Südtiroler Landwirt, Seniorenvereinigung | 29.03.2018

Großer Zusammenhalt, magere Rente

Die Seniorenvereinigung setzt auf Kontinuität: Präsident Gottfried Oberstaller wurde auf der Landesversammlung fast einstimmig bestätigt. Er versprach, weiterhin die gute Gemeinschaft zu pflegen. Von der Politik wünscht er sich einen spürbaren Einsatz für eine angemessene Rente. von Guido Steinegger

Ehrenzeichen in Silber für acht scheidende Ortspräsidenten (sitzend, Namen im Text, S. 5). Die Bezirkspräsidenten (stehend) verlasen die Laudatio.

Ehrenzeichen in Silber für acht scheidende Ortspräsidenten (sitzend, Namen im Text, S. 5). Die Bezirkspräsidenten (stehend) verlasen die Laudatio.

Er ist ein Mann der harmonischen, humorvollen Töne. Vielleicht gerade deshalb genießt Gottfried Oberstaller bei den bäuerlichen Senioren in Südtirol hohes Ansehen. Das beweist seine Wiederwahl bei der Landes­versammlung der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund vor zwei Wochen in Nals: Fast einstimmig – mit 281 von 288 Stimmen – sprachen die Delegierten ihrem Präsidenten aus Taisten ihr Vertrauen aus. Ähnlich deutlich wurden auch die Stellvertreter Theresia Agreiter Larcher aus Vahrn  (276) und Johann Weissensteiner aus Montan (238) in ihrem Amt bestätigt.
Oberstaller nahm die Wiederwahl durch die rund 400 Delegierten bescheiden entgegen: „Ich werde mich weiterhin bemühen, der Aufgabe der Seniorenvereinigung gerecht zu werden, aber das kann ich nur, weil auch ihr auf Orts- und Bezirksebene und im Landesausschuss das Eure leistet. Dafür ein aufrichtiges ,Vergelt’s Gott!‘.“

Miteinander.Freude.Leben
Ziel der rund 13.900 Mitglieder zählenden Vereinigung ist es, sich für die Anliegen der älteren Menschen des Landes einzusetzen, in erster Linie der Altbauern und Altbäuerinnen. Ihnen will die Seniorenvereinigung Halt geben, wie das Motto der heurigen Versammlung „Miteinander.Freude.Leben“ verdeutlicht. Oberstaller vergleicht die Vereinigung mit einem Puzzle, in dem „viele sehr unterschiedliche Teile zusammenfinden: Wenn auch nur eines fehlt, kann das Ganze nicht entstehen.“ Das Miteinander sei gerade für älter werdende Menschen wichtig, um aktiv zu bleiben, sich wertgeschätzt zu fühlen und nicht zu vereinsamen. Der Jahresrückblick und die Vorausschau auf 2018 zeigten, wie viel die Seniorenvereinigung hier anbietet: ­Freizeitaktivitäten wie Reisen, Erholungswochen, Kegeln, Seniorennachmittage und
Wanderungen, aber auch Weiterbildungen,
karitative Aktivitäten oder die Pflege des christlichen Glaubens.
„Dieses Miteinander schafft Freude“, sagte Oberstaller, „das sehe ich bei unseren vielen Reisen, Weiterbildungen, Seniorennachmittagen usw. – und zwar Freude für die organisierenden Funktionäre ebenso wie für die teilnehmenden Mitglieder.“ Diese Freude könne dann jeder hinaustragen in sein eigenes Leben, womit das Motto der zwar durch einen Punkt getrennten, aber dennoch eng zusammengehörenden Wörter „Miteinander.Freude.Leben“ komplett sei.

Angemessene Mindestrente nötig
Doch das Leben der älteren Menschen auf Südtirols Bauernhöfen verläuft bei Weitem nicht sorgenfrei. „Oft sind die Lebensverhältnisse äußerst bescheiden“, sagte Oberstaller. Am Rande der Versammlung wurde er deutlicher: „Die mehr als 13.000 Mitglieder erhalten im Schnitt eine Rente von 500 Euro. Da sind wir schlecht aufgestellt.“ Und doch wurde die Rente in den vergangenen Jahren nicht angehoben, nicht einmal um die Inflation! „Dabei wird uns vor jeder Wahl eine Mindestrente von 700 Euro versprochen“, ärgert sich Oberstaller. Er weiß, dass dies von Italien abhängt und es schwer ist, dort etwas zu bewegen. Dennoch erwartet er sich, „dass sowohl unsere neuen Parlamentarier in Rom als auch die Landespolitiker das Thema Lebensabsicherung ernsthaft in die Hand nehmen und Lösungen einfordern“.
Landesrat Arnold Schuler bestätigte: „Die Rentenabsicherung lässt zu wünschen übrig. Da gibt es noch einiges zu tun, auch wenn wir in der laufenden Legislaturperiode einige Dinge verbessert haben.“

