Bauernbund, Bildung | 04.04.2018

Wirtschaftlichkeit variiert stark

Die Wirtschaftlichkeit der Südtiroler Bauernbetriebe ist von großer Bedeutung, damit diese langfristig überleben können. Große Unterschiede bei der Wirtschaftlichkeit und zwischen Neben- und Vollerwerb haben Studierende des Bachelor-Fachs „Landwirtschaftliche Betriebswirtschaft“ an der Freien Universität Bozen festgestellt. von Sarah Kühl, Christian Fischer und Jonas Rossmanith, Freie Universität Bozen

Wie wirtschaftlich Südtirols Bauernhöfe arbeiten, haben Studenten der Uni Bozen untersucht. (Foto: www.pixabay.com)

Wie wirtschaftlich Südtirols Bauernhöfe arbeiten, haben Studenten der Uni Bozen untersucht. (Foto: www.pixabay.com)

Die Studierenden untersuchten im Rahmen des „SBB-Preises“ die Buchhaltungsdaten von 16 Höfen. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Betriebe mit Milchviehhaltung, aber auch Apfel-, Trauben- oder Gemüseanbau, teilweise ergänzt um das Angebot von Urlaub auf dem Bauernhof. Die Studierenden werteten die Bilanzen aus und verglichen sie mit den durchschnittlichen Kennzahlen für Südtirol. Dadurch wurden Stärken und Schwächen erkannt und mit den Betriebsleitern besprochen. Zusätzlich erarbeiteten die Studierenden Vorschläge zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.

Obstbau: Umstieg auf Bio kann sich rentieren
Dabei waren die entwickelten Ideen ebenso divers wie die Betriebsstrukturen selbst. Insbesondere beim Obstanbau konnte gezeigt werden, dass sich ein Umstieg auf eine ökologische Produktion oder der Anbau von Clubsorten rentieren kann. Im Rahmen ihrer Arbeiten mussten sich die Studierenden zudem mit konkreten Problemen und Fragestellungen wie dem Ernteverlust durch Tiere im Apfelanbau beschäftigen. Dazu wurden Wirtschaftlichkeitsanalysen für innovative Lösungsansätze wie Ultraschallsensoren durchgeführt. Neben dem finanziellen Aufwand wurden dabei ferner die Auswirkungen auf Umwelt und Arbeitsbelastung berücksichtigt.

Siegergruppen haben Bergbauernhöfe untersucht
Die beiden Siegergruppen hatten sich bei ihrer Analyse mit Milchviehbetrieben beschäftigt. Die erste Gruppe verwies auf die wirtschaftliche Bedeutung der Futterkosten in der Milchviehhaltung. Durch die Wiedervorlage von am Vortag übriggebliebenem Raufutter konnten sich auf dem Betrieb bis zu fünf Prozent eben dieser Futtermittel einsparen lassen. Dies ist vor dem Hintergrund der hohen Futterkosten von großer Relevanz, wobei die Futterqualität beachtet werden muss.
Die zweite Gruppe konnte zeigen, dass für ressourcenreiche Betriebe die Aufstockung der Herdengröße eine weitere Maßnahme sein kann, um den Gewinn und damit die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Die Studenten berechneten für den untersuchten Betrieb, dass eine Erhöhung der Herdengröße von 17 auf 23 Tiere mit einem Mehraufwand an direkten Kosten von 11.800 Euro/Jahr für Futter, Tierarzt, etc. verbunden ist. Gleichzeitig kann bei einer durchschnittlichen Milchleistung von etwa 7200 Litern je Kuh und Jahr der Erlös um etwa 30.000 Euro/Jahr gesteigert werden, inkl. der Erlöse aus dem Verkauf der Kälber.
So kann der Deckungsbeitrag um etwa 18.000 Euro/Jahr erhöht werden, wobei im ersten Jahr die Kosten zur Bestandsergänzung gegengerechnet werden müssen. Eine Aufstockung der Herde ist jedoch auf Grund von Grenzen für die Besatzdichte und einer limitierten Anzahl an Stallplätzen nicht für alle Betriebe möglich, und die Rentabilität hängt zudem von der Milchleistung und dem Milchpreis ab, welcher bei dem untersuchten Betrieb überdurchschnittlich hoch war.

Optimierung bei Zu- und Nebenerwerb schwieriger
Ganz allgemein wurde offensichtlich, dass insbesondere im Zu- und Nebenerwerb eine wirtschaftliche Optimierung schwieriger ist als bei Vollerwerbsbetrieben. Einerseits konnte die betriebswirtschaftliche Situation nicht immer detailliert analysiert und optimiert werden, da die erforderlichen Daten zur Buchhaltung und zu Kostenerfassung nicht ausreichend erfasst sind. Zum anderen ist bei Teilzeitbetrieben Wirtschaftlichkeit häufig nicht das primäre Betriebsziel, sondern andere Motive wie der Erhalt des Hofs mithilfe von nichtlandwirtschaftlichem Einkommen und Freude am „Bauer sein“.

Bereicherung für beide Seiten
Insgesamt war die Analyse der Buchhaltungsdaten und die damit einhergehende Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis sowohl für die Studierenden als auch für die Betriebsleiter eine wertvolle Bereicherung. Die Leiter aller teilnehmenden Betriebe wurden von den Studierenden am Ende persönlich beraten. Es wurden die Buchhaltungszahlen und die Verbesserungsvorschläge am eigenen Hof besprochen. Zuletzt wurden die Betriebsleiter noch von der SBB-Abteilung Betriebsberatung über den Nutzen der Verbesserungsvorschläge befragt. Fast alle Betriebsleiter zeigten sich mit den Empfehlungen sehr zufrieden.