Südtiroler Landwirt | 26.04.2018

Produktionskosten im Weinbau

Steigende Lohnkosten und hohe Qualitätsansprüche beeinflussen die Produktionskosten im Weinbau deutlich. Der Beratungsring hat deshalb die Broschüre „Kosten im Weinbau“ neu aufgelegt. Dieser Beitrag verschafft einen Überblick über die aktuellen Kennzahlen. von Thomas Weitgruber, Beratungsring für Obst- und Weinbau

Die Produktionskosten im Weinbau variieren von Betrieb zu Betrieb stark. Die Broschüre „Kosten im Weinbau“ nimmt sie unter die Lupe.

Die Produktionskosten im Weinbau variieren von Betrieb zu Betrieb stark. Die Broschüre „Kosten im Weinbau“ nimmt sie unter die Lupe.

Die Produktionskosten im Weinbau unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb deutlich. Je nachdem, wie groß und wie parzelliert ein Betrieb ist, wird er mit mehr oder weniger großen Kosten zu bewirtschaften sein. Auch die Sorte, die Lage der Flächen (z. B. Ebene oder Hang) sowie die verschiedenen Qualitätslinien, für die produziert wird, wirken sich auf den Produktionsaufwand aus. Südtirols Weinbaubetriebe sind zum größeren Teil klein strukturiert und werden sehr oft im Nebenerwerb geführt. All das erschwert es, allgemein gültige Durchschnittskosten zu ermitteln.

Ein Südtiroler Modellbetrieb
Bei der Berechnung der Produktionskosten wird deshalb von einem definierten Modellbetrieb ausgegangen: Es ist ein Vollerwerbsbetrieb mit drei Hektar Betriebsfläche, der in Familienregie geführt wird. Wir rechnen mit 110 Dezitonnen/Hektar Durchschnittsertrag, einer Rebanlagen-Nutzung von 30 Jahren und einem gut ausgelasteten Maschinen- und Gerätepark, der auch überbetrieblich eingesetzt wird. Zudem sind zwei Personen in der Landwirtschaft versichert. Wie in einem Familienbetrieb üblich, leitet ein Familienangehöriger den Betrieb, die Familie bewerkstelligt auch den Großteil des Pflegeaufwands. Für die Ernte, die Ertragsregulierung sowie die Laubarbeiten wird betriebsfremdes Personal (etwa 2/3 des dafür benötigten Arbeitsaufwands) beschäftigt. Alle errechneten Daten sind als Richtwerte zu verstehen. Sie können als Vergleichswerte für die Bewertung der Produktionskosten des eigenen Betriebes herangezogen werden.

Direkte Kosten
Die direkten Kosten (früher oft als Barauslagen bezeichnet) sind eine wichtige Kennzahl und für jeden Betrieb über Rechnungen und Zahlungsbelege relativ einfach zu ermitteln. Sie umfassen alle variablen Kosten, die im Laufe eines Jahres anfallen. Dazu zählen die Kosten für Pflanzenschutzmittel, Dünger und verschiedene weitere Materialkosten. Die Löhne für Fremdarbeitskräfte, alle variablen Maschinenkosten (Treib- und Schmierstoffe, Maschinenmieten und Versicherungen), die Kosten für die Hagelversicherung sowie der sonstige Betriebsaufwand wie Mitgliedsbeiträge bei Verbänden und Organisationen, Kosten für verschiedene Dienstleistungen, Steuern, Unfall- und Rentenversicherung der auf dem Betrieb langfristig gemeldeten Personen zählen ebenso dazu. Mit durchschnittlich 6766 Euro pro Hektar machen die direkten Kosten etwas weniger als die Hälfte und damit den größten Teil der Produktionskosten aus. Ein knappes Drittel dieser Kosten entfällt auf die Löhne für die Fremdarbeiter (bei Ernte, Ertragsregulierung und Laubarbeiten). Die Lohnkosten sind klarerweise vom Arbeitsaufwand abhängig und unterscheiden sich zwischen den Betrieben sehr stark. Bei Spalieranlagen können die drei größten Kostenstellen (Ernte und Transport, Laubarbeiten und Winterschnitt), bedingt durch den Arbeits- und Maschineneinsatz sehr stark schwanken. Bei der Ernte hat der Gesundheitszustand der Trauben, bei Laubarbeiten und Winterschnitt die Rebsorte einen entscheidenden Einfluss auf die Kosten. Weiters beeinflussen die Betriebsmittel wie Pflanzenschutzmittel und Dünger die variablen Maschinenkosten sowie der sonstige Betriebsaufwand die direkten Kosten.
Alle zwei Jahre aktualisiert der Beratungsring für Obst- und Weinbau die Produktionskosten. Von 2016 auf 2018 sind die direkten Kosten leicht gesunken. Das ist auf die Abschaffung der regionalen Wertschöpfungssteuer IRAP zurückzuführen, welche einen nicht unwesentlichen Teil des sonstigen Betriebsaufwands ausmacht. Laut italienischem Stabilitätsgesetz von 2016 ist die landwirtschaftliche Tätigkeit seit 2017 von der IRAP befreit, das spart wieder Kosten von ca. 250 Euro pro Hektar.

