Steuerberatung | 03.04.2018

Von der Steuer abziehbare Spesen

Einige Spesen der persönlichen Lebensführung können in der Steuererklärung abgezogen werden. Die Bauernbund-Steuerberatung bietet im folgenden Artikel einen Überblick. von Florian Rauter

Ein Klassiker unter den von der Steuer absetzbaren Spesen: Kosten, die beim Zahnarzt anfallen, auch zahnärztliche Prothesen. (Foto: www.pixabay.com)

Ein Klassiker unter den von der Steuer absetzbaren Spesen: Kosten, die beim Zahnarzt anfallen, auch zahnärztliche Prothesen. (Foto: www.pixabay.com)

In der Steuererklärung können einige Spesen der persönlichen Lebensführung angerechnet werden und die geschuldete Einkommenssteuer reduzieren. Zu beachten ist: Wenn der einzelne Steuerpflichtige überhaupt keine Einkommenssteuer zahlen muss, kann er von diesen Spesen auch keinen steuerlichen Vorteil erzielen. In der Landwirtschaft ist dies häufig der Fall.

Allgemeine Bedingungen
Für die Absetzbarkeit der Spesen der persönlichen Lebensführung müssen eine Reihe von allgemeinen Bedingungen eingehalten werden. Die Spesen müssen im Steuerjahr vom Steuerpflichtigen bezahlt und auch im eigenen Interesse tatsächlich getragen worden sein. Werden etwa Spesen von Dritten zurückerstattet (z. B. im Falle von Beiträgen seitens der Landesverwaltung oder Rückerstattungen durch die Sanitätseinheit), sind diese nicht absetzbar, da sie dem Steuerpflichtigen nicht effektiv „zu Lasten“ sind. Die Spesen müssen in geeigneter Form belegt werden (z. B. mittels Rechnung, Steuerbeleg oder Posterlagschein).

Die häufigsten Spesen
Nachfolgend eine Auflistung der am häufigsten vorkommenden absetzbaren Spesen.

Arztspesen: Absetzbar in Höhe von 19 Prozent sind Arztspesen wie allgemeine Arztleistungen, chirurgische Eingriffe, Krankenhausaufenthalte, Arztleistungen eines Spezialisten, sanitäre und zahnärztliche Prothesen, Medikamente (Steuernummer, Art und Menge auf dem Spesenbeleg), ärztliche Untersuchungen und Spesen für Pflegepersonal und anderes autorisiertes Personal für besondere Dienste (Pflege, Rehabilitation).
Von den gesamten Arztspesen muss ein Sockelbetrag von 129,11 Euro abgezogen werden. Der Absetzbetrag gilt auch für „zu Lasten“ lebende Personen.
Darüber hinaus sind für Personen mit Behinderung noch die speziellen Spesen in Zusammenhang mit der Behinderung abziehbar. Dazu zählen der Kauf von Rollstühlen, Rollstuhlrampen, Umbau von Aufzügen für Rollstühle, Kauf von Motor- und Autofahrzeugen (auch nicht speziell angepasste Fahrzeuge für den Transport von Blinden und Taubstummen), Kauf eines Blindenhundes.

Zinsen aus Hypothekardarlehen: Die Zinsen und andere Spesen aus Hypothekardarlehen sind für den Kauf der Erstwohnung bis zu einem Maximalbetrag von 4000 Euro bzw. für den Bau der Erstwohnung bis zu einem Maximalbetrag von 2582,28 Euro in Höhe von 19 Prozent von der Steuer absetzbar. Zusätzlich ist eine Reihe weiterer Bedingungen einzuhalten, die im Einzelfall zu prüfen sind.

Zinsen aus Agrarkrediten:
Zinsen aus Agrarkrediten können in Höhe von 19 Prozent bis maximal zur Höhe der erklärten Katastererträge abgesetzt werden. Im Falle der Befreiung von der Besteuerungspflicht der Katasterwerte für bauernversicherte Landwirte können die Zinsen nicht mehr in Abzug gebracht werden.

Lebens- und Unfallversicherungen: Lebens- und Unfallversicherungen sind in Höhe von 19 Prozent steuerlich absetzbar, falls sie den Todesfall oder bleibende Invalidität von mindestens fünf Prozent abdecken. Der Maximalbetrag wurde seit 2014 auf 530 Euro reduziert. Der Absetzbetrag gilt auch für „zu Lasten“ lebende Personen.
Für Versicherungen zur Absicherung der Betreuungsbedürftigkeit bei den gewöhnlichen und täglichen Verrichtungen (Pflegeversicherungen – „Long term care“) gilt weiterhin die alte Höchstgrenze in Höhe von 1291,14 Euro. Lebens- und Unfallversicherungen zum Schutz von behinderten Personen können bis zu einem Höchstbetrag von 750 Euro von der Steuer abgesetzt werden.

