Steuerberatung | 15.03.2018

Pauschal- oder Normalsystem?

Was die Unterschiede der beiden Mehrwertsteuer-Systeme in der Landwirtschaft sind und welche Vor- und Nachteile sie haben, erklärt die Bauernbund-Steuerberatung im folgenden Bericht. von Christian Mair, SBB-Steuerberatung

Bei Verkauf nicht-landwirtschaftlicher Produkte  besteht Registrierkassen- bzw. Quittungspflicht. (Foto: www.pixabay.com)

Bei Verkauf nicht-landwirtschaftlicher Produkte besteht Registrierkassen- bzw. Quittungspflicht. (Foto: www.pixabay.com)

So funktioniert das Pauschalsystem in der Landwirtschaft: Registerführende Landwirtschaftsbetriebe wenden ein Mehrwertsteuer-Pauschalsystem an. Die Verkäufe werden mit den normalen MwSt.-Sätzen fakturiert und der Mehrwertsteuerbetrag wird vom Kunden kassiert. Davon kann dann der sogenannte Kompensierungssatz in Abzug gebracht werden. Dieser ersetzt die ausgegebene Mehrwertsteuer aus dem Einkauf (Kauf Futtermittel, Spritzmittel, Investitionen usw.). Die Differenz muss beim nächsten trimestralen oder monatlichen MwSt.-Abschluss eingezahlt werden.
Die Mehrwertsteuer, die für den Einkauf ausgegeben wird, wird im Pauschalsystem nicht berücksichtigt. Kompensierungssätze gelten nur für landwirtschaftliche Produkte und sind in einer eigenen amtlichen Tabelle festgelegt.

Vorteile des Pauschalsystems
Das MwSt.-Pauschalsystem soll den Landwirtschaftsbetrieben folgende Erleichterungen bringen: Der landwirtschaftliche Betrieb soll durch die Anwendung des MwSt.-Pauschalsystems einen geringeren bürokratischen Aufwand als andere Unternehmen haben. Dies trifft insbesondere auf kleinere Betriebe zu, die vollständig von der MwSt.-Registerführung befreit sind.
Der Kompensierungssatz ersetzt die Mehrwertsteuer aus dem Einkauf (z. B. Futtermittel, Spritzmittel, aber auch Investitionen). Dies sollte für den einzelnen Bauern auch ein finanzieller Vorteil sein. Ein Landwirtschaftsbetrieb kann frei entscheiden, ob er das Pauschalsystem oder das Normalsystem anwenden will. Bei hohen Investitionen oder außerordentlichen Einkäufen kann langfristig die MwSt.-Verrechnung im Normalsystem von Vorteil sein.
Landwirtschaftsbetriebe im MwSt.-Pauschalsystem haben innerhalb der Europäischen Union jährlich eine Freigrenze von 10.000 Euro. Bis zu diesem Betrag können sie Produkte in anderen EU-Mitgliedsstaaten kaufen und der ausländischen Mehrwertsteuer unterwerfen. Es braucht keine Intrastat-Meldung abgefasst zu werden.
Landwirtschaftsbetriebe im Pauschalsystem, die Detailhandel betreiben, sind vom Führen der Registrierkasse bzw. vom Ausstellen der Steuerquittung befreit, solange der Betrieb ausschließlich seine eigenen landwirtschaftlichen Produkte direkt an Endverbraucher (Konsumenten) verkauft. Landwirtschaftliche Produkte sind dabei jene, für die der Gesetzgeber einen Kompensierungssatz vorgesehen hat. Werden aber andere Produkte angeboten, dann besteht für den Verkäufer Registrierkassenpflicht bzw. die Verpflichtung, Steuerquittungen auszustellen.

So wählt man das Normalsystem
Jeder Landwirtschaftsbetrieb kann zu Jahresbeginn das MwSt.-Pauschalsystem verlassen und die ordentliche Mehrwertsteuerabrechnung (Normalsystem) anwenden. In diesem Fall wird die kassierte Mehrwertsteuer mit der ausgegebenen Mehrwertsteuer verrechnet und die Differenz ergibt ein MwSt.-Guthaben oder eine MwSt.-Schuld gegenüber dem Staat.
Die Option für das Normalsystem muss mit Jahresbeginn vorgenommen werden. Es ist für mindestens drei Jahre bindend und verlängert sich dann jeweils um ein Jahr bis auf Widerruf. Nach drei Jahren kann der Betrieb jederzeit aus dem Normalsystem aussteigen. Allerdings muss die Berichtigung der abgezogenen Mehrwertsteuer – insbesondere auf Anlagegüter – vorgenommen werden.

Vorteile des Normalsystems
Das MwSt.-Normalsystem ist dann vorteilhaft, wenn der MwSt.-Abzug durch den Kompensierungssatz kleiner ist als die MwSt. auf die Einkäufe. Dies ist der Fall, wenn der Kompensierungssatz gering ist, beispielsweise bei der Waldwirtschaft. Oder aber: Die Mehrwertsteuer auf Einkäufe ist hoch, da Investitionen in Maschinen oder Wirtschaftsgebäude getätigt werden. In diesen Fällen muss allerdings die ausgegebene MwSt. auf fünf bzw. zehn Jahre aufgeteilt werden.

Was sich im Normalsystem ändert
Durch die Wahl des Normalsystems ergeben sich für den Landwirtschaftsbetrieb eine Reihe von Änderungen: Der Kompensierungssatz kann nicht verrechnet werden.
Die Steuerschuld ist die Differenz zwischen kassierter und ausgegebener Mehrwertsteuer.
Bei Detailverkäufen an Endverbraucher muss ein Kassenbeleg oder eine Steuerquittung ausgestellt werden. Es gibt in diesem System keine Freigrenze für die MwSt.-Registerführung. Für Einkäufe aus anderen EU-Mitgliedsstaaten gilt die Freigrenze von 10.000 Euro nicht.