Grafik Kosten Weinbau 1

Kalkulatorische Kosten
Die kalkulatorischen Kosten setzen sich aus den Kosten für das Betriebskapital (Kapitalkosten) sowie dem Lohn für die Arbeitsleistung der Bauernfamilie und der zusätzlichen Entlohnung für die Betriebsleitung zusammen.
Die Kapitalkosten: Die Kapitalkosten beinhalten die Kosten für das im Betrieb gebundene Kapital (Anlagen, Maschinen und Geräte). Der Weinbau in nicht sehr steilem Gelände erfordert, verglichen mit anderen Kulturen wie dem Obstbau, einen etwas geringeren Kapitaleinsatz. Für einen Hektar Weinbau samt Bewässerungsanlage investiert man ohne größere Meliorierungsarbeiten je nach Pflanzdichte zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Die Kosten für diese Investitionen werden über jährliche Annuitäten (Tilgungsraten plus Zinsen) berechnet.
Die betriebseigenen Maschinen und Geräte müssen irgendwann ausgetauscht werden, weil sie entweder abgenützt oder technisch überaltert sind. Der nackte Boden ist, so wie die Arbeit und das eingesetzte Kapital, ein weiterer Produktionsfaktor mit einem Kapitalwert. Um der Nutzung des Bodens als Produktionsfaktor aber Rechnung zu tragen, werden entsprechende Kosten in Form von entgangenen Zinserträgen berücksichtigt. Kurzfristig ist der Bodenzins zwar als ein rein kalkulatorischer Wert zu betrachten, der vom Betrieb nicht unmittelbar ausgegeben wird. Spätestens bei einer
Betriebsübergabe spielt der Wert des Bodens (im Normalfall der Ertragswert) aber
eine Rolle, wenn es z. B. um die Bewertung von Erbanteilen der weichenden Erben
geht. Insofern sollten die Erlöse auch die jährliche Verzinsung des Bodenkapitals abdecken.
Eigene Arbeitsleistung: Der Arbeitskraftbedarf hängt stark von der Größe, Lage und Verteilung der Grundstücke sowie der Sortenstruktur eines Betriebs ab. Die Fremdarbeiter erhalten einen Lohn, der wie vorher beschrieben bei den direkten Kosten berücksichtigt wird.
Alle anderen Pflegearbeiten bewältigt der Betriebsleiter mit Unterstützung der eigenen Familie meistens selber. Der Großteil dieses Arbeitspensums wird dabei zwar unentgeltlich geleistet, um bei der Kostenwahrheit zu bleiben, ist es aber notwendig, den Arbeitseinsatz der Familie in der Kostenrechnung zu bewerten. Im Durchschnitt kann man davon ausgehen, dass von den rund 470 Arbeitsstunden pro Jahr und Hektar etwa 300 Arbeitskraftstunden (Akh) der Bauernfamilie zugerechnet werden können. Verrechnet man als Lohnansatz eine Entlohnung von 14,28 Euro pro Arbeitskraftstunde (aktueller Tariflohn für einen qualifizierten Angestellten in der Landwirtschaft), dann kommt man auf kalkulatorische Hektarkosten von 4317  Euro.
Betriebsleitung: Dem Betriebsleiter steht aufgrund seiner leitenden Funktion eine zusätzliche Entlohnung zu. Wir beziffern den Aufwand für die Leitung des Betriebs mit durchschnittlichen 100 Stunden pro Jahr und Betrieb. Bei einer Entlohnung von 14,28 Euro pro Arbeitskraftstunde errechnen sich für unseren Modellbetrieb somit kalkulatorische Kosten von ca. 476 Euro pro Hektar.

Grafik Kosten Weinbau 2

Gesamtkosten
Kostenstellen: Fasst man die Produktionskosten zu verschiedenen Kostenstellen zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Die Betriebs- und Kapitalkosten haben mit 43 Prozent den größten Anteil an den Produktionskosten, gefolgt von den Arbeitskosten mit 39 Prozent. Die Maschinenkosten liegen bei etwa zwölf Prozent, und den geringsten Anteil an den Produktionskosten machen die Materialkosten  mit circa sieben Prozent aus.
Um alle Kosten eines drei Hektar großen Weinbaubetriebs zu decken, der in Familienregie geführt wird, müssen also mindestens 16.412 Euro pro Hektar erwirtschaftet werden. Legt man die eingangs erwähnten 110 Dezitonnen pro Hektar als Ertrag zugrunde, bedeutet das, dass 1,49 Euro pro Kilogramm Trauben notwendig sind, um alle Spesen zu decken.
Erträge und Kosten: Bei geringen Erträgen sinken die direkten Kosten pro Hektar nur unwesentlich. Die Produktionskosten pro Kilogramm Trauben steigen aber im Vergleich dazu deutlich an, da die Fixkosten auf eine geringere Erntemenge abgewälzt werden müssen. Da im Südtiroler Weinbau in den letzten Jahren zum größten Teil zum Vorteil der Weinqualität die Erntemengen rückläufig sind, muss dies mit einem höheren Auszahlungspreis pro Kilogramm Trauben kompensiert werden.

Kostenbroschüre Weinbau
Verglichen mit der letzten Kostenrechnung im Jahr 2016 sind die Produktionskosten
2018 im Südtiroler Weinbau aus verschiedensten, bereits angeführten Gründen nur sehr leicht gestiegen. Die aktuelle Broschüre zu den Produktionskosten im Weinbau
wurde bereits an die Mitglieder des Beratungsrings versandt und kann für Interessierte in den jeweiligen Bezirksbüros erworben werden.