Südtiroler Landwirt, Produktion | 24.05.2018

Hochwertiger Stutenjahrgang

139 Haflinger- und 21 Norikerstuten des Jahrganges 2015 wurden vom 4. bis zum 6. Mai im Reitzentrum von Meran vorgestellt und bewertet. Mit der Reihung und der Prämierung der Siegerstuten am Sonntag fand die Stammbucheintragung ihren krönenden Abschluss.

Sie holte sich den Sieg: V-Biuti PB BZ28489 von Peter Braun.

Sie holte sich den Sieg: V-Biuti PB BZ28489 von Peter Braun.

Schon die Einteilung der Tiere in die einzelnen Klassen gibt einen Hinweis auf das hohe Niveau: 34 Haflinger wurden in die Klas­se IB (sehr gut) eingetragen, das sind rund
25 Prozent der bewerteten Stuten. 14 Stuten verfehlten die erste Klasse nur knapp und wurden mit IIA+ (gut+) bewertet. 48 Jungstuten erreichten die Klasse IIA (gut), 38 wurden mit IIB (befriedigend) bewertet, nur eine Stute wurde als drittklassig eingestuft.
Anhand der Stammbucheintragung in Südtirol lässt sich die züchterische Entwicklung gut mitverfolgen. Sie ist eine sehr aussagekräftige Veranstaltung für Züchter und Zuchtleitung, wird doch der gesamte Jahrgang unter einheitlichen Bedingungen vorgestellt und von derselben Kommission bewertet – ein Ablauf, der sich seit über zwanzig Jahren bewährt hat. Die Züchter arbeiten mit Begeisterung auf diese Tage hin. Wer die Stammbucheintragung in Meran miterlebt hat, schwärmt von den wunderschönen Pferden im Ursprungszuchtgebiet, eingebettet in die beeindruckende Kulisse des altehrwürdigen Pferderennplatzes von Meran mit seinem ganz besonderen Flair.
Die Haflingerzucht in Südtirol lebt von der Begeisterung der vielen Züchterinnen und Züchter, deren Leidenschaft für den Haflinger in Zucht und Sport in zahlreichen publikumswirksamen Veranstaltungen rund über das ganze Jahr zum Ausdruck kommt. Das belegen auch die Zahlen – im Unterschied zu manch anderen Gebieten gibt es in Südtirol positive Kennzahlen – hauptsächlich in der Zucht, für die sich immer mehr gerade auch junge Menschen begeistern.  
Alle Blutlinien waren vertreten, zumeist mit einer durchaus signifikanten Anzahl an Nachkommen, bei einer klaren Dominanz der Linien A und W. Allerdings ist die Aussagekraft der Blutlinien nicht als absolut zu werten. Relevanter sind mittlerweile die einzelnen Hengste, die der Zucht ihren Stempel aufdrücken, wobei festgestellt werden kann, dass die Vererbungsleistung zunehmend auch auf die Mutterlinien zurückzuführen ist.  

Genetische Vielfalt erhalten
Die Zuchtleitung in Südtirol legt Wert auf den Erhalt der genetischen Vielfalt innerhalb der Haflingerpopulation. Sie steuert damit bewusst den Nebenerscheinungen einer Selektion entgegen, die sich strikt und ausschließlich am Zuchtziel orientiert, denn dies wäre der Rasse als Ganzes abträglich. Die notwendige Vielfalt ist gegeben, das zeigt sich auch bei den Jungstuten, die sich im Typ immer noch voneinander unterscheiden. Untermauert wird diese Diversität auch von den Zahlen zur Größe – bei einer Hauptverteilung zwischen 149 und 151 Zentimeter Widerristhöhe.
Bei genauerem Besehen der Pferde, auch und gerade der erstklassigen, erkennt man, dass keine Homogenisierung eingetreten ist. Die Pferde unterscheiden sich im Typ, im Charakter und im Wesen. Darauf gilt es, auch weiterhin zu achten, denn die Vielfalt innerhalb der Rasse ist für die Selektion von grundlegender Bedeutung. Hier sind Zuchtleitung und Züchter gleichermaßen gefordert, entsprechend zu agieren.

Rassetypische Pferde
Auch dieser Stutenjahrgang zeichnet sich durch sehr rassetypische, modern im Typ stehende Pferde aus, die durchaus gute Gangveranlagungen zeigen. Doch die Stammbuchaufnahme hat auch den bestehenden Verbesserungsbedarf bei der Gliedmaßenqualität deutlich gemacht. So blieb gar einigen Jungstuten der Sprung in die erste Klasse gerade wegen gewisser Mängel bei den Gliedmaßen verwehrt. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern für die Züchter auch oft schwer nachvollziehbar. Denn so manche Stute hätte sich bei allen anderen Kriterien durchaus das Prädikat „erstklassig“ verdient, was aber mit einem „Befriedigend“ bei den Gliedmaßen nicht möglich ist.

Ausnahmeerfolg für Züchterfamilie
Unvergesslich war der Tag für Peter Braun: Sowohl die Schausiegerin V-Biuti PB BZ28489 als auch die erste Reservesiegerin V-Bonita PB BZ28490 stammen aus dem Zuchtbetrieb des bekannten Haflingerzüchters aus Völlan. Platz drei ging an Viona BZ28389 von Waltraud Innerhofer aus Vöran. Das Bild des Siegertrios veranschaulicht deutlich, wo die Zucht heute steht.
Die Stammbuchaufnahme der Jungstuten in Meran war eine gelungene Veranstaltung, Organisation, Kulisse und Atmosphäre boten ein rundum stimmiges Ambiente. Im Mittelpunkt stehen die Züchterinnen und Züchter mit ihren Pferden, die sorgfältig vorbereitet und akkurat präsentiert werden, stets in Landestracht. Für einige dieser Pferde steht dann auch schon in einigen Monaten das nächste große Ereignis an – das Freispringen beim Europachampionat von 22. bis 25. August in Stadl-Paura.

Norikerstuten: Zucht verbessert
Einer langen Tradition entsprechend werden auch die Noriker-Jungstuten zur Stammbucheintragung nach Meran gebracht. Der Zuchtfortschritt, den diese antike Kaltblutrasse zu verzeichnen hat, ist beachtlich – darüber staunten vor allem die Zuschauer mit weniger Bezug zum Noriker. Typvolle Jungstuten mit guten, trockenen Fundamenten und viel Bewegungspotenzial prägten den Jahrgang 2015, der ein sehr guter war.
Die Begeisterung für die Norikerpferde nimmt ständig zu, auch über die herkömmlichen Zuchtgebiete hinaus, und zwischen den Züchtern der beiden vom Zuchtverband betreuten Rassen bestehen absolut keine Berührungsängste oder Rivalitäten. An gemeinsame Auftritte haben sie sich längst gewöhnt, vom Zuchtverband werden sie gleichwertig betreut und vertreten. Der Aufschwung in der Noriker­szene ist sicherlich auch auf die vielen Aktivitäten der Zuchtvereine – vor allem des Norikervereins Pustertal – zurückzuführen.

Haflinger Tabellen