Produktion, Südtiroler Landwirt | 01.03.2018

Forschung für die Landwirtschaft

335 Projekte und Tätigkeiten wird das Versuchszentrum Laimburg im Jahr 2018 bearbeiten. Darunter auch eine ganze Reihe von Projekten, die von externen Einrichtungen vorgeschlagen wurden, unter anderem vom Südtiroler Bauernbund. von Franziska Maria Hack, Versuchszentrum Laimburg

Die Anbauprüfung für Nischenkulturen, wie Buchweizen beispielsweise, ist Teil des Tätigkeitsprogramms des Versuchszentrums Laimburg. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Die Anbauprüfung für Nischenkulturen, wie Buchweizen beispielsweise, ist Teil des Tätigkeitsprogramms des Versuchszentrums Laimburg. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Das Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums wird in einem aufwendigen Prozess zusammen mit den Stakeholdern des Versuchszentrums erarbeitet (vgl. SLW 16/2017 und 20/2017). Welche Rolle kommt dabei landwirtschaftlichen Institutionen wie dem Südtiroler Bauernbund zu? Und welche neuen Projekte und Tätigkeiten wird das Versuchszentrum Laimburg 2018 angehen?
Für das Tätigkeitsprogramm 2018 waren 53 interne und 100 externe Vorschläge für neue Projekte von den verschiedenen Institutionen der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie gemacht worden.
Diese Vorschläge werden gesammelt und mit den internen Vorschlägen, die die Wissenschaftler des Versuchszentrums erarbeiten, zusammengeführt. In den Fachbeiratssitzungen werden sie mit den lokalen Verbänden, Vereinen und Interessenvertretern wie dem Südtiroler Bauernbund, dem Beratungsring für den Obst- und Weinbau, dem Beratungsring Berglandwirtschaft BRING usw. diskutiert, auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft und prio­risiert. Dann wird abgestimmt.
Heißt der Wissenschaftliche Beirat die erarbeiteten Priorisierungen gut, erstellt der Direktor des Versuchszentrums im Rahmen der Aufgaben der Forschungseinrichtung das Tätigkeitsprogramm für das Folgejahr. Das beschlossene Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums für 2018 ist auf der Webseite des Versuchszentrums verfügbar.

Haltbarkeit und Lebensmittelsicherheit
Im Jahr 2017 konnten etwa 69 Prozent der von den verschiedenen Organisationen eingebrachten Vorschläge auf die eine oder andere Weise berücksichtigt werden, d. h., mehr als zwei von drei Vorschlägen wurden umgesetzt.
Einige der Projekte und Tätigkeiten, an denen das Versuchszentrum Laimburg 2018 arbeitet, gehen auch auf Vorschläge zurück, die vom Südtiroler Bauernbund eingebracht wurden – so beispielsweise die Prüfung von Verarbeitungs- und Konservierungsmethoden aus Nischenkulturen (Kastaniencreme und Rote-Bete-Saft).
Im Projekt sollen die sensorischen, ernährungsphysiologischen, hygienisch-toxikologischen und verarbeitungstechnologischen Eigenschaften der Produkte aus Nischenkulturen untersucht werden. Durch sensorische Analysen und chemisch-analytische Methoden sollen diese Produkte darüber hinaus geschmacklich optimiert werden. Das Projekt zielt damit darauf ab, die Markteinführung neuer bäuerlicher Produkte zu erleichtern und die Qualität sowie Lebensmittelsicherheit dieser Produkte zu erhöhen. Dieser Vorschlag wurde in den zwei neuen Projekten „Untersuchung von Stabilitätsparametern von Kastaniencreme“ (LM-fp-18-02) sowie „Methoden zur Haltbarkeitsmachung von Rote-Bete-Saft“ (LM-fp-18-03) aufgegriffen. Beide Projekte konzentrieren sich auf eine grundlegende Problematik im Herstellungsprozess dieser beiden Produktneuentwicklungen: die Haltbarkeit und die Lebensmittelsicherheit. Erst wenn diese Herausforderungen gelöst sind, können diese innovativen Nischenprodukte auf dem Markt eingeführt werden. Beide Projekte haben am 1. Jänner 2018 begonnen und haben eine Laufzeit von einem Jahr.

