, was dem Wohnraum von ungefähr 340 Personen entspricht. Müssten hier neue Wohnbauzonen ausgewiesen werden, bräuchte es in etwa 3,5 Hektar Kulturgrund.“
Auch St. Leonhard ist eine Gemeinde, die die Leerstände erhoben hat. Dort stehen ebenfalls einige Wohnimmobilien leer, auch wenn es immer schon das Ziel der Gemeinde war, Leerstände zu vermeiden, sagte der Vize-Bürgermeister Josef Pichler.  
In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierten Lukas Bühlmann, Leo Tiefenthaler, Landesrat Richard Theiner und der Vize-Bürgermeister von Klausen, Stefan Deporta, über Maßnahmen zum Leerstandsmanagement und das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft.
Für den Präsidenten der Plattform Land, Andreas Schatzer, trage die Plattform Land dazu bei, den von der Politik eingeschlagenen Weg, die Bestände besser zu nutzen, zu unterstützen. Dazu würden auch Initiativen wie das Pilotprojekt „Leerstandsmanagement“ und die Tagung in Klausen beitragen.