Südtiroler Landwirt, Produktion | 24.05.2018

Die Idee vom geschlossenen Kreislauf

Vor 30 Jahren haben sich neun Südtiroler Pioniere der biologischen Landwirtschaft zusammengetan und die Genossenschaft Osiris gegründet. Wie die Genossenschaft heute dasteht und warum Bio nicht gleich Bio ist. von Irene Schlechtleitner

Osiris, die Genossenschaft für biologisch-dynamischen Anbau, vermarktet neben Obst, Beeren und Gemüse auch Apfelmus und Apfelsaft.

Osiris, die Genossenschaft für biologisch-dynamischen Anbau, vermarktet neben Obst, Beeren und Gemüse auch Apfelmus und Apfelsaft.

Als Osiris vor 30 Jahren gegründet wurde, arbeiteten die Gründungsmitglieder bereits im biologischen Obstbau. Mit ihrer langjährigen Erfahrung bringt Osiris im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben andere Voraussetzungen mit, was Bio anbelangt. „Wir sind bis heute unabhängig geblieben und machen alles in Eigenregie“, erklärt Obmann Hubert Dezini. Das reicht von der Verwaltung, der Einlagerung bis zum Transport. „Wir versuchen den Kreislauf zu schließen, was uns zwar viele Kosten verursacht hat, aber auch ziemlich viele Vorteile gebracht hat“, so Dezini. Osiris vermarktet heute hauptsächlich Obst wie Äpfel, Birnen und Kiwi, Beeren sowie Gemüse wie Kartoffeln aus dem Pustertal und daneben auch Apfelmus und Apfelsaft sowie Reinigungsprodukte auf Apfelbasis und Honig.

Herr Dezini, was unterscheidet Osiris von anderen biologisch wirtschaftenden Anbietern?
Hubert Dezini: Wir verfolgen die biodynamische Linie, die noch ein wenig konsequenter ist in der Mittelwahl und in der Umsetzung. Wir beziehen mehr Elemente mit ein in den ganzen Kreislauf, als nur ein Produkt, das nicht belastet ist. Für uns ist ein unbelastetes Produkt die Voraussetzung. Manche Produzenten machen es sich ein wenig zu leicht und sind vorwiegend preisorientiert. Im biologisch-dynamischen Bereich spielen noch andere Dinge mit. Da ist Platz für Hecken, Teiche und für all das, was Rudolf Steiner 1924 in seinem landwirtschaftlichen Kurs beschrieben hat. Es geht um die Idee des Betriebsorganismus als geschlossenen Kreislauf, wo der Bauer in seinem Betrieb auch Rinder und Schafe hält, um den Kreislauf der Kompostwirtschaft zu schließen. Die meisten von unseren Mitgliedern versuchen das umzusetzen.
Daneben betätigen wir uns auch im sozialen Bereich: in unserer Genossenschaft arbeiten Menschen mit Beeinträchtigung, die ihren Fähigkeiten entsprechend im Produktionsablauf voll integriert sind und das seit rund zehn Jahren. Auch verarbeitete Produkte wie Apfelmus lassen wir über eine Sozialgenossenschaft produzieren.

Wie viele Mitglieder hat die Genossenschaft heute?
Es sind 25. Wir haben nicht so einen großen Zulauf. Das liegt auch daran, dass die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nicht für jedermann praktizierbar ist. Das heißt: Eine seriöse biologisch-dynamische Wirtschaftsweise setzt voraus, dass ich auch an meiner Persönlichkeit etwas ändere.

Ist der geringe Zulauf nicht auch frustrierend?
Nein. Am Anfang vielleicht schon, als die anderen Bio-Verbände gegründet wurden, welche von Anfang an viel Zulauf hatten und heute gut arbeiten. Mittlerweile wissen wir, dass wir eine andere Aufgabe haben und dabei geht es nicht nur darum, besonders gut wirtschaftlich zu arbeiten. Uns ist es wichtig, dass jeder mitwachsen kann und zwar in Freiheit. Schaut man konventionelle Strukturen an, ist das anders: Der Bauer hat gar nichts mehr zu sagen. In unserer Genossenschaft treffen wir daher keine wichtigen Entscheidungen, die nicht einstimmig sind. Wirtschaftlich geht es uns relativ gut. Einzig unsere Spesen sind im Verhältnis zur Menge relativ hoch. Wir könnten noch mehr Menge verarbeiten. Das Ziel der nächsten Jahre ist es, den Umsatz zu steigern und alles was damit zusammenhängt.

Sie werden weiterhin alles in Eigenregie machen?
Wir haben Kunden, die bewusst mit uns zusammenarbeiten, weil sie unseren Weg schätzen. Sie weichen erst dann auf andere Produkte aus, wenn wir nicht mehr liefern können. Heute liefern wir auch an Ketten, weil sich die Situation geändert hat. Sie ändert sich dauernd.

Ist das falsch?
Nein, es ist nur eine ganz andere Richtung. Früher konnte man sich gar nicht vorstellen, dass Supermärkte Bioprodukte vermarkten. Es geht ganz eindeutig in Richtung der großen Vermarktung. Die Gefahr dabei ist, dass diese großen Strukturen diktieren, was Bio ist. Und wenn Bio sich heute auf ein rückstandsfreies Produkt reduziert, ist das bereits die Folge dieser Entwicklung. Früher hat man unter Bio ganzheitliche Maßnahmen verstanden. Die Osiris und Demeter sowie viele andere Bauern leben das noch. Genau deshalb haben wir immer versucht, unseren eigenen Weg zu gehen. Wir sind den Weg ja nicht gegangen, weil wir mehr Spesen zahlen wollen. Wir haben es ganz bewusst gemacht.