Anbauprüfung von Nischenkulturen
Nischenkulturen stellen eine gute Nebenerwerbsmöglichkeit für Südtirols Landwirte dar, auf deren Grundlage eventuell sogar eigenständige Betriebszweige aufgebaut werden können. Da für gewisse Nischenkulturen allerdings noch wenig über die Anbaumöglichkeiten in Südtirol bekannt ist, hat der Süd­tiroler Bauernbund vorgeschlagen, eine detailliertere wissenschaftliche Untersuchung dazu anzustellen. Ziel ist es, den Anbau neuer Nischenkulturen auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen und damit die Erfolgschancen des Anbaus zu steigern. Dies soll erreicht werden, indem in einer Machbarkeitsanalyse die Eignung dieser Nischenkulturen für Südtirol hinsichtlich Höhenlage und Temperatur, Wasserbedarf, Düngung, Pflanzengesundheit, Anbausysteme und Mechanisierung der Arbeitsschritte geprüft wird. Auf diese Weise könnte den Landwirten der Einstieg in den Anbau von Nischenkulturen erleichtert, könnten Risiken minimiert und die Chancen auf Erfolg maximiert werden.
Die Kulturen Weizen und Braugerste werden bereits in den Projekten BLW-ab-14-2 und BLW-ab-16-1 vom Fachbereich Berglandwirtschaft wissenschaftlich untersucht. Darüber hinaus wird im Rahmen der Tätigkeit „Netzwerkunterstützung im Bereich Getreide“ (BLW-ab-T09) ein Pilotanbau von Hanf an der Fachschule Dietenheim fachlich begleitet. Für Himbeeren stellt die Arbeitsgruppe Beeren- und Steinobst ebenfalls bereits Sortenvergleiche an (SK-bs-T05).
Andere Teile des Projektvorschlags werden in neuen Tätigkeiten und Projekten bearbeitet: Zu Buchweizen und Rispenhirse führt der Fachbereich Berglandwirtschaft in dem von Interreg V-A Italien-Österreich (2014–2020) geförderten Projekt RE-CEREAL (BLW-ak-18-01) wissenschaftliche Untersuchungen (Sortenprüfung, Züchtung, Produktentwicklung) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern durch. 2018 wird ­außerdem das interne Projekt „Sortenprüfung von Speisehafer“ (BLW-ak-18-02) starten.
Darüber hinaus wird die Arbeitsgruppe Beeren- und Steinobst in einem neuen Projekt (OB-bs-T12) eine Pilot- bzw. Demo-Anlage erstellen, um interessierten Anbauern und Neueinsteigern nützliche Informationen zu den verschiedenen Anbaufragen wie Sortenwahl, Erziehungssysteme und Pflege bieten zu können. Im neuen Feld sollen im Laufe der Jahre verschiedene Ergänzungskulturen wie Minikiwi, Holunder, Haselnüsse, Walnüsse, interspezifische Birnen und weitere interessante Obstarten angebaut werden. Sortenvergleiche bei Johannisbeeren (SK-bs-T06) und Heidelbeeren (SK-bs-T02) mussten aufgrund eines Personalengpasses in der Arbeitsgruppe ausgesetzt werden, können aber 2018 wiederaufgenommen werden.