Achtmal Ehrenzeichen in Silber
Wie aktiv die Funktionäre der Seniorenvereinigung sind, zeigte sich auch bei der feierlichen Verleihung des Ehrenzeichens in Silber – der zweithöchsten Auszeichnung des Vereines – an gleich acht scheidende Ortspräsidentinnen und -präsidenten. Mindestens neun Jahre waren sie ehrenamtlich für die Seniorenvereinigung tätig, doch bei einigen stehen stattliche 20 Jahre und mehr zu Buche, vor allem bei Flora Kasseroler Mantinger, die 26 Jahre lang in der Ortsgruppe Teis ehrenamtlich mitwirkte (im Bild sitzend, 7. v. l.) und Johann Pichler, der in der Ortsgruppe von St. Martin i. P., 25 Jahre lang tätig war (sitzend, 4. v. l.). Die weiteren Geehrten sind (sitzend v. l.) Marianna Spergser Tumler (Göflan, 21 J.), Ida Fischer Alber (Nördersberg, 23 J.), Theresia Gufler Lanthaler (St. Leonhard i. P., 12 J.), Ferdinand Wiedenhofer (Jenesien, 12 J.), Maria Priller Mitterrutzner (St. Andrä bei Brixen, 9 J.) und Josef Mair (Bruneck, 9 J.).
Die Bezirkspräsidenten (stehend) verlasen die Laudatio – und wie ein roter Faden zog sich durch, wie sehr die Geehrten alle „ihre“ Ortsgruppe ins Herz geschlossen und sich um viele geeignete Veranstaltungen, eine gute Gemeinschaft und gegen die Vereinsamung der Mitglieder bemüht haben.

Respekt vor Lebensleistung
Viel Anerkennung und Respekt gab es in den Grußworten. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler lobte das „Miteinander in der Seniorenvereinigung, das in der Landwirtschaft insgesamt Tradition hat: Man denke nur an die Genossenschaften und Interessentschaften, die vielfach eure Generation aufgebaut hat. Dafür ein großer Dank“!
Zu den drei Worten des Tagesmottos – Miteinander.Freude.Leben – sollte man laut Tiefenthaler den „Frieden“ hinzufügen: „Es gab im vorigen Jahrhundert zwei Weltkriege, eure Generation hat das zum Teil  noch miterlebt. Wenn wir in der Europäischen Union nun seit so vielen Jahren Frieden haben, ist das nicht selbstverständlich. Er ist aber der unverzichtbare Rahmen für ein Zusammenleben in Freude.“
Auch Landesrat Schuler erinnerte daran, dass „der heutige Wohlstand in unserem Land von eurer Generation aufgebaut wurde – und das maßgeblich auch von den Bauern, die in jeder Generation die Höfe nicht nur bewahrt, sondern ständig verbessert haben“. Zudem sei es in den bäuerlichen Familien weitgehend gelungen, die Freude an der bäuerlichen Arbeit an die Jungen weiterzugeben: „Das ist enorm wichtig und sorgt dafür, dass Südtirols Höfe immer noch rund 20.000 Familien eine ­‚Hoamat‘ bieten.“
Der Präsident des nationalen Rentnerverbandes der Coldiretti lobte die Seniorenvereinigung als „Vorbild“ und die Südtiroler als ein Volk, „das es versteht, geeint aufzutreten eine gesunde Gesellschaft zu erhalten.“
Der Präsident des Südtiroler Seniorenbundes, Otto von Dellemann, dankte der Seniorenvereinigung für die Zusammenarbeit und ging dann nochmals auf die Rente ein: „Ich appelliere an die Landesregierung: Da müssen wir uns etwas einfallen lassen!“

Messfeier: Gemeinschaft als Rad
In der Messfeier zu Beginn der Landesversammlung hatte Pfarrer Richard Sullmann die Gemeinschaft mit einem Rad verglichen: „Die Gemeinschaft ist wie der Rahmen des Rades: Er verbindet uns, gibt uns Halt im Leben und bewegt alles gemeinsam in eine Richtung. Die Speichen sind die Menschen, und die Nabe in der Mitte ist Gott als Zentrum, um das sich alles dreht.“