Südtiroler Landwirt, Betriebsberatung | 15.03.2018

Die wirtschaftlichen Ziele im Griff

Betriebswirtschaft am Bauernhof ist wichtig. Was sie bedeutet und wie man sie optimal umsetzt, beschreibt eine neue Fachbroschüre des Südtiroler Bauernbundes (S. 33). Das einführende Kapitel setzt sich grundsätzlich mit dem Thema auseinander. von SBB-Betriebsberatung

Laut Lehrbuch ist ein Betrieb eine technische und organisatorische Produktionseinheit, in der der Betriebsleiter die Produktionsfaktoren einsetzt. Anders gesagt: Er produziert damit landwirtschaftliche Güter, z. B. Milch, Obst, Trauben oder Fleisch. Letztlich folgt ein landwirtschaftlicher Betrieb den gleichen Prinzipien wie ein beliebig anderes Unternehmen aus der Wirtschaft: Er wird versuchen, möglichst gewinnorientiert zu arbeiten, darf dabei aber auch die Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verlieren. Er wird sich bemühen, seine Tiere gesund und seine Wiesen, Obst- oder Rebanlagen in einem guten Zustand zu halten.
Die Betriebswirtschaft kümmert sich um das Management: Dabei geht es nicht darum, welche Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, wie man seine Tiere versorgt oder das Beste aus seiner Wiese herausholt, sondern um die Organisation, die Verwaltung und die Finanzen.
Die Betriebswirtschaft stellt die Instrumente und die Steuerungsmechanismen zur Verfügung, mit denen der Landwirt rechnerisch kontrollieren kann, ob er seine wirtschaftlichen Ziele erreicht. Mit ihnen kann er zu hohe Kosten oder nicht rentable Tätigkeiten ermitteln und zukünftige Produkte oder Tätigkeiten besser planen. Eine Schlüsselrolle kommt dem Finanzwesen und der Liquiditätsplanung zu. Es passiert immer wieder, dass Betriebe durch große Investitionen wie den Neubau eines Wirtschaftsgebäudes in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Nicht selten wird dadurch die Existenz des gesamten Betriebes gefährdet.

Wirtschaftlichkeit im Landwirtschaftsbetrieb
Immer wieder ist von Krisen in der Landwirtschaft die Rede. Dabei zeigt sich die ­Sonderrolle der Landwirtschaft: Häufig lassen sich kurzfristig keine hohen Gewinne einfahren. Trotzdem hat die Produktion von Lebensmitteln stets einen hohen Stellenwert, zumal auch in schwierigen Zeiten mit stagnierendem oder sinkendem Einkommen die Ernährung der Bevölkerung aufrechterhalten werden muss.
Im Unterschied zu herkömmlichen Betrieben prägt die Natur einen landwirtschaftlichen Betrieb und seinen Erfolg. Das Ergebnis eines Wirtschaftsjahres hängt nicht allein vom Einsatz und den Fähigkeiten des Betriebsleiters und vom Markt ab, sondern auch von den vielfältigen externen Einflüssen: Ungünstige Witterungsverhältnisse können alle Mühen zunichtemachen. Man denke an einen trockenen Sommer, in dem kein Heu wächst, oder an einen Hagelschlag, der innerhalb kürzester Zeit die Ernte zerstört.

