Bäuerlicher Notstandsfonds | 05.04.2018

Hilfe aus vielen kleinen Tropfen

Wenn der Bäuerliche Notstandsfonds hilft, dann kann er das vor allem dank der Hilfe unzähliger Spender, die mit jedem kleinen und größeren Geldbetrag ihren Beitrag leisten. Bei seiner Vollversammlung in Marling zog der Notstandsfonds eine beeindruckende Jahresbilanz. von Bernhard Christanell

Obmann Sepp Dariz steht dem BNF seit der Gründung vor und wird dies für weitere vier Jahre tun.

Obmann Sepp Dariz steht dem BNF seit der Gründung vor und wird dies für weitere vier Jahre tun.

Vor fast 30 Jahren hatte der Südtiroler Bauernbund den Bäuerlichen Notstandsfonds (BNF) gegründet, um unverschuldet in Not geratenen bäuerlichen Familien im Land schnell und unbürokratisch zu helfen. Einige Jahre nach der Gründung wurde das Tätigkeitsfeld auch auf die Gesellschaftsbereiche außerhalb der Landwirtschaft ausgeweitet. Heute ist der Bäuerliche Notstandsfonds – wie es Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler auf den Punkt brachte – eine Marke geworden, die ein besonderes Beispiel für ehrenamtliche Tätigkeit zum Wohle des Nächsten ist.

Menschen vertrauen dem BNF
Auch Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder ging bei der Versammlung in der Kellerei Meran Burggräfler in Marling auf die besondere Bedeutung des BNF für die Bevölkerung ein: „Der BNF ist eine Organisation, der die Menschen vertrauen – und das ist vor allem dann ganz wichtig, wenn es um Spendengelder geht. Wenn jemand Geld spendet, dann will er, dass es dort ankommt, wo es gebraucht wird – und das ist beim BNF garantiert“, unterstrich Durnwalder. Dabei komme es nicht so sehr auf die Höhe der gespendeten Summe an, sondern auf die Tatsache, dass jemand solidarisch mit seinen Mitmenschen ist. „Viele noch so kleine Tropfen Hilfe sind mehr wert als ein ganzer Ozean von Mitgefühl. Das gilt auch bei uns im Land, denn auch in Südtirol gibt es viel – oft  versteckte – Armut. Es ist nicht alles so rosig wie es auf den ersten Blick scheint“, erinnerte Durnwalder.

Ehrung für Obmann Dariz
Untrennbar mit der Geschichte des Bäuerlichen Notstandsfonds verbunden ist der Name von Gründungsobmann Sepp Dariz, der bei den fälligen Vorstandswahlen – so wie im übrigen auch der restliche Vorstand und die Rechnungsrevisoren – einmal mehr im Amt bestätigt wurde. „Sepp, der Bäuerliche Notstandsfonds ist dein Lebenswerk – und du kannst stolz darauf sein“, fasste es Bauernbund-Landesobmannstellvertreter Viktor Peintner zusammen.
Sepp Dariz konnte auch bei der diesjährigen Versammlung wieder beeindruckende Zahlen vorlegen: So gingen im Jahr 2017 insgesamt 1.318.800 Euro an Spenden ein, 1.229.000 Euro wurden an Unterstützungszahlungen und -beihilfen geleistet. Etwas über 100.000 Euro wurden bereits im Jahr 2017 als Unterstützungen beschlossen, aber erst im Laufe des Jahres 2018 ausbezahlt. Knapp zwei Drittel der Spenden – rund 818.000 Euro – kamen über freiwillige Spenden von Einzelpersonen, Firmen, bäuerlichen Organisationen und anderen Einrichtungen zusammen. Über Partnerorganisationen oder Gemeinschaftsaktionen wie „Südtirol hilft“ gingen 253.000 Euro ein, fast die gleiche Summe – 244.000 Euro – brachten Spendensammlungen über Aktionen wie die Weihnachts- und Glückwunschkarten oder öffentliche Sammlungen auf Messen oder Adventmärkte ein.

Mehrere Hilfsprojekte
Neben der Auszahlung von Spendengeldern beschäftigt sich der Bäuerliche Notstandsfonds auch laufend mit verschiedenen Hilfsprojekten. Dazu gehört das Projekt „Zukunft schenken“, über das im vergangenen Jahr 30 Kindern und Jugendlichen Schul- und Studienbeihilfen von durchschnittlich 1600 Euro gewährt wurden. „Eine gute Ausbildung ist das wichtigste und beste, das wir jungen Menschen mitgeben können“, unterstrich Sepp Dariz.
Ein weiteres Projekt, das der BNF bereits seit vielen Jahren betreut, sind die mobilen Holzblockhäuser, die – entweder als vorübergehende oder als fixe Einrichtung – dort zum Einsatz kommen, wo Menschen ein Dach über dem Kopf brauchen, um in Würde leben zu können. Über das Förderprojekt „Ethical Banking“ der Raiffeisenkasse Bozen und anderer Partnerkassen in Südtirol konnten 40 Kreditnehmern bislang knapp über 5,3 Millionen Euro ausbezahlt werden. Wichtig für junge Familien, die eine Zukunftsperspektive für das Leben auf einem Bergbauernhof brauchen, sind die Sonderprojekte und -maßnahmen in der Berglandwirtschaft.

Verwaltung verbraucht keine Spendengelder
Seit jeher legt der Bäuerliche Notstandsfonds besonderen Wert darauf, dass die Spendengelder zur Gänze an die Betroffenen gehen und nicht teilweise für Verwaltungsausgaben verwendet werden müssen. Damit das so bleibt, brauche der BNF die Hilfe aller Steuerzahler, wie Dariz erinnerte: „Fast drei Viertel der Verwaltungsausgaben konnten wir 2017 mit Hilfe der Steuerzahler decken, die uns fünf Promille ihrer Einkommenssteuer zugewiesen haben. Dafür sind wir sehr dankbar!“