Zeitaufwand bei Futtermittelproduktion
In der Berglandwirtschaft erfordert die Futtermittelproduktion einen erheblichen Zeitaufwand. Die für die verschiedenen Arbeitsschritte (Düngung, Wenden/Zetten, Heuernte/Transport, Bodenpflege, Mähen usw.) benötigten Arbeitszeiten variieren allerdings erheblich (u. a. aufgrund von Flächenneigung, Höhenlage). Für verschiedene Kalkulationen wie Finanzierungspläne, Hofschätzungen, Arbeitsausfälle und Argumentationen wie Vorträge, Betriebszweigsvergleiche, Investitionsplanungen ist es erforderlich, den Arbeitsaufwand der Futtermittelproduktion oder einzelner Arbeitsschritte abzuschätzen. Da für die Südtiroler Landwirtschaft bis dato keine spezifischen Richtwerte verfügbar sind, hat der Südtiroler Bauernbund vorgeschlagen, sie in einem Projekt zu ermitteln. Grundlage dafür soll der Datenbestand eines bereits abgeschlossenen Laimburg-Projekts („Studie der Kosten der Futterproduktion in Südtirol“, BLW-gw-11-1) sein. Dieser Vorschlag wird im Tätigkeitsprogramm 2018 aufgegriffen und in das Projekt „Validierung eines Dürre-Index zur Erstellung einer Ernteausfallpolizze im Grünland“ (BLW-gw-18-2) integriert, das aus einer externen Anfrage des Südtiroler Hagelschutzkonsortiums und aus vorbereitenden Treffen unter der Koordination der Abteilung Landwirtschaft und der Teilnahme des BRING hervorging. Das auf ein Jahr angelegte Projekt wird von der Arbeitsgruppe Grünlandwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Unità di Ricerca Ecologia forestale e cicli biogeochimici der Fondazione Edmund Mach bearbeitet.

Andere Impulsgeber
Neben dem Südtiroler Bauernbund sind aber auch andere Institutionen Impulsgeber für Forschungsprojekte, die am Versuchszentrum Laimburg bearbeitet werden. Darunter der Beratungring für Obst- und Weinbau, der unter anderem folgende zwei Vorschläge eingebracht hat, die mit 2018 in das Tätigkeitsprogramm aufgenommen wurden.

Reduktion von Trockenschäden
In den Wintermonaten 2017 wurden die Böden durch die spärlichen Niederschläge sehr stark ausgetrocknet. In einigen Obstanlagen waren daraufhin Trockenschäden zu beobachten. Von dieser Frosttrocknis (Zusammenfallen von Trockenheit und Kälte) sind oft Bäume der Sorte Cripps Pink betroffen. Im Projekt soll nun abgeklärt werden, ob in solchen Situationen Wassergaben helfen könnten, die Schäden durch Frosttrocknis zu reduzieren. Die Arbeitsgruppe Boden, Düngung und Bewässerung des Versuchszentrums Laimburg hat diesen Vorschlag aufgenommen und wird ihn im kommenden Jahr im Rahmen der neuen Tätigkeit „Preliminäre Eignungsprüfung von Produktionsmitteln zur Pflanzenernährung oder zur Verbesserung der Fruchtqualität ­(OB-bd-T04)“ umsetzen. Unter der Voraussetzung, dass 2018 die für die Versuchsdurchführung erforderlichen klimatischen Bedingungen gegeben sind, werden Messungen zum Wassergehalt der Triebe im Winter (Schnitt Zweige im Laufe des Winters) durchgeführt. Ziel ist es abzuklären, ob Schäden durch Trockenheit oder Kälte verursacht wurden.

Vergleich neuer Anbausysteme
Der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau hat auch angeregt, zwei neue Anbausysteme im Obstbau zu untersuchen, die in den letzten Jahren entwickelt bzw. weiterentwickelt wurden. Dabei handelt es sich um sogenannte Spaliererziehungssysteme, wie man sie aus dem Weinbau kennt. Grundprinzip beider Systeme ist das Hochziehen
mehrerer Achsen pro Baum. Durch die Mehrachsigkeit wird das Wachstum auf natürlichem Wege verringert, und es entsteht eine schmalere Fruchtwand, was eine Verringerung der Schattenbereiche im Baum und damit potenziell einen höheren Ertrag zur Folge hat. Um die Vor- und Nachteile bewerten zu können, werden zwei verschiedene Systeme (Doppel-Guyotsystem nach Alberto Dorigoni und DaVor-Baum nach Christian Vorhauser) mit dem herkömmlichen System der Großen Schlanken Spindel verglichen und innere und äußere Fruchtqualitätsparameter untersucht. Zu diesem Zweck hat die Arbeitsgruppe Physiologie Obstbau das neue Projekt „Vergleich von Mehrachserziehungssystemen mit der Großen Schlanken Spindel“ (OB-ph-18-01) begonnen.