Wirtschaft | 20.04.2018

Rekordzahlen zum Jubiläum

Das Viehvermarktungskonsortium Kovieh feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Bei der heutigen Vollversammlung feierten die Verantwortlichen des Kovieh diesen Geburtstag unter anderem mit einem Rekord: Noch nie wurden so viele Tiere vermarktet wie im vergangenen Jahr – es waren genau 44.190. von Bernhard Christanell

Kovieh-Obmann Lorenz Gasser war zurecht erfreut über das Vermarktungsjahr 2017.

Kovieh-Obmann Lorenz Gasser war zurecht erfreut über das Vermarktungsjahr 2017.

Als das Kovieh im Gründungsjahr 1983 knapp über 3400 Tiere vermarktet hatte, galt dies zwar als schöner Erfolg, alle Skeptiker waren von der neuen Organisation aber noch nicht überzeugt. Durchaus verständlich, denn die zehn Jahre zuvor gegründete Vorgängerorganisation Vives war nach dem Bau des neuen Schlachthofes in Bozen Süd in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Gründung war ein Kraftakt
Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder fand bei der Versammlung vergangene Woche in Bozen lobende Worte für jene, die damals den Mut hatten, dennoch einen Neubeginn zu wagen: „Wenn das Kovieh heute so gut da steht, dann ist das vor allem eurem Weitblick und eurer Überzeugung zu verdanken“, erklärte Durnwalder – der damals als Landwirtschafts-Landesrat ebenso maßgeblichen Anteil an der Kovieh-Gründung hatte. Um die Schulden der Vives zu decken, musste damals jeder Bauer pro Herdebuchkuh 50.000 Lire einzahlen, Durnwalders Ressort verdoppelte den gesammelten Betrag.

Preise bei Rindern und Kälbern leicht im Plus
Zur hatten Kovieh-Obmann Lorenz Gasser und Geschäftsführer Martin Tröger auf ein erfreuliches Vermarktungsjahr 2017 zurückgeblickt. Bei 91 Versteigerungen – wegen der Umbauarbeiten an der Vermarktungs-Anlage in St. Lorenzen fanden bis auf sechs alle in Bozen statt – wurden 44.190 Tiere verkauft, davon 25.669 bei den Kälberversteigerungen, 18.094 bei den Schlacht- und Mastviehversteigerungen und 427 über das „Südtiroler Qualitätsfleisch-Programm“. Während die Zahl der vermarkteten Rinder gegenüber dem Vorjahr um 1056 Tiere zurückging, stieg die Zahl der verkauften Kälber um 1568 an. Die Durchschnittspreise gingen sowohl bei den Rinder (plus 6,5 Prozent) als auch bei den Kälber (plus 5,7 Prozent) nach oben. Bei den Kleintieren gingen sowohl die Stückzahl (minus 48 auf 6768) als auch der Durchschnittspreis (minus 2,8 Prozent) leicht zurück. Wesentlich deutlicher fiel das Minus bei den Pferden aus – von denen mit 66 Tieren nur knapp halb so viele wie 2016 vermarktet wurden, und das zu einem 11,5 Prozent geringeren Durchschnittspreis.
Obmann Gasser bedankte sich bei allen, die zum guten Gelingen der Versteigerungen beigetragen hatten: „Da wir eine Genossenschaft sind, ist es unsere Aufgabe, die angelieferten Tiere zu einem bestmöglichen Preis zu versteigern. Um dies zu ermöglichen, braucht es natürlich auch treue und zahlungskräftige Kunden, Metzger und Händler aus Südtirol und dem oberitalienischen Raum.“

Exporte wegen Blauzunge fast eingeschlafen
Tröger wies in seinem Bericht auf einige interessante Details hin: „Besonders hervorzuheben sind im Vermarktungsjahr 2017 die hohen Marktpreise bei den weiblichen Fleischkreuzungskälbern. Grund hierfür ist die generell höhere Nachfrage nach regionaler Ware. Der Hauptanteil der Mastkälber – 92 Prozent – wurde in den norditalienischen Raum zur Weißfleisch- und Stiermast verkauft. Der Export von Kälbern ist aufgrund der Tatsache, dass ganz Südtirol zum Blauzungensperrgebiet gehört, fast zur Gänze ausgeblieben.“
Damit sprach Tröger auch ein Problem an, das sich nach dem Ende der Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit im Sommer 2017 ergeben hat: „Das Jungvieh wird in den meisten Betrieben nicht mehr nachgeimpft – was aber notwendig wäre, um Tiere in Blauzungen-freie Gebiete exportieren zu können.“

Erfolgsgeschichte Qualitätsfleisch
Aktuelle und erfreuliche Zahlen zum „Südtiroler Qualitätsfleisch-Programm“ des Kovieh  legte Daniel Prossliner vor: Im vergangenen Jahr waren rund 250 Bauern in das Programm eingeschrieben, davon haben rund 140 Züchter 427 Qualitätstiere beigesteuert. „Das waren   immerhin 42 Tiere mehr als im Jahr zuvor. Unser Qualitätsfleisch-Programm ist mittlerweile ein Herzstück der Fleischvermarktung in Südtirol geworden“, freute sich Prossliner.
Als „Kompetenzzentrum in Sachen Viehvermarktung“ bezeichnete die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer das Kovieh. Lobende Worte kamen auch von Ex-Senator Hans Berger, Landestierarzt Paolo Zambotto, Bauernbund-Obmannstellvertreter Viktor Peintner und Raiffeisenverband-Obmann Herbert Von Leon.