Südtiroler Landwirt | 15.03.2018

Hohe Grundfutterqualität bringt’s

Mehr als die Hälfte der Kosten in der Milcherzeugung entfallen auf die Fütterung und die Futterproduktion. Eine hohe Grundfutterleistung senkt die Kosten und ist somit die Voraussetzung für eine wirtschaftlich rentable Milchproduktion. von Hannes Klocker und Thomas Prünster, BRING

Eine hohe Qualität beim Grundfutter ist eine wichtige Voraussetzung für gesunde Tiere und eine rentable Milchproduktion.

Eine hohe Qualität beim Grundfutter ist eine wichtige Voraussetzung für gesunde Tiere und eine rentable Milchproduktion.

Besonders zu Beginn der Laktation ist eine Milchkuh aufgrund der noch niedrigeren Futteraufnahme auf hoch verdauliches Grundfutter, bei entsprechend hoher Energie- und Proteindichte, angewiesen. Zudem muss das Futter hygienisch einwandfrei sein, also nicht verschimmelt oder verpilzt. Sind diese Grundsätze erfüllt, so ist das Grundfutter für die Tiere auch schmackhaft und steigert die Fresslust der Kuh.
Die Grundfutterqualität wird somit unter anderem durch die Inhaltsstoffe und die Schmackhaftigkeit des Futters bestimmt, und sie ist das Geheimnis einer hohen Futteraufnahme. Die Grundfutteraufnahme wird neben der Futterqualität natürlich auch von anderen Faktoren wie Tiergesundheit, Tierkomfort und Kraftfuttereinsatz beeinflusst.

Kraftfutter verdrängt Grundfutter
Mit zunehmendem Kraftfuttereinsatz wird nämlich weniger Grundfutter aufgenommen, man spricht von einer Grundfutterverdrängung. Im Durchschnitt wird mit einem Kilogramm Kraftfutter die Aufnahme von Grundfutter um 0,5 Kilogramm verdrängt. Der Kraftfutteranteil ist also neben der Grundfutterqualität, welche unter anderem von der Artenzusammensetzung des Pflanzenbestandes, dem Schnittzeitpunkt sowie der Konservierungsmethode abhängt, ein entscheidender Faktor für die Futteraufnahme. Eine hohe Grundfutterqualität fördert zudem nicht nur die Gesamtfutteraufnahme, sondern durch die erhöhte Konzentration von Nährstoffen wie Energie und Eiweiß kann der Kraftfuttereinsatz reduziert werden (siehe Tabelle).

Spezial LW 5 Tabelle


Damit diese Grundsätze jedoch erfüllt werden können, muss bereits bei der Grundfutterbereitung die Qualität das höchste Ziel sein. Zunächst müssen dazu die Pflanzenbestände in Schuss gehalten werden. Hier ist das Ziel, die Gräser mit einem Anteil von 70 Prozent im Bestand zu halten. 30 Prozent des Bestandes dürfen auf Klee und gewünschte Futterkräuter entfallen. Während Futtergräser vor allem den Zuckergehalt und damit verbunden den Energiegehalt steigern, erhöhen Leguminosen den Eiweißgehalt des Futters. Passt neben dem Pflanzenbestand auch der Schnittzeitpunkt, so können Energiegehalte von 6 MJ NEL und Proteingehalte von 13 bis 14 Prozent im Durchschnitt über alle Schnitte erzielt werden. Besonders beim ersten Aufwuchs ist der Schnittzeitpunkt besonders wichtig für die Qualität, da die Verdaulichkeit und somit die Energie- und Proteindichte aufgrund des schnelleren Pflanzenwachstums stärker abnimmt als bei den Folgeschnitten. Diese sind einem verspäteten Schnittzeitpunkt gegenüber etwas toleranter.

Spezial LW 5 Grafik 1

Auf Sauberkeit achten
Zur guten Erhaltung eines Dauerwiesenbestandes gehört auch eine Schnitthöhe von mindestens sechs Zentimeter. Nebenbei wirkt sich dies auch auf die Sauberkeit des Futters aus, da die Kreisler und Schwader weniger tief eingestellt werden müssen. Nach dem Mähen müssen alle weiteren Arbeitsschritte so ausgeführt werden, dass das Futter möglichst frei von Bröckelverlusten in den Heustock bzw. in das Silo kommt. Bei der Silagebereitung ist ein Trockenmassegehalt von 30 bis 40 Prozent anzustreben. Dies hat einen positiven Einfluss auf die Gärqualität, da der Pflanzenzucker in konzentrierterer Form vorliegt. Bei der Heubereitung soll es das Ziel sein, das Futter innerhalb von zwei Sonnentagen unter Dach zu haben und den Trocknungsprozess dort abzuschließen. Eine schlagkräftige Trocknungsanlage ist dazu notwendig.

„Jüngeres“ Futter hat mehr Energie
Die Nutzungsintensität, sprich die Schnitthäufigkeit, spielt natürlich ebenso eine wichtige Rolle in der Produktion von hochwertigem Grundfutter. Je öfter eine Fläche gemäht wird, desto kürzer werden die Schnittintervalle und desto „jünger“ wird das Futter. Folglich sind in diesem Futter unter anderem die Energiegehalte und die Verdaulichkeit erhöht (siehe Grafik 2). Es muss aber grundlegend berücksichtigt werden, dass die Schnitthäufigkeit an den jeweiligen Standort, Exposition und Pflanzenbestand angepasst sein sollte, da ansonsten die Flächen bei einer Unter- oder Übernutzung rasch verkrauten. Eine Extensivierung oder Intensivierung der Flächen muss deshalb genau geplant und alle Faktoren müssen berücksichtigt werden.

Spezial LW 5 Grafik 2

Energieloch möglichst rasch überwinden
Schlechte Grundfutterqualität lässt sich nicht einfach mit höheren Kraftfuttergaben ausgleichen, da die Einsatzmenge aufgrund der Wiederkäuer-Gerechtheit der Ration nicht unendlich hoch sein kann. Wie eingangs erwähnt wurde, ist es besonders zu Laktationsbeginn wichtig, den Tieren Grundfutter von bester Qualität vorzulegen und die Ration möglichst optimal zu ergänzen. Die Tiere befinden sich in dieser Laktationsphase immer in einem Energiedefizit, und Körperreserven müssen mobilisiert werden. Je früher die Kühe dieses Energieloch überwinden, desto früher werden sie wieder trächtig. Die optimale Grundfutterqualität stellt also neben den Haltungsbedingungen die Weichen für ein hohes Maß an Tiergesundheit, gute Milchleistungen, verbesserte Fruchtbarkeitsleistungen und schlussendlich Tiere, die länger im Betrieb bleiben.
Die Berater des BRING sind für Beratungen im Bereich Grünland, Futterbau und Fütterung gerne verfügbar.

Mehr Infos gibt es direkt beim Beratungsring Berglandwirtschaft BRING.