Bestattungsspesen: Bestattungsspesen können in Höhe von 19 Prozent bis höchstens 1550 Euro für jeden Todesfall abgesetzt werden. Die verstorbene Person muss nicht verwandt oder verschwägert sein.

Einschreibegebühren for Amateursportvereine: Für die jährlichen Einschreibegebühren bzw. Abonnements von Schwimmbäder, Turnhallen oder anderen Sportanlagen für „zu Lasten“ lebende minderjährige Kinder zwischen fünf und 18 Jahren für die Ausübung eines Amateursports kann auf maximal 210 Euro pro Kind ein Absetzbetrag in Höhe von 19 Prozent beansprucht werden.

Schul- und Kindergartengebühren: Die Schulgebühren für Grund-, Mittel- und Oberschulen sowie die entsprechenden Gebühren für Kindergärten sind in Höhe von 19 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 717 Euro pro Jahr und pro zu Lasten lebendes Kind von der Bruttosteuer absetzbar. Für das Steuerjahr 2018 steigt der Höchstbetrag auf 786 Euro und ab dem Steuerjahr 2019 auf 800 Euro. Zu den absetzbaren Schulspesen zählen die Einschreibegebühren („Tassa di iscrizione“), die Gebühren für den Besuch („Tassa di frequenza“) und die Spesen für den Mensadienst („Spese per la mensa scolastica“).

Kinderhorte und Tagesmutterdienst: Die bezahlten Einschreibegebühren für den Besuch von öffentlichen und privaten Kinderhorten sind in Höhe von 19 Prozent bis maximal 632 Euro pro Kind absetzbar. Der Absetzbetrag gilt auch für den in der Provinz Bozen angebotenen Tagesmutterdienst.

Studiengebühren: Studiengebühren öffentlicher und privater Institutionen können in Höhe von 19 Prozent von der Bruttosteuer abgesetzt werden. Die Gebühren von privaten und ausländischen Institutionen dürfen allerdings nur maximal in Höhe der Gebühren der öffentlichen Institutionen abgesetzt werden. Mit eigenem Ministerialdekret werden jedes Jahr die maximal absetzbaren Spesen pro Studiengang für die privaten und ausländischen Universitäten festgelegt. Der Absetzbetrag gilt auch für zu Lasten lebende Personen.

Mieten von Universitätsstudenten: Die Wohnungsmieten für Universitätsstudenten, die steuerlich „zu Lasten“ sind und an einer Universität außerhalb der Provinz und mindestens 100 Kilometer vom Wohnort entfernt studieren, können bis maximal 2633 Euro in Höhe von 19 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Der Absetzbetrag gilt auch für Mietspesen im Ausland.
Für Studenten mit Wohnsitz im Berggebiet sind die Voraussetzungen beschränkt für die Steuerjahre 2017 und 2018 gelockert worden. Die Universität muss nicht mehr zwingend außerhalb der Provinz liegen und nur mehr 50 Kilometer entfernt sein.

Tierarztspesen: Für Haustiere und Tiere, die zur Ausübung eines Sports vorgesehen sind, können Tierarztspesen und die vom Tierarzt verschriebenen Medikamente bis maximal 387,34 Euro und einem Sockelbetrag von 129,11 Euro in Höhe von 19 Prozent abgesetzt werden. Keinen Absetzbetrag erhält man für Tierarztspesen für Tiere, die landwirtschaftlich oder gewerblich genutzt werden.

Freiwillige Zuwendungen (Spenden): Freiwillige Zuwendungen (Spenden) können abgesetzt oder abgezogen werden, sofern sie zugunsten bestimmter Institutionen getätigt werden (s. Tabelle 1).

Tabelle Steuern

Pflichtbeiträge zur Bauernversicherung: Pflichtbeiträge zur Bauernversicherung können vom Gesamteinkommen abgezogen ­werden. Abziehbar ist sowohl der Teil der ­So­zialabgaben als auch der Teil der Unfallversicherung. Nicht abziehbar sind die Sozialabgaben für landwirtschaftliche Angestellte. Erfolgt eine Rückerstattung seitens der Region, ist dieser Anteil nicht anrechenbar.

Sozialabgaben Handwerker und Kaufleute: Sozialabgaben der Handwerker und Kaufleute sind vom Gesamteinkommen abziehbar.

Freiwillige Versicherungsbeiträge: Freiwillige Versicherungsbeiträge (z. B. Nachkauf der Studien- oder Militärjahre) sind vom Gesamteinkommen abziehbar.