Guter Leiter, gutes Ergebnis
Trotzdem gelingt es vielen Landwirten, mit solchen Rückschlägen zurechtzukommen und über Jahre erfolgreich zu wirtschaften. Die Buchführungsergebnisse des Südtiroler Bauernbundes zeigen sehr deutlich den Einfluss guter Betriebsleiter auf das Betriebsergebnis: Betriebe von ähnlicher Größe und Ausrichtung können sich in ihren Erträgen, Kosten und Gewinnen deutlich unterscheiden.
Eines ist klar: Mit Nachrechnen kann man unmittelbar kein Geld verdienen. Trotzdem zahlt es sich aus, die Wirtschaftlichkeit der laufenden Tätigkeit Jahr für Jahr zu überprüfen. Nur so kann festgestellt werden, ob, wo und wie etwas verbessert werden kann.
Landwirte sind von der Steuergesetzgebung her nicht verpflichtet, ihr Einkommen rechnerisch zu ermitteln. Vielmehr kommen Katasterwerte und pauschale Abrechnungen zur Anwendung. Mangelndes Interesse, zeitliche Aspekte und der ohnehin schon gegebene bürokratische Aufwand halten die Motivation für detailliertere Auswertungen in Grenzen. Zudem werden oftmals private und betriebliche Zahlungen über dasselbe Bankkonto abgewickelt. Das hat zur Folge, dass nur wenige Betriebe über Aufzeichnungen der effektiven Zahlungsströme verfügen.

So kommt es häufig vor, dass Bauern zwar eine Rechnung nach der anderen zahlen, die tatsächlichen Kosten ihres Betriebes aber gar nicht kennen. Abschreibungen von Maschinen und Gebäuden oder von Obst- und Rebanlagen werden oft nicht beachtet, weil der Betrieb dieses Geld zwar für Ersatzinvestitionen auf die Seite legen sollte, aber, anders als beim Zahlen einer Rechnung, nicht unmittelbar dazu gezwungen ist. Pkw-Kosten, Ausgaben für Energie und Wasser, Bankspesen oder diverse Versicherungen werden nicht immer mit dem Betrieb in Verbindung gebracht. Im Regelfall hinterfragt der Landwirt sein jährliches Betriebsergebnis nicht besonders. Erst außerordentliche Situationen wie ein größeres Bauvorhaben, eine unruhige Bank oder der Einstieg eines motivierten Betriebsnachfolgers veranlassen zu detaillierteren Analysen.

„Manager“-Rolle immer wichtiger
Wollen landwirtschaftliche Betriebe im stetig globaleren und hart umkämpften Markt langfristig konkurrenzfähig bleiben, muss der Betriebsleiter eine immer wichtigere Rolle als „Manager“ der verschiedenen betriebswirtschaftlichen Schlüsselfaktoren einnehmen. Wurden bis heute steigende Produktionskosten durch höhere Produktionsmengen je Flächeneinheit aufgefangen, so wird für den betrieblichen Erfolg künftig vor allem eine durchdachte Kosten- und Ertragsplanung entscheidend sein. Jeder Betrieb wird mehr denn je gefordert sein, eine individuelle Strategie zu fahren.

Den Kostenfressern auf der Spur
Nur durch Aufzeichnungen und Auswertung können Kostenfresser sowie Einsparungs- und Optimierungsmöglichkeiten erhoben werden. Die Kostenrechnung stellt hierzu ein einfaches und zielführendes Werkzeug dar. Produktionskosten und Erträge sowie sich daraus ergebende Kennzahlen können ermittelt und Entscheidungen davon abgeleitet werden. Über die Kostenrechnung ist zudem eine Standortbestimmung möglich. Durch Vergleiche mit Kennzahlen oder Durchschnittswerten kann der Betriebsleiter relativ schnell abschätzen, wie der eigene Betrieb im Vergleich zu Mitbewerbern dasteht.
Bei geplanten Investitionen und Zusatzangeboten (u. a. Zuerwerbszweige, Produktverarbeitung, Direktvermarktung) hilft die Kostenrechnung, jene Preise und Mengen zu bestimmen, welche erzielt werden müssen, damit sich der Mehraufwand lohnt. Sie hilft, Umsetzbarkeit, Sinnhaftigkeit und verbundenes Risiko aufzuzeigen, und dient als wesentliche Entscheidungsgrundlage.

Informationen und Beratung rund um die Betriebswirtschaft gibt es in der Abteilung Betriebsberatung des Südtiroler Bauernbundes (Tel. 0471 999439, E-Mail:  betriebsberatung@sbb.it).