Produktion | 30.05.2018

Für Nachhaltigkeit und Qualität

In den kommenden Monaten setzt die Südtiroler Milchwirtschaft einen strikten Flächenbezug durch, was bedeutet: pro Hektar Futterfläche darf nur eine bestimmte Höchstanzahl an Vieh gehalten werden. Heute stellte der Sennereiverband Südtirol das neue Konzept vor.

Das neue Konzept der flächenbezogenen Milchproduktion wurde im Haus der Tierzucht vorgestellt. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Das neue Konzept der flächenbezogenen Milchproduktion wurde im Haus der Tierzucht vorgestellt. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Sennereiverbands-Obmann Joachim Reinalter stellte die neue Regelung gemeinsam mit Agrarlandesrat Arnold Schuler und Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler vor: „Die allermeisten Milchbauern halten den Höchstviehbesatz bereits ein, den wir künftig flächendeckend durchsetzen. Schließlich tragen wir Verantwortung für Land und Leute“, betonte Reinalter.  

Zukunftsfähige Landwirtschaft ermöglichen
Der neuen Flächenbezugs-Regelung geht ein Nachdenkprozess in Südtirols Milchwirtschaft voraus, wie der Obmann erklärt: „Wir müssen wissen, wohin uns der Weg führen soll, wenn wir unsere Milchwirtschaft langfristig sichern wollen“, erklärte Reinalter. Die zentrale Frage sei daher, welche Art Landwirtschaft es brauche, um weiter eine hohe Wertschöpfung erwirtschaften und auf den Rückhalt der Gesellschaft zählen zu können. Zudem sei sich die Milchwirtschaft bewusst, welche Verantwortung sie für eine intakte Umwelt trage. Das Ergebnis: „Es kann nur eine nachhaltige und flächenbezogene Milchwirtschaft sein, wie sie auch Konsumenten und Markt fordern“, unterstrich Reinalter, der in dieser Einschätzung von Agrarlandesrat Schuler und Bauernbund-Obmann Tiefenthaler unterstützt wurde.

Futterfläche und Höhenlage als Grundlagen
Der Begriff „flächenbezogen“ steht dabei für eine Milchwirtschaft, in der Tierhaltung und zur Verfügung stehende Futterfläche gekoppelt sind. Wie viel Vieh ein Bauer halten darf, errechnet sich also aus der Futterfläche, die zur Verfügung steht, und aus deren Höhenlage. Schon heute entsprechen mehr als 95 Prozent der Betriebe diesem strengen Flächenbezug, die restlichen haben nun bis zu fünf Jahre Zeit, um sich anzupassen.
Mit der neuen Regelung zum Flächenbezug schlage man mehrere Fliegen mit einer Klappe. „Zuallererst stellen wir sicher, dass die Kühe genug natürliches Grundfutter bekommen“, sagt Reinalter, „denn gerade dieses macht einen großen Unterschied in der Milchqualität aus“. Zudem schone ein geringer Viehbesatz den in der Berglandwirtschaft begrenzten und kostbaren Boden: „Der Flächenbezug setzt damit fort, worum sich unsere Bergbauern seit Generationen sorgen“, erinnerte der Sennereiverbands-Obmann.

Teil der Nachhaltigkeitsstrategie
Der Flächenbezug ist schließlich ein wichtiger Baustein der Nachhaltigkeitsstrategie, die die Südtiroler Milchwirtschaft fährt. Reinalter erklärt: „Wir versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten, Ökologie, Ökonomie und Soziales in Einklang zu bringen – was auch bedeutet, betriebswirtschaftliche Überlegungen mit Leistungen für unsere Gesellschaft, die anderen Wirtschaftszweige und besonders die Umwelt in Einklang zu bringen.“ Der Obmann verwies in diesem Zusammenhang auf den im Vorjahr vom Sennereiverband veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht, aber auch auf Maßnahmen in der Produktion: die Gentechnikfreiheit seit 2001 etwa, die Einführung der Biomilch seit 1998 oder die Herstellung von Heumilch seit 2017. „Unsere Milchwirtschaft hat nur eine Chance, wenn sie nachhaltig Qualität produziert“, betonte der Sennereiverbands-Obmann. Qualität müsse die Strategie sein, weil die Südtiroler Milchwirtschaft nicht über die Menge konkurrieren könne: „Billiger produzieren können andere besser. Und nachhaltig heißt, in allem, was wir tun, dafür zu sorgen, dass künftige Generationen noch über genügend Ressourcen und gesunde Lebensgrundlagen verfügen können“, sagte Reinalter abschließend.