Unterhaltszahlungen an Ex-Ehepartner: Periodische Unterhaltszahlungen sind in der laut Gerichtsurteil festgesetzten Höhe abziehbar. Freiwillige Zuwendungen an den Ex-Ehepartner und die Zahlungen für den Unterhalt der Kinder dürfen nicht berücksichtigt werden. Der begünstigte Ex-Ehepartner muss die erhaltenen Unterhaltszahlungen besteuern.

Beiträge an Zusatzrentenfonds: Beiträge an Zusatzrentenfonds können bis maximal 5164,57 Euro abgezogen werden. Falls die Beiträge nicht abgezogen werden und der Steuerpflichtige dies dem Rentenfonds innerhalb Dezember des Folgejahres auch mitteilt, werden die in Kapital- oder Rentenform ausbezahlten Beträge nicht besteuert. Der Absetzbetrag gilt auch für zu Lasten lebende Personen. Falls die Beiträge an Zusatzrentenfonds bereits vom Arbeitgeber berücksichtigt worden sind, können diese nicht noch einmal in der Steuererklärung in Abzug gebracht werden.

Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten: Der Steuervorteil für Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten kann für folgende Arbeiten beansprucht werden:
- außerordentliche Instandhaltungsarbeiten;
- Sanierungs- und Wiedergewinnungsarbeiten;
- Ankauf einer renovierten Wohnung (25 Prozent des Kaufpreises);
- Ankauf oder Bau von Garagen bzw. Autoabstellplätzen, welche Zubehör zu einer Wohnung sind;
- Eingriffe an Gebäuden zur Verbesserung der Einbruchs- und Unfallvorsorge;
- Eingriffe zur Beseitigung von architektonischen Barrieren;
- Eingriffe für Energiesparmaßnahmen,
- Eingriffe zum Wiederaufbau nach Naturkatastrophen.

Für Eingriffe bis zum 31. Dezember 2018 ist der Absetzbetrag von 36 Prozent auf 50 Prozent und der Maximalbetrag für die Spesen von 48.000 Euro auf 96.000 Euro erhöht worden. Die Spesen müssen auf insgesamt zehn Raten aufgeteilt werden.
Es muss darauf geachtet werden, dass alle notwendigen Ansuchen (z. B. an das Landesamt für Sicherheitstechnik) getätigt worden sind und alle weiteren vorgesehenen Vorschriften eingehalten werden.

Möbel und Elektrogeräte für sanierte Wohnungen: Steuerpflichtige, die den Steuerabsetzbetrag für Sanierungsarbeiten am Wohngebäude beansprucht haben, haben die Möglichkeit, für die sanierte Wohnung einen zusätzlichen Absetzbetrag für den Ankauf von Möbeln und energieeffizienten Elektrogeräten zu beanspruchen. Der zusätzliche Absetzbetrag in Höhe von 50 Prozent kann bis zu einem Maximalbetrag von 10.000 Euro pro Wohneinheit (inklusive Nebeneinheiten) beansprucht werden.

Spesen für Energiesparmaßnamen: Der Steuerabsetzbetrag für Energiesparmaßnahmen in Höhe von 65 Prozent gilt bis 31. Dezember 2018 und kann auf zehn Raten aufgeteilt werden. Der Absetzbetrag gilt bis zu einem Höchstbetrag laut Tabelle 2 (siehe oben). Für einige Eingriffe für Energiesparmaßnahmen wird der Absetzbetrag seit 1. Jänner 2018 von 65 Prozent auf 50 Prozent reduziert: Austausch von Isolierfenstern, Installation von Sonnenschutzsystemen, Austausch einer Heizanlage mit Brennwertkessel und Austausch einer Heizanlage mit Biomasse.
Um in den Genuss des Steuerabsetzbetrages von 65 Prozent zu gelangen, muss kein eigenes Ansuchen im Vorfeld der Eingriffe gemacht werden. Innerhalb von 90 Tagen nach Abschluss der Arbeiten müssen abhängig von den durchgeführten Arbeiten verschiedene Zertifizierungen und Dokumente telematisch über ein Internetportal an die ENEA geschickt werden.
Außerdem benötigt der Steuerpflichtige eine eidesstattliche Erklärung von einem berechtigten Techniker über die Einhaltung der technischen Voraussetzungen des Eingriffs, die zu Hause aufbewahrt und auf Verlangen der Finanzbehörde vorgewiesen werden muss.

Pachtverträge bauernversicherter Junglandwirte: Für landwirtschaftliche Pachtverträge, die von bauernversicherten Landwirten unter 35 Jahren abgeschlossen worden sind, steht ein Absetzbetrag in Höhe von 19 Prozent zu. Der Absetzbetrag steht bis zu einem Betrag von 80 Euro pro Hektar und insgesamt bis maximal 1200 Euro zu. Der Pachtvertrag muss in schriftlicher Form abgeschlossen werden, und die Pachtflächen dürfen nicht den Eltern des Pächters gehören.